Öko-Landbau als Möglichkeit der CO2-Reduktion

Zu Besuch bei Timo Friesland am Ammersee

Öko-Landbau als Möglichkeit der CO2-Reduktion
Timo Friesland mit seinen Schafen. © Mitsubishi/Martin Hangen

Was haben Öko-Landbau und der Autobauer Mitsubishi gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten schon, wie ein Besuch am Ammersee zeigt.

Timo Friesland lässt keine Missverständnisse aufkommen. „Ökolandwirtschaft muss man sich auch leisten wollen.“ Zusammen mit seiner Frau Johanna und seinen Kolleginnen und Kollegen betreibt der 38-Jährige in Breitbrunn am bayerischen Ammersee auf einem 60 Hektar großen Areal Öko-Landbau. Angebaut werden Äpfel, Johannisbeeren und Holunder.


„Wer sagt, dass eine ertragsreiche Landwirtschaft nicht mit Klima- und Artenschutz zusammenpasst, der irrt“, sagt Timo Friesland bestimmt. Dass das durchaus Hand in Hand gehen kann, zeigt Friesland bereits seit 2013. Damals hatte er am Heimatort seiner Großeltern die Möglichkeit, einen Bauernhof samt Land zu übernehmen. Die Möglichkeit ließ er sich nicht entgehen: Zusammen mit einem Freund nahm er die Offerte an – und brach seine Zelte in Berlin ab.

In der Hauptstadt hatte Friesland ein Spin-Off der TU Berlin mit aufgebaut hat. Doch irgendwann war für den studierten Betriebswirt Zeit für eine berufliche Neuorientierung und er verkaufte seine Anteile. Die hippe Start-up-Atmosphäre hat er gegen ein Leben auf dem Land eingetauscht. Seine Entscheidung hat Friesland bislang nicht bereut, auch wenn es von Jahr zu Jahr ein Kampf ist, zu einer ertragsreichen Ernte zu kommen.

Starkregen führte zu Ernteverlusten

Timo Friesland mit seinen Bio-Äpfeln. Foto: Mitsubishi/Martin Hangen

Dabei spürt auch Friesland die Folgen des Klimawandels: Hitze und Starkregen machen natürlich auch ihm zu schaffen. Bei einer der letzten Ernten habe Starkregen dafür gesorgt, „dass der Ertrag um 20 Prozent geringer ausfiel“. Für ein kleines Unternehmen wie das von Friesland und seiner Frau ist so etwas existenzbedrohend. Bisher hat man alle Unbilden des Wetters überstanden.

Ein wichtiger Grund für den Stadtmenschen Friesland sich auf das Wagnis einer Öko-Landwirtschaft einzulassen, lag auch am Klimawandel. „Jeder von uns hat eine Verantwortung, etwas gegen den menschengemachten Klimawandel zu tun“, sagt Friesland, während er uns seine Apfelbäume auf einer seiner Obstgärten zeigt. Die Anbauflächen liegen zwischen Ammersee und Wörthsee. Gerade die Landwirtschaft müsse sich ändern. Sie müsse weg kommen von der intensiven hin zu einer extensiven Landwirtschaft, also einer, die möglichst auf Pestizide und Düngemittel verzichtet, ist Friesland überzeugt.

Treibhausgase in Landwirtschaft reduzieren

Noch überwiegt die intensive Landwirtschaft, bei der die Umweltverträglichkeit nur eine nachgeordnete Rolle spielt. Dabei ist ein Umdenken dringend nötig. Schließlich trägt die Landwirtschaft maßgeblich zum Ausstoß von Treibhausgasen (THG) und damit dem Klimawandel bei. Das Gros der Emissionen entfällt zwar auf Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, aber eben auch aus den landwirtschaftlich bebauten Flächen. Deshalb hat sich die Bundesregierung in ihrem in diesem Jahr novellierten Klimaschutzgesetz das Ziel gesetzt, die Emissionen in der Landwirtschaft bis 2030 auf 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu reduzieren.

Friesland will mit seiner Bio-Anbauflächen dazu beitragen. „Durch unsere Wirtschaftsweise gibt es keine Schadstoffe, keine Pestizide“, sagt Friesland. „Wir wollen die Natur so fördern, dass die Natur dafür sorgt, dass wir ein optimales Produkt anbieten können.“ Deshalb habe man den Klima- und Artenschutz in sein landwirtschaftliches Konzept integriert, erzählt Friesland. Neben dem Verzicht von Pestiziden kommen auf den Anbauflächen auch Schafe zum Einsatz. Die von Obstbauer und Schäfer Johannes Hugo betreuten Schafe dienen als natürlicher Rasenmäher – und sorgen damit auch für eine Entlastung bei der Arbeit. Auch Bienen wurden in das Ökosystem der Landwirtschaft integriert.

Jährlich werden 100.000 Flaschen Saft produziert

Timo Friesland produziert Bio-Säfte mit dem angebauten Obst. Foto: Mitsubishi/Martin Hangen

Aus den Obstsorten, die Friesland und seine Kolleginnen und Kollegen anbauen, wird Saft produziert, der über eine Genossenschaft unter dem Label „Natürlich“ vertrieben wird. Pro Jahr werden rund 100.000 Flaschen Sat produziert: Der Preis für eine Flasche liegt je nach Sorte zwischen 2,99 bis 3,49 Euro. Das ist nicht günstig, doch die Ausgabe lohnt. Der Johannesbeersaft, den wir auf unserem Rundgang probiert haben, schmeckt hervorragend, einfach natürlich. Bei Obstsorten setzt Friesland auf heimische Sorten wie Mars, Resi, Relinda oder Rambour. Seit 2018 ist der Hof von Friesland als „Naturland“ zertifiziert und ist mit dem „Bayerischen Bio-Siegel“ ausgezeichnet.

