Plug-in-Hybride: Nachfrage nimmt deutlich zu

Der Skoda Superb iV ist mit einem Plug-in-Hybrid unterwegs. © Skoda

Viele Kunden bemängeln bei Elektroautos eine unzureichende Reichweite. Wer dennoch elektrisch ohne Reichweitenangst fahren will, der ist mit einem Plug-in-Hybrid gut bedient.

Noch vor zwei Jahren steckte die Gattung der Plug-in Hybride (PHEV) in der Krise. Das vorhandene spärliche Angebot wurde von den Kunden kaum goutiert. Zudem fielen etliche Modelle wegen zu geringer elektrischer Reichweite aus der Förderung raus. Das ist nun anders: Das Angebot ist vielfältig und attraktiv geworden – auch wegen der strenger gewordenen CO2-Grenzwerte der EU. Sie sorgen dafür, dass die Hersteller ihr Modellangebot elektrifizieren müssen – und entsprechend immer mehr Modelle mit PHEV auf den Markt bringen.


Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) erlebten PHEVs im Vorjahr eine enorme Nachfrage. Insgesamt wurden 45.348 Fahrzeuge mit dieser Technologie neu zugelassen, ein Zuwachs von 44,2 Prozent im Vergleich zu 2018.

Förderung wird verlängert

Die Nachfrage dürfte auch in diesem Jahr weiter steigen: So wird die Förderung für Elektroautos, die Ende 2020 auslaufen sollte, in Kürze bis Ende 2025 verlängert und gleichzeitig erhöht. Künftig soll es unterhalb eines Listenpreises von 40.000 Euro 4.500 Euro Zuschuss für ein PHEV geben. Die Kosten teilen sich Bund und Autoindustrie wie bisher jeweils hälftig. Unterm Strich spart jeder Privatkäufer inklusive Steuern bis zu 4.928 Euro.

Zur interessanten Alternative macht den Plug-in-Hybriden aber auch noch etwas anderes: Das stark gewachsene Angebot. Um künftige CO2-Strafen zu verhindern haben die Hersteller massiv Doppelantriebs-Modelle ins Portfolio aufgenommen. Waren es vor wenigen Monaten noch fast ausschließlich Premium-Limousinen und Luxus-SUV, die mit Elektro-Unterstützung zu haben waren, reicht das Portfolio bald hinunter bis in die Kleinwagenklasse. In Kürze etwa soll der Renault Clio E-Tech zu Preisen von rund 30.000 Euro das untere Ende des Angebots markieren.

Opel mit zwei Varianten

Bei einigen Modellen haben Käufer sogar schon die Auswahl zwischen unterschiedlichen Plug-in-Hybridvarianten. Den Opel Grandland X etwa gibt es als 300 PS starkes Performance-Modell mit zwei E-Motoren und Allradantrieb oder als Sparmobil mit nur einem E-Triebwerk, 224 PS und Frontantrieb. Letzterer erfüllt mit einem Basispreis von 43.440 Euro auch die Bedingungen für die maximale Umweltbonus-Förderung. Es muss aber kein SUV sein: Auch Kompakt-Kombis wie der Kia Ceed Sportswagon, klassische Kompaktwagen wie die Mercedes A-Klasse oder Stufenhecklimousinen wie der Hyundai Ioniq sind als Plug-in-Hybride zu haben. Gerade erst hat Mercedes das SUV GLE 350 de als PHEV mit einer Reichweite von knapp über 100 Kilometer präsentiert.

Der Opel Grandland X Hybrid4 hat fast 60 Kilometer Reichweite. Foto: Opel

Insgesamt gibt es aktuell rund zwei Dutzend Modelle mit einem Netto-Kaufpreis unter 40.000 Euro. Wer auf die maximale Fördersumme verzichtet findet noch einmal so viele Modelle zu Preisen zwischen 40.000 und 60.000 Euro.

Kritik an Technologie

Kritiker wie der Leiter es CAR-Instituts, Ferdinand Dudenhöffer, monieren an Plug-in-Hybriden, dass sie in der Praxis keinen wirklichen Beitrag zur Minderung des CO2-Ausstoßes leisten, weil sie von ihren Besitzern fast nur mit dem Verbrennungsmotor betrieben würden. Ein Vorwurf, der wohl vor allem Dienstwagenfahrer mit Tankkarte trifft, bei Privatkunden aber möglicherweise häufiger ins Leere läuft. Dazu kommt ein grundsätzliches Effizienz-Problem: Denn die Fahrzeuge schleppen immer einen Antrieb extra mit, was sowohl beim Verbrenner als auch beim E-Motor zu erhöhtem Verbrauch führt.

Unbestritten die Plug-in-Hybride aber auch Vorteile. So lassen sie sich auf den meisten Alltags-Strecken emissionsfrei bewegen, bieten dank des Verbrenners gleichzeitig aber genug Reichweite für längere Wochenendausflüge oder Urlaubsfahrten. So gesehen verbinden sie die guten Aspekte von zwei Auto-Welten. (AG/SP-X)

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