24. Februar 2016

Zugewinn an Sicherheit Blendfreies Fernlicht: Ganz neue Perspektiven

Blendfreies Fernlicht erhöht die Sicherheit
Blendfreies Fernlicht erhöht die Sicherheit © Opel

Es gibt Features im Auto, über die macht man sich selten Gedanken. Dazu gehört auch das Licht. Doch wer einmal mit einem modernen Lichtsystem unterwegs war, mag das nicht missen.




Sie stehen vor einem Autokauf? Sie denken darüber nach, was sie aus der optionalen Ausstattungsliste der Hersteller noch bestellen sollen? Dann denken Sie dabei auch an die Lichtsysteme, die ihnen mittlerweile fast alle Autobauer anbieten. Licht? Ja, Licht. Darüber macht man sich in der Regel wenig Gedanken, weil man meint, dass die serienmäßigen Halogenscheinwerfer reichen. Doch wer einmal mit einem modernen Lichtsystem unterwegs war, wird es kaum mehr missen mögen.

Derzeit haben in moderne Autos eine Vielzahl von neuen Lichttechniken Einzug gehalten. Natürlich gibt es nach wie vor Halogen- und Xenon-Leuchten, doch die Zukunft gehört dem LED-Licht. Auch wenn Halogen und Xenon noch längst nicht veraltet sind und wegen der niedrigeren Kosten noch länger zum Einsatz kommen dürften, hat der Fortschritt längst begonnen.

Dazu gehört auch das blendfreie Fernlicht, dass in immer mehr Autos Einzug hält. Ein Skoda Superb oder auch ein Opel Zafira verfügen über ein derartiges Licht. Für den TÜV Süd ist das blendfreie Fernlicht dann auch einer der größten Fortschritte der letzten Jahre. Es erhöht nicht nur die Sicherheit für den Fahrer mit diesem Lichtfeature an Bord, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmern, die nunmehr nicht mehr durch den Lichtstrahl des entgegen kommenden Fahrzeuges geblendet werden.


Blendfreies Fernlicht als Innovation

Doch warum zählt ein blendfreies Fernlicht zu den großen Fortschritten der vergangenen Jahre? Weil dadurch der Einsatz des Fernlichtes erhöht wird, das von den Autofahrern bisher zu selten genutzt wird. Durch diese geringe Nutzung verzichtet man auf eine bei Dunkelheit bessere Sicht: ohne eingeschaltetes Fernlicht kann man also weniger weit schauen. Während man bei Autos mit normalem Fernlicht dieses noch jeweils bei Dunkelheit bei freier Gegenfahrbahn entweder einschalten oder bei einem entgegen kommenden Fahrzeug es wieder ausschalten musste, geschieht dies in modernen Autos nun automatisch.



Im Opel Zafira reicht beispielsweise ein Tastendruck auf den linken Blinkhebel, schon ist das System aktiviert. Doch wie funktioniert das blendfreie Fernlicht genau? Eine Kamera erfasst dabei den Gegenverkehr (auch Radfahrer) und steuert das Licht so aus, dass dieser aus dem Lichtkegel ausgeklammert werden, also auch nicht geblendet werden.

„Das Fernlicht leuchtet also beispielsweise rechts und links vom Gegenverkehr vorbei, aber nicht auf das entgegenkommende Auto selbst. Der Fahrer kann zusätzlich jederzeit manuell abblenden. Blendfreies Fernlicht gibt es in Xenontechnik und mit LEDs“, so der TÜV Süd. Ist man einmal mit dem System unterwegs gewesen, mag man es nicht mehr missen, da es einem bei Dunkelheit durch die ständig bessere Ausleuchtung der Straße ein entspannteres Fahren ermöglicht.

Scheinwerfer beim Skoda Superb
Scheinwerfer beim Skoda Superb © Skoda

Bei Skoda beispielsweise kostet das blendfreie Fernlicht, das bei der VW-Tochter unter dem Namen dynamischer Lichtassistent firmiert, 990 Euro. Für diesen Preis gibt es neben dem maskierten Dauerfernlicht aber auch noch einen Spurhalte- und Spurwechsel- und einen Ausparkassistenten.

Für Philipp Schreiber vom TÜV Süd sind neue Lichtfunktionen dann empfehlenswert, wenn diese den Komfort und die Sicherheit erhöhen. Sie stellen neben dem blendfreien Fernlicht noch vier bereits erhältliche Systeme und drei aus der Entwicklungsphase vor.

