3. Juli 2014

Future Talk von Mercedes in Berlin Wenn Autos und Menschen kommunizieren

Martina Mara (l.) und Herbert Kohler beim Future Talk Robotik. Fotos ▶
Martina Mara (l.) und Herbert Kohler beim Future Talk Robotik. © Daimler

Autonomes Fahren funktioniert nur, wenn Mensch und Maschine sich verstehen. Doch wie kann die Kommunikation mit einem Roboter funktionieren? Dieser und anderen Fragen ging Mercedes bei seinem Future Talk Robotik in Berlin nach.




Von Frank Mertens

Woran denken Sie, wenn Sie an Roboter denken? Denken Sie dann auch eher an eine werkzeugartige Maschine, wie sie in der Industrie beispielsweise zum Schweißen oder Lackieren eingesetzt wird. Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, geht es Ihnen wie 87 Prozent der Befragten einer Umfrage zur Einstellung der Öffentlichkeit zu Robotern. Spricht man über Roboter, denkt nur die Minderheit an eine menschenähnliche Figur wie beispielsweise den kleinen Droiden R2-D2 aus dem SciFi-Klassiker „Krieg der Sterne“ von George Lucas. Auch an Autos werden kaum Gedanken verschwendet, wenn man über Roboter spricht.


Mensch-Maschine-Interaktion

Dabei sind moderne Fahrzeuge bereits heute Schritt für Schritt auf dem Weg zu fahrenden Robotern, indem sie in bestimmten Fahrsituationen Funktionen wie das Bremsen oder Beschleunigen übernehmen können, die sonst nur vom Fahrer ausgeübt wurden. Und dieser Trend wird sich mit Blick auf das autonome Fahren fortsetzen.

Doch was bedeutet dieser Kulturwandel? Wie wird in Zukunft Auto gefahren? Wie verändert sich die Nutzung des Autos im Alltag? Welche Auswirkungen hat das autonome Fahren für das Bild unserer Städte? Um diese und andere Fragen ging es in dieser Woche beim so genannten Future Talk „Robotik“ des Autobauers Mercedes in Berlin. Dabei diskutierten neben Roboter-Experten, Zukunftsforscher, eine Gestenforscherin und Experten des Herstellers über die Mobilität der Zukunft und insbesondere darüber, wie die „Mensch-Maschine-Interaktion“ ausschauen kann.

Dabei räumte Herbert Kohler, der Leiter Konzernforschung bei Daimler, in Anlehnung an einen Satz des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt ein, dass man natürlich auch bei Mercedes die Zukunft nicht voraussagen, sie aber durchaus gestalten könne. Bereits heute bietet Mercedes nicht nur bei seinem Flaggschiff S-Klasse Assistenzsysteme wie die „Distronic oder die Distronic Plus an, die helfen, den Fahrer zu entlasten“. Bei der Mercedes S-Klasse beispielsweise ist der Staupilot in der Lage, eigenständig anzufahren und das Fahrzeug auch wieder autonom abzubremsen. „Bereits heute zeigen unsere Autos ein roboterhaftes Verhalten.“ Und die Digitalisierung wird weiter voranschreiten. Für Kohler wird die fortschreitende „Digitalisierung und die Art des Autofahrens“ dann auch so revolutionär sein wie das Internet und die PC-Nutzung sein.

Digitale Datenbank für Gesten

Martina Mara steuert einen Qaudcopter mit Gesten
Martina Mara steuert einen Qaudcopter mit Gesten © Daimler

Lange warten muss man wohl nicht mehr auf diese Revolution. Mercedes beispielsweise plant noch in diesem Jahrzehnt weitere autonome Fahrfunktionen „wie das automatische Einparken sowie auch das Fahren auf Autobahnen“ seinen Kunden anzubieten, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche gerade erst der Autogazette sagte.

Bereits im Vorjahr hatte Mercedes bewiesen, dass der Weg zum autonom fahrenden Auto längst keine Utopie mehr ist, als ein Mercedes S500 Intelligent Drive eine Strecke von über 100 Kilometern autonom zurücklegte. Ganz ohne Probleme – fast. Denn als eine Fußgängerin das Auto, das wegen ihr abbremste, mit einer Geste zum Weiterfahren aufforderte, konnte das Fahrzeug dies nicht richtig deuten und blieb stehen. Also wie kommuniziere ich als Verkehrsteilnehmer in Zukunft mit einem Auto, damit dieses meine Signale auch wirklich richtig versteht?

Quadcopter im Shared Space

„Dafür bedarf es einer digitalen Datenbank menschlicher Gesten und Haltungen, die dabei auch die interkulturellen Unterschiede der Gesten berücksichtigt“, sagt die Gestenforscherin Ellen Fricke von der TU Chemnitz. Um jedoch auch zu einer Interaktion Mensch-Maschine zu kommen, muss natürlich auch der Mensch verstehen, wie sich das Auto verhält. Hier muss also nicht nur der Roboter lernen, den Mensch zu verstehen, sondern auch umgekehrt. Deshalb, so sagt Zukunftsforscher Alexander Mankowsky, müsse es zukünftig vielleicht sogar ein Lexikon der Robotersprache geben.

Gestenforscherin Ellen Fricke
Gestenforscherin Ellen Fricke © Daimler

Wie die Mensch-Maschine-Interaktion funktionieren kann, erforscht zusammen mit Mercedes das Ars Electronic Futurelab im österreichischen Linz. Wie Martina Mara und Christopher Lindinger in Berlin zeigten, funktioniert eine derartige Interaktion derzeit schon recht gut. So lassen sich drei Quadcopter mit Gesten steuern. Sie zeigen wie sich diese Quadcopter mit Gesten und Berührungen steuern lassen. Sie sind dabei nicht nur in der Lage, durch Gesten zu starten, sondern natürlich auch beim Fliegen die Richtung zu ändern, zu stoppen oder sich gegenseitig auszuweichen – halt so, wie sich auch Autos und Autos oder Autos und Fußgänger in einer Alltagssituation begegnen. Derzeit läuft so etwas noch in einem Shared Space ab, einem Bereich, der mit Sensoren versehen ist. Verlassen kann der Quadcopter ihn nicht. Kommt er an die imaginäre Grenze der Sensorik, bremst der Quadcopter automatisch ab und landet. Beim Auto würde das dass Gleiche bedeuten: beim Verlassen einer Sicherheitszone stoppt es selbstständig.

Hier funktioniert die Kommunikation mit Gesten bereits recht gut – nun gilt es, diese Kommunikation zu perfektionieren. Man kann zwar nicht nicht kommunizieren, wie der Sprachwissenschaftler Paul Watzlawick einmal sagte. Doch man kann halt auch falsch miteinander kommunizieren, die falschen Signale oder Gesten senden. Der Roboter in einem autonom fahrenden Auto muss in der Lage sein, dies entsprechend zu erkennen. Sonst bleibt die Vision vom unfallfreien Fahren eine Vision.



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