4. September 2013

Fahrbericht Ein Elektro-Auto und zwei Hybride Ford Focus Electric: Teurer Spätstarter

Der Ford Focus Electric kostet knapp 40.000 Euro. Fotos ▶
Der Ford Focus Electric kostet knapp 40.000 Euro. © AG/Flehmer

Bei Ford beginnt das Elektro-Zeitalter in Europa. Doch der Weg für den Focus Electric wird kein leichter sein, während man sich beim C-Max Energi und Mondeo Hybrid noch gedulden muss.




Von Thomas Flehmer

Henry Ford hätte sich bestimmt gefreut. Vor 100 Jahren hatte der Firmengründer gemeinsam mit dem Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison ein Elektroauto produziert. Doch eine Serienproduktion scheiterte. Nach einigen weiteren Versuchen des Unternehmens, unter anderem im Jahr 2000 mit dem ersten mit Lithium-Ionen-Batterie angetriebenen Fahrzeug, einem Ka, ist Ford nun in der elektrischen Welt angekommen. Seit Juni wird der rein elektrisch betriebene Focus in Deutschland angeboten, zwei Hybrid-Fahrzeuge werden im kommenden Jahr folgen.


Lautloser Fahrspaß mit dem Ford Focus Electric

Wie bei batterie-elektrischen Fahrzeugen üblich, erfreut auch der Focus Electric den Fahrer mit Fahrspaß. Ausgestattet mit 250 Newtonmetern, die mit dem ersten Druck aufs Fahrpedal zur Verfügung stehen, sind nach 11,4 Sekunden die 100 km/h erreicht. Trotz der enormen Geschwindigkeit auf den ersten Metern bleibt die Fahrt dabei entspannend, da der Vortrieb des 107 kW/145 PS starken Elektro-Focus, der aufgrund seiner beiden Lithium-Ionen-Batteriepacks 300 Kilo mehr auf die Waage stemmt als ein Focus mit Verbrennungsmotor, nahezu lautlos vonstatten geht. Bis zu einer Geschwindigkeit von 137 km/h soll sich der Focus bewegen, auf der Autobahn zügelte die Elektronik den Focus erst zehn Stundenkilometer später.

Allerdings kostet der Spurt viel Energie, sodass die angegebene Reichweite von 165 Kilometern halt nicht erreicht wird. Darum sollte vor Beginn jeder Fahrt geschaut werden, wie weit es gehen soll und wann die Rückfahrt stattfinden soll. Denn zwischen acht und elf Stunden dauert der Ladevorgang an einer handelsüblichen Steckdose. An einer Stromtankstelle mit 32 Ampere vergehen nur zwischen drei bis vier Stunden, bis die Batterie wieder voll ist.

Ford C-Max Energi soll sich mit 2,2 Litern begnügen

Rund zweieinhalb Stunden beträgt die Ladezeit des C-Max Energi, einem Plugin-Hybriden, der rund 30 Kilometer rein elektrisch zurücklegen soll. Für die meisten Arbeitnehmer in Großstädten reicht diese Strecke aus, um zumindest den Weg zur Arbeit und aufgeladen wieder zurück emissionsfrei absolvieren zu können.

Elektromotor und der zwei Liter große Benziner kommen zusammen auf eine Systemleistung von 145 kW/198 PS. Die Höchstgeschwindigkeit ist im rein elektrischen Modus auf 137 km/h beschränkt, um die Lithium-Ionen-Batterien nicht allzu schnell zu entladen. Im kombinierten Modus sollen so Verbräuche um 2,2 Liter erzielt werden, die einem CO2-Ausstoß von unter 50 Gramm pro Kilometer entsprechen.