Adaptive Scheinwerfer:

Die adaptiven Scheinwerfer bezeichnet der TÜV Süd als den kleinen Bruder des blendfreien Fernlichts. Sie passen die Lichtverteilung je nach Fahrsituation beispielsweise für die Stadt, Landstraße oder Autobahn an. Auch das Kurvenlicht gehört in diese Kategorie. „Besonders angenehm ist das dynamische Kurvenlicht. Es folgt dem Lenkradeinschlag“, sagt Schreiber und verweist zudem auf die dabei reduzierte Blendung des Gegenverkehrs. Gerade auch beim Abbiegen lernt man die zusätzliche Ausleuchtung der Straße zu schätzen.

Leuchtdioden:

Leuchtdioden sind mehr als ein nett anzuschauendes Gimmick. Sie kommen derzeit in Rückleuchten, Blinkern, Stand- und Tagfahrlicht zum Einsatz. LEDs sind bereits seit längerer Zeit im Einsatz und tauchen mittlerweile immer häufiger in Scheinwerfern auf. Zwar ist das Halbleiterlicht laut dem Lichtexperten des TÜV nicht unbedingt den herkömmlichen Lichtquellen Halogen und Xenon überlegen, „doch durch die hohe Farbtemperatur entsteht allerdings ein höherer Helligkeitseindruck“. Als ein Vorteil der LEDs gilt ihre Lebensdauer: sie übertrifft die der Autos deutlich.

Matrix:



Matrixlicht fand man bisher vor allem in der Oberklasse, aber auch in der Kompaktklasse hat dieses Licht beispielsweise beim Opel Astra Einzug gehalten. Matrix-Licht wird auch Pixellicht genannt. Dabei verfügt der Scheinwerfer über eine größere Zahl einzeln ansteuerbarer Leuchtdioden: aktuell sind es zwischen 25 und knapp unter hundert Stück. Dabei leuchtet jede Diode eine bestimmte Stelle der Straße aus. Dieses Licht kann so das blendfreie Fernlicht und Kurvenlicht ohne mechanische Teile erzeugen.

Perspektivisch denken die Entwickler daran, dass es sogar bis zu 1000 Leuchtdioden gibt. Im Opel Astra kostet das Matrix-Licht in Verbindung mit der Innovation-Ausstattung 1350 Euro Aufpreis - eine Investition, die sich lohnt. Pro Scheinwerfer kommen hier je acht Leuchtelemente zum Einsatz. Das System arbeitet mit der Frontkamera zusammen – kann also erkennen, ob man in oder außerhalb geschlossener Ortschaften unterwegs ist.

Laser:

Laserlicht beim BMW i8
Laserlicht beim BMW i8 © BMW

Auch beim Laserlicht kommt das Licht aus einem Halbleiter. „Die Laserdioden richten ihre Strahlen auf einen Leuchtstoff. Dieses Plättchen oder Kügelchen ist der phosphoreszierende Konverter, der das monochromatische Laserlicht in weißes Licht umwandelt“, erklärt der TÜV Süd diese Technologie. Eigentlich ist das Laserlicht nicht besonders stark; die angegebene Reichweite von Hunderten von Metern entsteht durch die extreme Bündelung. Um Laserlicht nutzen zu können, muss das Auto über normale Fernscheinwerfer mit einem breiteren Licht verfügen. Laserlicht-Scheinwerfer haben extrem kleine Austrittflächen.

Digital Micromirror Devices

Die Digital Micromirror Devices (DMD) kennt man aus der Kinotechnik und von Beamern, die bei Präsentationen verwendet werden. Dabei können Tausende winziger Spiegel in Sekundenbruchteilen Licht an genau festgelegte Stellen lenken oder dort ausblenden. Das Ergebnis ist ähnlich wie beim Matrixlicht, nur feiner aufgelöst. Bis ein solches Licht Serienreife erlangt, wird es noch einige Jahre dauern.

Organische Leuchtdioden

Organische Leuchtdioden (OLEDs) befinden sich noch in der Versuchsphase und werden für Scheinwerferlicht in Zukunft keine Rolle spielen. Ihr Anwendungsgebiet wird in ein paar Jahren im Innenraum, Rückleuchten und im Standlicht liegen. Wie bereits beim DMD stehen auch bei dieser Technik Design-Aspekte im Mittelpunkt. (AG/FM)



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