17. März 2014

Skoda-Entwicklungsvorstand Frank Welsch «Eine Revolution ist beim Verbrauch nicht zu erwarten»

Entwicklungsvorstand Frank Welsch und der VisionC.
Entwicklungsvorstand Frank Welsch und der VisionC. © AG/Mertens

Skoda hat auf dem Autosalon Genf mit dem VisionC eine vielbeachtete Studie gezeigt. Im Interview mit der Autogazette spricht Entwicklungsvorstand Frank Welsch über emotionales Design und darüber, weshalb alles für den Erdgasantrieb spricht.




Die VW-Tochter Skoda hat auf dem gerade zu Ende gegangenem Autosalon Genf mit dem «VisionC» eine vielbeachtete Designstudie präsentiert. Sie wird wegweisend für die künftige Designsprache des tschechischen Autobauers sein. Doch bereits mit dem Octavia RS hätte Skoda gezeigt, dass man emotionale Autos bauen könne.


«Design ist leidenschaftlicher, expressiver geworden»

«Mit der Designstudie ´VisionC´ gehen wir allerdings konsequent einen großen Schritt weiter. Das Design ist leidenschaftlicher, expressiver und dynamischer geworden», sagte Skoda-Entwicklungsvorstand Frank Welsch im Interview mit der Autogazette. Elemente des «VisionC» werde man bereits beim neuen Skoda Fabia sehen, der Ende des Jahres auf den Markt kommt und seine Premiere auf dem Autosalon in Paris feiern wird.

«Mit Designstudie VisionC gehen wir Schritt weiter»

Das Heck des «VisionC»
Das Heck des «VisionC» © AG/Mertens

Autogazette: Herr Welsch, hat Škoda eigentlich zu lange das Thema emotionales Design vernachlässigt?

Frank Welsch: Nein, überhaupt nicht. Wie die Technik entwickelt sich auch das Design einer Marke weiter. Wir orientieren uns an unseren Markenwerten, also daran, wofür Škoda steht. Uns ging es immer darum, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, viel Platz, moderne Technik, Funktionalität und Simply-Clever-Lösungen zu bieten. Aber bereits mit dem neuen Octavia haben wir begonnen, die Marke emotionaler zu gestalten.

Autogazette: Design ist ein wichtiges Kriterium für den Autokauf. Welches Modell spricht denn die Emotionen an?

Welsch: Schauen Sie sich den Octavia RS an. Bei ihm haben wir neben der Performance insbesondere dem Design besonders viel Hingabe gewidmet. Man sieht das innen, man sieht das außen. Unsere Kunden schätzen das. Er verkauft sich besser als alle RS-Versionen zuvor.

Autogazette: Ist die Designstudie «VisionC» das erste Auto, mit dem Škoda zeigt, dass man auch emotionale Autos anbieten kann?

Welsch: Schon der RS stellt das unter Beweis. Aber auch unsere anderen Modelle zeigen das mit den Ausstattungs-Linien. Wir haben bereits am jetzigen Fabia mit der Design-Variante Monte Carlo gemerkt, was mit Farben und gezielt eingesetzten Anbauteilen erreicht werden kann. Das kommt gut an, wir werden das weiter ausrollen. Das ist auch ein Stück Emotionalität. Mit der Designstudie «VisionC» gehen wir allerdings konsequent einen großen Schritt weiter. Das Design ist leidenschaftlicher, expressiver und dynamischer geworden.

«Unser eingeschlagener Designweg ist richtig»

Der Skoda Fabia
Der Skoda Fabia © Skoda

Autogazette: In welchem Modell wird die neue Designsprache des VisionC das erste Mal zu sehen sein? Im neuen Fabia, der am Ende des Jahres kommt?

Welsch: Ich möchte hier noch nicht zu viel verraten. In unserem Modellprogramm stehen als nächstes der Nachfolger des Fabia und des Superb an. Elemente der «VisionC» wird man bei diesen Automobilen wiederfinden.

Autogazette: Werden Sie den Mut haben, die «VisionC» zu bauen?