Die Nachfrage nach Bio-Produkten stieg nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums allein im Jahr 2020 um 22 Prozent auf 14,99 Milliarden Euro. Zwar ist Deutschland nach wie vor der zweitgrößte Bio-Markt der Welt, doch die inländische Nachfrage nach Bio-Produkten kann damit nicht befriedigt werden. Deshalb hat sich Bundesregierung zum Ziel gesetzt, bis 2030 auf einen Anteil von 20 Prozent beim Öko-Landbau zu kommen. Derzeit gibt es bundesweit über 34.000 Bio-Betriebe, die 1,6 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaften. Das entspricht 9,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Damit das Ziel der Bundesregierung sich erfüllt, müssten 30.000 bis 40.000 Landwirte bei gleicher Betriebsstruktur auf ökologische Bewirtschaftung umstellen.

Mitsubishi kompensiert CO2-Emissionen

Mit dem Eclipse Cross von Mitsubishi zu den Obst-Gärten auf dem Weg zu den Obstgärten. Foto: Mitsubishi/Martin Hangen

Es ist eine Transformation, die nicht einfach ist, die angesichts der Klimafolgen alternativlos ist, findet auch Friesland. Zu den Flachen, die er bewirtschaftet, gehört übrigens auch Wald. Er wird indes nicht eng bepflanzt, sondern sich selbst überlassen und sei auf die CO2-Reduktion hin optimiert. Das Waldstück nutzt Friesland auch dazu, um Emissionen für größere Projekte wie die von Unternehmen auszugleichen.

Auch der Autobauer Mitsubishi hat bei Friesland CO2-Ausgleichsflächen erworben. Damit sollen CO2-Emissionen, die beispielsweise durch Presseveranstaltungen entstehen, kompensiert werden. Ein Unternehmen wie Mitsubishi, so sagt Marketingchef Christian Andersen, steht mit Fahrzeugen wie den beiden Plug-in-Hybriden Outlander und dem Eclipse Cross für nachhaltige Mobilität, entsprechend fühle man sich auch dem Umwelt- und Klimaschutz verpflichtet. So wie sich derzeit die gesamt Autobranche transformiert, transformiert sich auch Mitsubishi – und versucht dabei seinen eigenen Weg mit seinem „Wir-kümmern-uns-Versprechen“ zu gehen.

PHEVs bieten bidirektionales Laden

Im Kofferraum des Mitsubishi Eclipse Cross gibt es eine Steckodse. Foto: Mitsubishi/Martin Hangen

Mit diesem Versprechen will man den Kunden den Umstieg auf die nachhaltige Mobilität erleichtern. Das reicht beispielsweise von der Wahl der richtigen Wallbox, der Installation durch einen Elektriker bis hin zur Wahl des passenden Ladestrom-Tarifs, natürlich mit Grünstrom. Zwar verfügt Mitsubishi über keine reinen E-Autos, aber über Plug-in-Hybride wie den Outlander oder den Eclipse Cross. Deren Technologie ermöglicht das bidirektionale Laden. Die verbaute Batterie kann die gespeicherte Energie nicht nur als Fahrstrom verwenden, sondern auch dafür verwendet werden, über die im Kofferraum verbaute Haushaltssteckdose andere Geräte wie beispielsweise ein E-Bike oder Laptop zu laden. Durch die Bidirektionalität ist es in Verbindung mit einer entsprechend vorbereiteten Wallbox möglich, den Strom auch wieder ins Stromnetz abzugeben. Die Mitsubishi-Modelle dienen damit als mobiler Pufferspeicher

Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten fürs Energiemanagement. Das was in Japan als Dendo-Drive-House-Konzept (DDH) angeboten wird, soll perspektivisch auch nach Deutschland kommen. Um auch auf dem hiesigen Markt die Voraussetzungen für ein nachhaltige Nutzung der bidirektionalen Ladeoptionen zu schaffen, arbeitet der Hersteller mit der Hochschule für Technik Stuttgart, der Gemeinde Wüstenrot und anderen Unternehmen zusammen. Mit Besuchen wie beim Bio-Hof von Timo Friesland versucht der Hersteller über den Tellerrand hinauszuschauen und die Mobilität ganzheitlich zu hinauszuschauen. Wer sich als kleiner Hersteller wie Mitsubishi auf dem hartumkämpften deutschen Markt behaupten will, der muss seine Kundinnen und Kunden mit einem attraktiven Angebot mitnehmen auf den Weg zu einer nachhaltigen Mobilität.

Die Landwirtschaft muss sich ändern, sagt Timo Friesland. Er versucht es. Foto: Mitsubishi/Martin Hangen

Ähnlich ist es bei Timo Friesland. Wer sich wie er dem Öko-Landbau verschreibt, der muss dann nicht nur von der Sache überzeugt sein, sondern auch kreativ sein. So kann man auf der Internetseite von Friesland auch Patenschaften erwerben. Für 50 Euro kann man beispielsweise einen Obstbaum pflanzen lassen, für 100 Euro kann man ein Schaf adoptieren oder für 150 Euro eine Bienenpatenschaft erwerben. So tragen die am Rand eines Apfelplantage aufgestellten Bienenstöcke die Namen ihrer Paten – auch so kann man ein Stück Umweltschutz betreiben.

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