9. Mai 2014

Autonomes Fahren verändert die Städte Wo die Straße zum Spielplatz wird

Tobias Wallisser auf der re:publica
Tobias Wallisser auf der re:publica © Daimler

Autonomes Fahren ist mehr als Zukunftsmusik. Bereits heute gibt es teilautomatisierte Fahrfunktionen. Ob die Gesellschaft bereits reif für autonomes Fahren ist, wurde auf der "re:publica" diskutiert - mit interessanten Denkansätzen.




Ist die Gesellschaft reif für autonomes Fahren? Ja, sagt Walter Matthias Kunze. Für den Geschäftsführer der Beratungsagentur Trendquest gibt es daran keinen Zweifel, auch wenn der Weg zum autonomen Fahren sich in mehreren Phasen vollziehen wird. "Es wird bestimmt noch 15 bis 20 Jahre dauern, bis das autonome Fahren in der Gesellschaft angekommen sein wird", konstatierte Kunze auf der Internetkonferenz "re:publica" in Berlin. Schließlich sei es für den Autofahrer kein einfaches Unterfangen, die "Führung über das Auto aus der Hand zu geben".


Frauen als Entscheider - nicht unbedingt

Zusammen mit dem Chief Technical Officer der Daimler-Tochter Moovel, Helmuth Ritzer und Tobias Wallisser, Hochschullehrer an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, diskutierte Kunze auf der Internetkonferenz über diese Fragestellung. Dabei , so stellte Kunze mit Blick auf aktuelle Ergebnisse der Konsumforschung fest, seien Frauen die wichtigste Zielgruppe mit Blick auf das autonome Fahren. "Denn Frauen treffen zu 80 Prozent die Entscheidung beim Konsum."

Eine gewagte Aussage, der Helmuth Ritzer von Moovel dann auch nicht folgen wollte. Er verwies darauf, dass Fuhrparkmanager diejenigen seien, die entscheidende Impulse für das autonome Fahren setzen können. Ganz einfach dadurch, weil sie die Entscheidung bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeuges mit neuen Technologien setzen würden. Aber das war dann auch der einzige Widerspruch zwischen den Diskutanten.

So geht auch Ritzer davon aus, dass es beim autonomen Fahren nicht den einen "Big Bang" geben werde. Es wird vielmehr eine Entwicklung sein, die Schritt für Schritt erfolgt. Schließlich "sei autonomes Fahren die größte Innovation seit der Erfindung des Automobils". Befördert würde der Weg hin zum autonomen Fahren auch durch die Bevölkerungssituation. "Bereits heute leben 50 Prozent der Bevölkerung in Städten. Bis zum Jahr 2050 werden sogar 75 Prozent der Weltbevölkerung in Innenstädten wohnen." Deshalb würden bereits heute immer mehr Städte mit "Beschränkungen reagieren". Entsprechend müsse der Verkehr neu geregelt werden – und das habe Einfluss auf den Städtebau und die dortige Infrastruktur. "Wenn Autos autonom fahren, müssen sie mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren", stellte Wallisser fest.

Auswirkungen auf Städtebau

Helmuth Ritzer von Moovel
Helmuth Ritzer von Moovel © Daimler

"So, wie wir heute in der Innenstadt Umweltzonen haben, werden wir zukünftig auch Sicherheitszonen haben", so der Hochschullehrer. Dabei wird sich der öffentliche Raum, die Straße, verändern. So sei beispielsweise vorstellbar, dass zu Randzeiten "die Straße in einen Spielplatz verwandelt" werden kann. Dazu würde einfach eine "elektronische Schranke" den Autos die Weiterfahrt verwehren. Zugleich werde man bei einer veränderten Infrastruktur auch keine Verkehrsschilder mehr benötigen oder Bürgersteige, da alle Verkehrsteilnehmer miteinander kommunizieren.

Das autonome Fahren bringe aber auch andere Veränderungen mit sich, denn die Bedeutung des Autos ändere sich. So stehe das Auto nicht mehr nur allein als reines Fortbewegungsmittel im Vordergrund, sondern es wird zu einem "privaten Raum", in dem der Fahrer beispielsweise Dinge erledigt, zu denen er sonst nur im Büro gekommen wäre. Ein Teil der Arbeit wird demnach bereits im Auto und nicht erst im Büro erledigt. In der Konsequenz hat das Auswirkungen auf den Städtebau, weil beispielsweise weniger Büroraum benötigt würde, wie Wallisser feststellte.

Für ein Unternehmen wie Daimler, das mit "Car2Go" auch als Carsharing-Anbieter auftritt, eröffnen sich durch das autonome Fahren ganz neue Perspektiven. Während man heute mit seiner App noch nach dem nächsten verfügbaren Carsharing-Auto schaut, um es sich dann zu reservieren, wird man in der Zukunft das Auto per Klick zu sich nach Hause bestellen: hier wird es dann autonom vorfahren. Was noch nach Zukunftsmusik klingt, ist aber gar nicht mehr so weit entfernt. Bereits im vergangenen Jahr legte der S 500 Intelligent Drive eine Strecke von knapp über 100 Kilometern mit seriennaher Technik autonom zurück. (AG/FM)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Autonomes Fahren



Mehr aus dem Ressort

Bei manchen dauert der Moment der Übernahme zu lange
Entwicklung von FahrassistentenFiat Chrysler kooperiert mit BMW und Intel

Fiat Chrysler entwickelt Fahrassistenzsysteme gemeinsam mit BMW, Intel und Mobileye. Die später vollautonom agierenden Techniken sollen auch anderen Autoherstellern angeboten werden.


Pilotversuch in StuttgartMercedes und Bosch lassen autonom Einparken

Die Zeiten, in denen man sich mit seinem Auto in einem Parkhaus in einen engen Stellplatz quälen musste, gehen vorbei. Wie das funktioniert, zeigten nun Mercedes und Bosch.


Taxifahrer
Kooperation mit DaimlerBosch bringt 2018 Roboter-Taxis auf die Straße

Der Zulieferer Bosch will bereits 2018 die ersten Roboter-Taxis auf den Markt bringen. Dann sollen aber noch Fahrer an Bord sein.