Welsch: Der Škoda «VisionC» ist eine Designstudie, mit der wir Medien, Fachpublikum und Kunden auf der Messe in Genf um Ihre Meinung bitten. Die vielen positiven Rückmeldungen auf dieses Modell zeigen, dass unser eingeschlagener Design-Weg richtig ist. Für eine Modell-Entscheidung brauchen wir vor allem die Rückmeldung der Märkte, dass man dieses Auto in ausreichender Stückzahl verkaufen kann. Wir Techniker hätten natürlich Spaß daran, ein solches Auto zu bauen. Doch es muss sich auch rechnen und in unser Modellportfolio passen.

«Machen gute Erfahrungen mit Skoda Citigo»

Der Skoda Citigo
Der Skoda Citigo © Skoda

Autogazette: Haben Sie eine Idee, wie viele Erdgasautos im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt wurden?

Welsch: Auf jeden Fall zu wenig.

Autogazette: Es waren laut dem KBA gerade einmal 7830 Fahrzeuge. Weshalb sind Erdgasfahrzeuge trotz der offenkundigen Vorteile nicht attraktiver?

Welsch: Wir machen sehr gute Erfahrungen mit unserem Škoda Citigo, der gerade einmal auf einen CO2-Ausstoß von 79 g/km kommt. Er hat einen Anteil von über sechs Prozent am Gesamtabsatz des Citigo. Die Infrastruktur, also Anzahl der CNG-Tankstellen, ist aber leider in vielen Ländern nicht weit genug entwickelt, was viele potenzielle Kunden abschreckt. Allerdings haben wir hier vorgesorgt. Unsere CNG-Fahrzeuge besitzen Gas-Tanks und einen normalen Tank für Benzin, sie fahren mit beiden Kraftstoffen. Und der Kunde merkt beim Fahren keinen Unterschied. Das heißt, wenn der Gas-Tank leer und keine Erdgas-Tankstelle in Sichtweite ist, kann der Kunde im Benzinbetrieb fahren. Sind beide Tanks gefüllt, steht eine Reichweite von bis fast 1400 Kilometer zur Verfügung. Mit Blick auf die geringen Mehrkosten bei der Anschaffung und den erheblichen Verbrauchsvorteilen im Erdgasbetrieb bieten wir hier ein praxisgerechtes, schlüssiges Konzept an.

Autogazette: Ist ein Anteil von sechs Prozent wirklich gut?

Welsch: Ja. Doch es könnte noch besser sein, dafür müsste die Tankstellen-Infrastruktur aber weiter ausgebaut werden.

Autogazette: Welchen Wunsch hätten Sie mit Blick auf den Erdgasantrieb? Sollte es ihn in jedem Modell geben?

Welsch: Wir haben entschieden, dass wir, nach dem erfolgreichen Marktstart des Citigo CNG auch in unserem volumenstärksten Modell, dem Octavia, Erdgas anbieten. Ich hoffe, dass die Akzeptanz im Markt mittelfristig besser wird. Denn die CNG-Technologie ermöglicht umweltfreundliche und verbrauchsarme Mobilität.

«Da haben wir keine Wahl»

Autogazette: Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie bis 2021 das Ziel von 95 g/km erreichen?

Welsch: Da haben wir keine Wahl. Wir werden zum Erreichen dieses Zieles das klassische Handwerkszeug konsequent verwenden. Wir reduzieren den Cw-Wert, wir setzen auf Leichtbau, auf rollwiderstandsoptimierte Reifen, Rekuperation, wir rollen das Start-Stopp-System in unserer Modellpalette aus. Auch die EU6-Motoren kommen. Außerdem pushen wir CNG und GreenLine. Wir haben den Octavia GreenLine mit einem Verbrauch von 3,2 Litern auf einen CO2-Ausstoß von 85 g/km gebracht und unser Octavia mit Erdgasantrieb, den wir G-TEC nennen, hat 97 g/km. Hier werden wir ansetzen und die Entwicklung weiter vorantreiben. Man sieht, dass konventionelle Antriebe immer noch über Potential verfügen. Natürlich beobachten wir die E-Mobilität und die Hybrid-Technologie – hier sind wir sehr froh, Bestandteil des Volkswagen Konzerns zu sein. Das ermöglicht es uns, schnell zu reagieren, wenn wir den Einsatz dieser Technik für unsere Kunden für gegeben ansehen.

