7. April 2014

Zulassungen steigen um 50 Prozent Erdgas wird bei Kunden immer beliebter

Derzeit gibt es bundesweit 900 Erdgastankstellen.
Derzeit gibt es bundesweit 900 Erdgastankstellen. © dpa

Noch fristet Erdgas ein Schattendasein. Doch bei den Kunden scheint ein Umdenken einzusetzen. Im Vorjahr stiegen die Neuzulassungen um über 50 Prozent. Nun versucht auch die EU das Thema anzuschieben.




Von Frank Mertens

Eigentlich spricht alles für Erdgas: Aufgrund der Steuerbefreiung bis zum Jahr 2018 ist es nicht nur ein günstiger Kraftstoff (derzeit bei rund 1,12 Euro pro Kilogramm), sondern aufgrund seines geringeren CO2-Ausstoßes vor allem auch ein umweltschonender. Doch bei den Kunden spielt Erdgas derzeit nur eine geringe Bedeutung.

Im Jahr 2013 wurden in Deutschland bei einem Pkw-Gesamtmarkt von knapp unter drei Millionen Fahrzeugen gerade einmal etwas mehr als 7800 Erdgasfahrzeuge neu zugelassen, wie aus den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervorgeht. Das wirkt ernüchternd. Aber die Nachfrage nach Alternativen Antrieben sieht grundsätzlich nicht besser gut aus: Gerade einmal 1,6 Prozent aller Neuwagenkäufer haben sich im Vorjahr für ein Fahrzeug mit einem alternativen Antrieb wie Elektro, Hybrid; Flüssig- oder Erdgas entschieden.


Erdgas mit hohen Wachstumsraten

Doch Erdgas scheint im Kommen zu sein. Denn im Vorjahr entschieden sich bereits 50 Prozent mehr Kunden für ein Erdgasfahrzeug als noch im Jahr 2012. „Damit haben sich mehr Käufer für einen Pkw mit Erdgasmotor entschieden als für ein Auto mit Flüssiggas- oder Elektroantrieb“, stellte der Geschäftsführer der Erdgas Mobil GmbH, Timm Kehler, bereits Ende Januar zufrieden fest.

Auch wenn die prozentuale Steigerung von knapp über 50 Prozent im Vorjahr Hoffnung macht, dass Erdgas populärer wird, bleiben die absolute Verkaufszahlen noch recht bescheiden: So waren im Vorjahr laut Zahlen des KBA gerade einmal insgesamt 79.000 Erdgas-Pkw auf deutschen Straßen unterwegs. Dem standen zwar über eine halbe Million Pkw mit Flüssiggas gegenüber, aber dieser Kraftstoff scheint an Beliebtheit zu verlieren. Denn die Verkäufe gingen im Vorjahr um mehr als 45 Prozent zurück.

Bundesweit 900 Erdgastankstellen

Der Golf TGI, so nennt VW seine Erdgasvariante
Der Golf TGI, so nennt VW seine Erdgasvariante © VW

An der Anzahl der Tankstellen kann das nicht liegen: derzeit gibt es bundesweit 6500 Autogastankstellen, dem stehen indes nur 900 Erdgastankstellen gegenüber. Doch diese Zahl könnte sich in absehbarer Zeit ändern.
Denn die EU hat am 26. März ein Richtlinienpaket zum Ausbau des Tankstellennetzes. Es soll dazu beitragen, die Nachfrage nach umweltfreundlicheren Antriebskonzepten zu erhöhen. Neben Ladestationen für Elektroautos und Wasserstofftankstellen soll auch das Netz von Erdgastankstellen ausgebaut werden. Das Ziel des Richtlinien-Pakets ist es, Erdgasfahrzeugen in Ballungsgebieten bis 2020 zum Durchbruch zu verhelfen.

Daneben sollen sich auf den wichtigsten europäischen Verkehrsrouten bis 2025 ausreichend Erdgasstationen finden. Ihr Abstand dürfe dann nur höchstens 150 Kilometer betragen. Bevor das Richtlinienpaket in Kraft tritt, benötigt es noch die Zustimmung des EU-Parlaments. Sollte die Zustimmung erfolgen, was als wahrscheinlich gilt, haben die Mitgliedsstaaten dann noch zwei Jahre Zeit, es umzusetzen.

Dass die Infrastruktur einer der Gründe für die derzeit verhaltene Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen ist, meint auch Skoda-Entwicklungsvorstand Frank Welsch, wie er unlängst im Interview mit der Autogazette sagte. Durch die nicht ausreichende Zahl an CNG-Tankstellen würden „potenzielle Kunden abgeschreckt“.

Hohe Reichweiten mit Erdgas

Der Skoda Octavia G-Tec
Der Skoda Octavia G-Tec © Skoda

Aber auch schon heute brauchen die Nutzer eines Erdgasfahrzeuges keine Angst haben, liegen zu bleiben. Denn sie verfügen über einen bivalenten Antrieb, der ihnen wie beispielsweise beim neuen Skoda Octavia G-TEC eine Reichweite von 1330 Kilometer ermöglicht, dabei allein 410 Kilometer allein im Erdgasbetrieb. Der Hersteller gibt den Verbrauch mit 3,5 Kilogramm auf 100 Kilometer an. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 97 g/km. „Unsere CNG-Fahrzeuge besitzen Gas-Tanks und einen normalen Tank für Benzin, sie fahren mit beiden Kraftstoffen. Und der Kunde merkt beim Fahren keinen Unterschied. Das heißt, wenn der Gas-Tank leer und keine Erdgas-Tankstelle in Sichtweite ist, kann der Kunde im Benzinbetrieb fahren“, sagte Welsch.

Erdgasfahrzeugen kommt aber auch unter klimapolitischen Gesichtspunkten eine wichtige Bedeutung bei. Wie aus einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) aus dem Jahr 2010 hervorgeht, habe Erdgas unter den fossilen Kraftstoffen das größte Potenzial zur Reduzierung der Treibhausgasbilanz (THG). Im Vergleich zu Benzin können mit Erdgas die THG-Emissionen „um bis zu 24 Prozent gesenkt werden“.



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