28. März 2008

Kritik an Industrie und Politik VCD-Sprecher: E10 ein Schnellschuss

Gerd Lottsiepen
Gerd Lottsiepen © Foto: VCD

Gerd Lottsiepen sieht im Konflikt um die Betankung mit dem Ottokraftstoff E10 lediglich ein Ablenkungsmanöver. «Alles war nur eine Show der Autoindustrie und der Regierung», sagte der verkehrspolitische Sprecher des VCD der Autogazette.




Von Thomas Flehmer

Gerd Lottsiepen sieht das Thema E10-Betankung für beendet an. Nachdem der ADAC die Zahl der für den E10-Kraftstoff untauglichen Fahrzeuge auf rund 3,12 Millionen beziffert hatte, sprach der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD) von einem Ablenkungsmanöver. «Die deutsche Autoindustrie und die Regierung haben das Thema E10 aufgenommen, um in Brüssel Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit zu zeigen und zugleich das Thema CO2 zu verwässern», sagte Lottsiepen der Autogazette. Die Deutschen sehen sich bei der Festlegung der CO2-Grenzwerte benachteiligt, da mehr schwere und große Fahrzeuge gebaut werden, die mehr Kraftstoff verbrauchen.


Alles eine Show

Die Versuche, noch vor allen anderen EU-Staaten eine Betankung mit E10 ab dem kommenden Jahr durchzusetzen, bezeichnete Lottsiepen deshalb als «Schnellschuss. Jetzt zeigt sich, dass alles nur eine Show war.» Umweltminister Sigmar Gabriel war bei der Ankündigung der neuen Betankungsform ab 2009 von etwa 350.000 Fahrzeugen ausgegangen, die den E10-Ottokraftstoff nicht vertragen würden und auf das bis zu 15 Cent teurere Super Plus wechseln müssten. Nach Angaben des ADAC werde sich die Zahl aber um das Zehnfache steigern.

Mitte Februar hatte Gabriel deshalb schon ein wenig zurückgerudert und die Biospritpläne in Frage gestellt, sollte sich die Zahl weiter erhöhen. Er forderte von den Herstellern konkrete Angaben. Diese trudeln in den letzten Wochen langsam ein. Dabei stellt sich heraus, dass insbesondere ältere Autos für die Betankung von E10 nicht geeignet sind. Während der ADAC deshalb eine Verschiebung der Biosprit-Betankung auf 2012 forderte, sieht Lottsiepen ganz andere, gravierende Probleme.

«Peinliche Rolle» des VDA

«Das größte Problem ist die fragwürdige Ökobilanz. Bei uns gibt es nicht genügend Ethanol, das nachhaltig erzeugt werden kann», so der Verkehrsexperte. Und ein Import aus Brasilien, wo die Produktion von Ethanol schon seit den achtziger Jahren zum Alltag gehört, würde die Bilanz aus ökologischer und auch wirtschaftlicher Sicht stark verschlechtern.

Für Lottsiepen ein weiterer Grund des Ablenkungsmanövers, bei dem der Verband der Automobilindustrie (VDA) eine «peinliche Rolle» spiele. «Der VDA war bei Biokraftstoffen immer skeptisch. Plötzlich lenkt er ein», so Lottsiepen. Tatsächlich hielt der VDA selbst bei Gabriels Bedenken Mitte Februar an der Zahl von lediglich 375.000 betroffenen Fahrzeugen fest, die keinen E10-Kraftstoff vertragen würden.

Verbrauchssenkung einzige Lösung

Die einzige Lösung sieht der verkehrspolitische Sprecher in einer Senkung der Verbräuche. Dabei zollt er den deutschen Herstellern zum einen ein Lob. «Downsizing und Bluemotion oder Efficient Dynamics sind Schritte in die richtige Richtung», sagt Lottsiepen, um gleich nachzulegen, dass man «noch einen Schritt weitergeht und an der Motorleistung Hand anlegt.»

Der Sprecher kritisiert, dass viele Fahrzeuge immer mehr Pferdestärken erhalten. «32 Prozent aller Neuzulassungen sind über 200 km/h schnell. Vor ein paar Jahren waren es nur zwölf Prozent.» Für Lottsiepen der Knackpunkt bei der Verbrauchssenkung und umweltverträglichen Nachhaltigkeit. «Wofür benötigt man Fahrzeuge, die über 200 km/h schnell sind, wenn es nur noch ein Land ohne Tempolimit gibt?»



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