ZF macht Behicle fit für fünf Sterne im EuroNCAP

Insassenschutz für Kleinstfahrzeug

Das Behicle bei der Seitencrash-Simulation.
Das Behicle bei der Seitencrash-Simulation. © ZF

Kleinstfahrzeuge auf ein hohes Sicherheitsniveau zu bringen, ist eine Herausforderung. Der Zulieferer ZF hat nun einem dreisitzigen Elektro-Stromer fit für fünf Sterne beim EuroNCAP gemacht.

Auf der IAA hat ZF-Chef Stefan Sommer das Ziel des Unternehmens umrissen: Vision Zero - null Unfälle, null Emissionen. Die Mobilität der Zukunft nachhaltig und vor allem sicherer zu machen, daran arbeitet das Friedrichshafener Unternehmen wie andere Zulieferer mit Hochdruck.

Dabei orientiert sich ZF indes nicht nur an bestehenden Fahrzeugkonzepten, sondern auch an Lösungen für die urbane Mobilität. Dazu zählen beispielsweise auch vierrädrige Leichtelektromobile (LEM), die man auch als Quadricycle bezeichnet. Ihnen kommt angesichts immer vollerer Städte für die Verkehrswende eine besondere Bedeutung zu.

ZF bringt Expertise im Insassenschutz ein

Für ein solches LEM hat ZF als Systempartner des EU-Projekts „Best in class Vehicle“ (Behicle) den Insassenschutz entwickelt. „Unser Anspruch, zur Vision Zero beizutragen, deckt selbstverständlich auch neue Fahrzeugkonzepte und -lösungen wie das Behicle ab. Mit dem Entwicklungsstart konnten wir unsere Expertise im Bereich des Insassenschutzes einfließen lassen“, sagte Michael Büchsner, bei ZF Vizepräsident für Sicherheitssysteme. Das Ziel der ZF-Sicherheitsexperten war dabei fest umrissen: im EuroNCAP sollte das Fahrzeug die Höchstwertung von fünf Sternen erreichen. Vergleichbare Fahrzeuge dieser Klasse müssen sich sonst mit drei Sternen begnügen.

Die Umsetzung dieses Ziels stellte die Entwickler vor Herausforderungen. Denn das Behicle, ein dreirädriger Elektro-Stromer, verfügt beispielsweise über einen mittigen Fahrersitz und hat keine B-Säulen. Vor diesem Hintergrund stattete ZF das Fahrzeug nicht nur mit einem speziellen Vierpunkt-Sicherheitsgurt aus, sondern auch mit Curtain- und Seitenairbags. Diese sind mit externen Haltegurten entlang der A- und C-Säule positioniert. Die Sicherheitssysteme von ZF werden durch Sicherheitsoptimierungen an Front, Fahrgastzelle und Türen von anderen Projektpartnern ergänzt.

Behicle setzt Benchmark

Rundumschutz im Behicle ZF

Wie ZF mitteilte, würde der als Top Belt konstruierte Vierpunkt-Sicherheitsgurt im Fall eines Unfalls das Schutzpotenzial gegenüber einem herkömmlichen Dreipunkt-Gurtsystem deutlich erhöhen. Aufgrund der nicht vorhandenen B-Säule wurden zwei Aufroller mit integriertem Straffer und Gurtkraftbegrenzer im hinteren Dachbereich des Behicle intergiert. Damit der Fahrer sich unproblematisch Anschnallen kann, befinden sich die beiden Schlosszungen seitlich vor dem Fahrerkopf. Am Dachhimmel. Links und rechts des Fahrersitzes sind die Gurtschlösser angebracht. Wie bereits bei Serienfahrzeugen üblich, sind die Gurte auch im Behicle mit einem so genannten Dynamic Locking Tongue (DLT) versehen. Dieses Bauteil in der Gurtzunge sorgt im Falle eines Unfalls dafür, dass die Belastung auf Brust- und Schulterbereich reduziert werden. Um die entsprechenden Crashtestanforderungen zu erfüllen, kommen im Behicle neue Seitenairbags zum Einsatz.

Vor dem Hintergrund neuer Mobilitätskonzepte kommt City-Stromern mit einer maximalen Leistung von 15 kW und einem Leergewicht von 400 Kilogramm ohne Batterie eine hohe Bedeutung zu. Bislang ist jedoch kein Serienmodel über zwei Sterne im EuroNCAP hinaus gekommen. Das Behicle setzt hier einen Benchmark. (AG/FM)

ZF auf der IAA 2017