Autogazette: Elektroautos spielen aufgrund der geringen Nachfrage keine Rolle?

Welsch: Vorerst nicht. Für unsere Kunden ist die Antriebstechnologie auch eine Kostenfrage und E-Antriebe sind zur Zeit noch sehr teuer. Aber auch der Markt und die Bedürfnisse ändern sich. Nur ein Beispiel: Wenn sich Car-Sharing-Konzepte weiter durchsetzen, steigt die Nachfrage nach praktischen City-Flitzern mit geringen Verbrauchskosten. Das könnte dann auch für elektrisch angetriebene Kleinwagen interessant werden.

Autogazette: Sie bringen in Kürze den Škoda Octavia mit Erdgasantrieb auf den Markt. Was würden Sie den Kunden sagen, weshalb sie sich für dieses Auto entscheiden sollten?

Welsch: Weil alles für den Erdgasantrieb spricht. Er ist bei der Anschaffung nur geringfügig teurer, aber kostet im Betrieb spürbar weniger, sodass er sich rechnet.

«Mit kleinen Schritten zu niedrigeren Verbräuchen»

Der Skoda Octavia mit Erdgasantrieb
Der Skoda Octavia mit Erdgasantrieb © Skoda

Autogazette: Der Škoda Octavia GreenLine kommt auf einen Verbrauch von 3,2 Litern. Was ist hier mit den Themen Leichtbau und Aerodynamik noch erreichbar? Ein Verbrauch unter drei Litern?

Welsch: Eine Revolution ist beim Verbrauch nicht zu erwarten. Doch wir kommen mit kleinen Schritten zu immer niedrigeren Verbräuchen, wie der Octavia G-TEC oder die Studie des «VisionC» mit einem CO2-Wert von 91 g/km zeigen. Start-Stopp und Rekuperation werden wir in Europa in unseren Modellen fast flächendeckend anbieten. Doch auch hier entwickeln wir uns weiter. So werden auch wir die Zylinder-Abschaltung anbieten.

Autogazette: Wann und in welchem Modell?

Welsch: Da gibt es noch keinen genauen Termin, doch in unseren nächsten Modellen werden Sie dies finden.

Autogazette: Welche Bedeutung spielt für Sie die Aerodynamik, die den Realverbrauch ja signifikant reduziert? Rückt das stärker in den Fokus?

Welsch: Die Aerodynamik steht schon lange bei uns im Fokus. So kommt unser Octavia auf einen Cw-Wert von 0,29. Wir werden das bei kommenden Modellen unterbieten. Auch beim Gewicht werden wir immer besser: der neue Octavia ist um über 100 Kilo leichter als der Vorgänger und der neue Fabia wird unter 1000 Kilo wiegen. Für ein Auto von einer Länge von vier Metern ist das nicht schlecht.

Autogazette: Das Thema Konnektivität wird immer wichtiger. Wird auch der Fabia das Fahrzeug sein, wo es zu einer Vernetzung zwischen Smartphone und Auto kommt?

Welsch: Lassen Sie uns im Herbst auf der Automesse in Paris treffen. Dann demonstriere ich Ihnen unsere neue Anwendung. Bereits heute haben Sie im Superb WLAN, doch den Inhalt des Smartphones können sie noch nicht auf dem Display sehen. Das wird zukünftig der Fall sein. Wir werden zusätzlich eine Koppelung zu den Fahrzeugdaten anbieten. Im Auto wird es eine Einrichtung geben, die dem Smartphone Information über Beschleunigung, Effizienz und andere wichtige Daten mitteilt. Das wird Simply Clever 2.0 sein.

Das Interview mit Frank Welsch führte Frank Mertens



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