Erdgasauto rechnet sich bereits ab dem Kauf

Studie des EWI

Christian Growitsch vom EWI
Christian Growitsch vom EWI. © AG/Mertens

Nach einer Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität Köln spricht alles für den Kauf eines Erdgasfahrzeuges. Bei der Kompakt- und Mittelklasse rechnet es sich laut des EWI bereits ab dem Kauf.

Von Frank Mertens

Die Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen steigt prozentual deutlich an. Doch in absoluten Zahlen befindet sich der Anteil von erdgasangetriebenen Fahrzeugen an den Neuzulassungen nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) noch auf niedrigem Niveau. So wurden im Jahr 2013 gerade einmal 7800 Erdgasfahrzeuge neu zugelassen. Ein Aspekt, der für den Volkswirtschaftler Christian Growitsch vom Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Universität Köln nicht nachvollziehbar ist.

Ab wann rechnen sich Erdgasfahrzeuge?

Denn Growitsch ist in einer Studie ("Erdgasfahrzeuge als kosteneffiziente CO2-Vermeidungstechnologie") unter anderem der Frage nachgegangen, ab wann sich Erdgasfahrzeuge für den Kunden rechnen - mit interessanten Ergebnissen, die den Wissenschaftler selbst überrascht haben. "Bereits ab einer Jahreslaufleistung von 7000 Kilometern rechnet sich ein Kleinwagen betriebswirtschaftlich", stellte Growitsch beim 14. Erdgas Mobil Symposium in Berlin fest.

Legt man die Kosten von Erdgasfahrzeugen zu Grunde, rechnen sich Kompakt- und Mittelklassefahrzeuge vor dem Hintergrund der Steuervorteile schon viel früher. "Damit stellen Erdgasfahrzeuge eine Technologie dar, die sich für den Käufer bereits mit dem Kauf rechnet", so Growitsch. Trotz dieser Vorteile bringen es Erdgasfahrzeuge nur auf einen Marktanteil von 0,2 Prozent.

Vergleichbarkeit der Preise erforderlich

Doch warum bringen es CNG-Fahrzeuge nur auf einen so geringen Anteil? Weil es für die Kunden teilweise nicht ersichtlich sei, welche Vorteile ein Erdgasfahrzeug den Kunden bieten würde, sagt Growitsch. Das fange bereits bei der Preisauszeichnung an der Tankstelle an, wo Erdgas noch in Kilogramm angegeben werde. Hier wüssten die Autofahrer schlichtweg nicht, in welchem Verhältnis ein Kilogramm Erdgas zu einem Liter Benzin stehe, so Growitsch. Doch dieser Aspekt wird sich perspektivisch ändern, nachdem die EU vor kurzem eine Richtlinie verabschiedet hat, nach der es zu einer Vergleichbarkeit bei der Preisauszeichnung an der Tankstelle kommen wird.

In seiner Studie verglich das EWI zudem Erdgas mit Alternativen wie Elektro, Plug-in-Hybrid und einem Hybrid. Vor dem Hintergrund der Anschaffungspreise rechnet sich ein Erdgasfahrzeug hier schon ab 5000 Kilometern Jahresfahrleistung, ein E-Auto ab 28.000 Kilometern, ein Plug-in-Hybrid ab 38.000 Kilometern und ein Hybrid erst ab 100.000 Kilometern.

Erdgas auch bei CO2-Vergleich vorn

Mit Blick auf die CO2-Vermeidung spricht laut der Studie ebenso alles für Erdgas. "Hier gibt es eine Übereinstimmung zwischen ökologischen und ökonomischer Rationalität", so Growitsch. Hier rechne sich CNG ab einer Jahreslaufleistung von 17.000 Kilometern, ein Plug-in-Hybrid erst ab 51.000 Kilometern und ein Elektroauto erst ab 100.000 Kilometern.

Doch gerade der Aspekt der CO2-Vermeidung spiele bei den Kunden letztlich keine vorrangige Bedeutung, da er für einen erhöhten CO2-Ausstoß schlicht nicht mehr bezahlen müsse. Vor diesem Hintergrund regte Growitsch auch beim Erdgas und anderen Kraftstoffen einen Emissions-Zertifikate-Handel an.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.