«Ein solcher Wettstreit tut der Industrie nicht gut»

Volvo-Entwicklungschef Peter Mertens

Der Kreuzungsassistent hilft Unfälle zu vermeiden.
Der Kreuzungsassistent hilft Unfälle zu vermeiden. © Volvo

Volvo spricht sich für liberalere Regeln fürs autonom Fahren aus. Man müsse diese Technologie auch dann testen, wenn nicht immer der Fahrer in der Lage sei, sofort die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen, sagte Entwicklungschef Peter Mertens.

Von Frank Mertens

Der schwedische Autobauer Volvo spricht sich für liberalere Regeln für autonom fahrende Fahrzeuge aus. Wie Volvo-Entwicklungsvorstand Peter Mertens im Interview mit der Autogazette sagte, müsse gesetzlich mehr getan werden, «auch wenn wir dank der Kooperation mit den schwedischen Behörden hier weit weniger Restriktionen haben als unsere Kollegen in Deutschland. Wir können das tun, was getan werden muss, um die Entwicklung des autonomen Fahrens voranzutreiben. Das unterscheidet unsere Rahmenbedingungen deutlich von denen in Deutschland».

«Wir müssen es im realen Straßenverkehr testen»

Für den Volvo-Entwicklungschef gehen die im März des vergangenen Jahres getroffenen Modifikationen des Wiener Abkommens für den Straßenverkehr nicht weit genug. Es müsse statthaft sein, «dass der Fahrer nicht ständig in der Lage sein muss, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Wir müssen es im realen Straßenverkehr testen können, wie die Systeme funktionieren, wenn halt nicht immer der Fahrer sofort wieder ins Geschehen eingreifen kann», betonte Mertens. Erst Anfang Januar hatte Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg liberalere Regeln fürs autonome Fahren angemahnt.

Dass sich insbesondere gerade die deutschen Premiumhersteller einen Wettstreit um die Führungsrolle beim autonomen Fahren liefern, sieht Mertens kritisch. «Wir beteiligen uns nicht an dem Wettlauf, wer nun der Beste beim autonomen Fahren ist. Wir sind bescheidener unterwegs. Wenn sich drei Hersteller streiten, freut sich am Ende aber vielleicht der vierte. Aber ein solcher Wettstreit tut der Industrie nicht gut. Manchmal hat man den Eindruck, dass Dinge versprochen werden, die realistisch noch nicht haltbar sind.

«Wir sind bescheidener unterwegs»

Peter Mertens ist Entwicklungsvorstand bei Volvo.
Entwicklungschef Peter Mertens Volvo

Wir beteiligen uns nicht an dem Wettlauf, wer nun der Beste beim autonomen Fahren ist. Wir sind bescheidener unterwegs. Wenn sich drei Hersteller streiten, freut sich am Ende aber vielleicht der vierte. Aber ein solcher Wettstreit tut der Industrie nicht gut. Manchmal hat man den Eindruck, dass Dinge versprochen werden, die realistisch noch nicht haltbar sind.»

Auf dem Weg zum vollautonom fahrenden Fahrzeug muss sich aus der Sicht von Mertens nicht nur die Technik weiter verbesseren, sondern es müssten auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, «die es den Herstellern erlauben, an ihnen entlang die Technik weiter zu entwickeln. Deshalb beziehen wir in Schweden auch die Legislative mit in unseren Test Drive Me mit ein». Für Mertens werden sich durch selbstfahrende Autos auch die Verantwortlichkeiten mit Blick auf die Haftung ändern. «Ich denke, dass sich das Thema Produkthaftung durch das autonome Fahren stärker zum Hersteller hin verschieben wird. Mit der Verschiebung einer solchen Produkthaftung wird sich auch die Industrie verändern.» Insbesondere würde dies Auswirkungen auf versicherungsrechtliche Fragen haben. «Ich gehe davon aus, dass Versicherungen in Zukunft dann nicht mehr nur den einzelnen Kunden versichern werden, sondern die Flotten der Hersteller von selbstfahrenden Autos. Der Autohersteller wird bei selbstfahrenden Autos zum Versicherungsnehmer.»

Auf dem Weg zum vollautonom fahrenden Auto kündigte Mertens als nächsten Schritt das automatische Einparken ein. «Nachdem wir jetzt den Staupiloten und auch den Kreuzungsassistenten im XC90 gebracht haben, wird als nächstes das automatische Einparken kommen. Ich gehe davon aus, dass wir das 2018 bringen werden. Dafür benötigen wir aber auch die Infrastruktur in den Parkhäusern.» (AG/FM)