Mercedes C 350 e: Freudensprünge bleiben aus

Limousine mit Plug-in-Hybrid

Mercedes C 350 e. Foto: Daimler
Der Mercedes C 350 e weist eine elektrische Reichweite von 31 Kilometer auf. © Mertens

Lohnt sich ein Plug-in-Hybrid? Oder ist es nur eine Technologie, die den Herstellern hilft, ihre CO2-Grenzwerte bis zum Jahr 2021 von 95 g/km zu erreichen? Wir haben den Mercedes C 350 e getestet, um auf diese beiden Fragen eine möglichst schlüssige Antwort zu geben.

Schaut man allein auf den Preis der Limousine, dann müssen die Vorteile des C 350 e schon erheblich sein. Denn mit einem Anschaffungspreis von 51.051 Euro ist dieser Mercedes mit der Kraft der zwei Motoren um rund 7000 Euro teurer als ein vergleichbarer Benziner. Das ist eine Ansage, auch wenn man davon noch die Kaufprämie von 3000 Euro abzieht.


Doch was bietet einem die Schwaben-Limousine für so viel Geld als Mehrwert? Neben einer Systemleistung von 279 PS zunächst einmal den Hauch von einem grünen Gewissen. Denn im Idealfall soll man dank eines Elektromotors mit einer Leistung von 82 PS auf eine rein elektrische Reichweite von 31 Kilometern kommen. Damit kommt man zugleich in den Genuss eines großen „E“ auf dem Nummernschild. Es zeigt der Außenwelt nicht nur, dass hier jemand elektrisch unterwegs ist, sondern der Fahrer kann – je nachdem in welcher Stadt er unterwegs ist – entweder kostenfrei parken oder sogar die Busspur nutzen. Das ist nicht schlecht.

31 Kilometer bei C 350 e rein theoretischer Wert

Mercedes hat mit dem C 350 e den zweiten Plugin-Hybriden im Programm.
Das Cockpit des Mercedes C 350 e mit verschiedenen Fahrmodi. Foto: Daimler

Aber rechtfertigt das den happigen Aufpreis? Nein, tut es nicht! Denn im Alltag sind diese 31 Kilometer rein elektrische Reichweite ein nur theoretischer Wert. Wir kamen bei den Testfahrten auf lediglich 24 Kilometer. Dass der in Aussicht gestellte Wert von 2,1 Litern auf 100 Kilometern ohnehin nur ein theoretischer ist, versteht sich von selbst. Nach unseren Testfahrten in und um Berlin zeigte uns der Bordcomputer einen Wert von 6,4 Litern an. Das ist für ein Auto mit dieser Leistung kein schlechter Wert, aber letztlich auch keiner, der das ökologische Gewissen Hüpfsprünge machen lässt.

Denn der Aufwand, den Mercedes mit diesem Plug-in-Hybriden betreibt, ist erheblich. So lässt sich der E-Motor mit seiner 6,32 kWh starken Lithium-Ionen-Batterie während der Fahrt durch umsichtiges Fahren über den Verbrenner aufladen, so dass der Energiespeicher für die Stadt geschont wird. Dass man möglichst energieeffizient unterwegs ist, dafür sorgt auch die adaptive Geschwindigkeitskontrolle. Das Radar des Systems sorgt dafür, dass das Fahrzeug vor auftauchenden Hindernissen wie anderen Fahrzeugen abbremst und so Energie in die Batterien zurückführt. Ist die Batterie leer, braucht es rund drei Stunden bis zur Aufladung an einer Haushaltssteckdose.

Antrieb mit Navigationssystem vernetzt

Zur Energieschonung ist der Antrieb zudem mit dem Navigationssystem vernetzt: erkennt das System Steigungen oder beispielsweise einen Kreisverkehr, richtet es sein Fahrprofil daran aus. Gemessen an der elektrischen Gesamtreichweite steht der ganze Aufwand aber nicht im Verhältnis zum überschaubaren Resultat. Reichweiten von mindestens 50 Kilometern für einen Plug-in-Hybriden sollten heutzutage Standard sein.

Der Mercedes C 350 e hat ein E-Kennzeichen. Foto: Daimler
Der Mercedes C 350 e kommt in den Genuss eines E-Kennzeichens. Foto:  Mertens

Klar, der C 350 e fährt ziemlich souverän. Sein Fahrwerk ist dank einer Luftfederung komfortabel abgestimmt und das Ambiente ist wertig. Aber damit kann sich dieser Plug-in-Hybrid keine zusätzlichen Pluspunkte verdienen. Denn das bekommt man auch beim klassischen Verbrenner für weitaus weniger Geld. Ein weiteres Manko offenbart sich beim Blick in den Kofferraum. Denn der ist mit 335 Litern um 145 Liter kleiner als beim reinen Verbrenner. Zudem sorgen die über der Hinterachse positionierten Batterien dafür, dass im Kofferraum eine kleine Erhöhung entsteht, die nicht nur das Fassungsvermögen reduzieren, sondern auch das Beladen erschweren. Für diejenigen, die diesen Mercedes nur in der Stadt bewegen und nicht deutlich mehr als 20 Kilometer fahren, können mit ihm zwar lokal emissionsfrei unterwegs sein. Doch wer fährt ein solches Auto nur in der Stadt?

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).

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