Warten auf den Ford Mondeo

Der Ford C-Max Energi ist ein Plugin-Hybrid
Der Ford C-Max Energi ist ein Plugin-Hybrid © AG/Flehmer

Als Vollhybrid fährt auch der Mondeo vor, der bereits in den USA als Fusion unterwegs ist. In der alten Welt aber wird er aber aufgrund der Werksschließung im belgischen Genk und der damit verbundenen Produktionsverlegung nach Valencia erst im kommenden Jahr starten. Auch beim Mondeo arbeiten der 2.0 und der Elektromotor zusammen. Im Gegensatz zum Plugin-Hybrid kann der Mondeo nicht an der Steckdose aufgeladen werden und auch die rein elektrische Reichweite ist sehr viel geringer, sodass der optimale Vortrieb zumeist gemeinsam stattfinden wird.

Auch die Hybriden sind sehr ruhig unterwegs, selbst wenn der Verbrenner sich einschaltet. Ford kann auch schon auf eine gewisse Hybrid-Kompetenz hinweisen und ist mit bisher 270.000 weltweiten Verkäufern der zweitgrößte Hybrid-Hersteller – allerdings meilenweit hinter Toyota. Die Japaner hatten vor kurzem den fünfmillionsten Hybriden verkauft und können den Antrieb mittlerweile zum Preis eines vergleichbaren Diesels anbieten.

Wenig Platz im Kofferraum der Elektro-Fords

Die Batterie nimmt viel Platz im Kofferraum ein
Die Batterie nimmt viel Platz im Kofferraum ein © AG/Flehmer

Zudem haben die Japaner die Batterie besser verbaut. Bei allen drei Elektro-Fords, die bei der Fertigung in den normalen Produktionsvorgang eingegliedert werden und halt statt eines Verbrenners das jeweils georderte Antriebskonzept erhalten, nimmt die Batterie ein sehr großes Volumen im Kofferraum ein, sodass sehr viel weniger Platz zum Bepacken vorhanden ist. Zudem müssen sich etwaige Interessenten noch rund ein Jahr gedulden, ehe die Hybriden in den deutschen Markt eingeführt werden.

Dagegen ist der batterie-elektrische Focus bereits erhältlich. Zwischen 30 und 40 Focus Electric wurden in den ersten sechs Wochen verkauft, sagte Ford-Pressesprecher Isfried Hennen der Autogazette, "die meisten im gewerblichen Bereich." Was auch kein Wunder ist. Denn der Stromer wird es in Deutschland sehr schwer haben. 39.990 kostet der Focus Electric, der bald erhältliche BMW i3 ist 5000 Euro günstiger. Darüber würde sich Henry Ford bestimmt nicht freuen.






Mehr zur Marke Ford

Facleift für PersonentransporterFord frischt Tourneo Connect und Courier auf

Ford hat seine Personentransporter Tourneo Connect und Courier einem Facelift unterzogen. Nebenoptischen Retuschen wird es sie ab Mitte 2018 auch mit manuellem Sechsganggetriebe geben.


Facelift für Ami-CarNeuer Ford Mustang: Weniger PS, dafür teurer

Der neue Ford Mustang rollt im kommenden Jahr zu den Händlern. Dann wird das Pony-Car zwar weniger PS aufbieten als der Vorgänger, doch der Preis wird teurer.


Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Daimler, VW und FordIonity forciert Aufbau von Schnelladestandorten

Ionity will bis 2020 rund 200 Ladepunkte in Europa aufgebaut haben. Das Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Daimler, VW und Ford forciert dabei strategische Partnerschaften mit Mineralöl- und Gaststättenunternehmen.



Mehr aus dem Ressort

Unterschätztes MittelklassemodellMazda6: Geheimtipp aus Japan

Angesichts der Konkurrenz von Audi, BMW und Mercedes haben es Hersteller von Mittelklasse-Modellen außerhalb des Premium-Trios schwer. Dabei lohnt sich ein Blick zur Seite, wie beim Mazda6.


Mit 510 PS saust der Alfa Romeo Stelvio Quadrofoglio nicht nur über Passstraßen
SUV mit 510 PSAlfa Romeo Stelvio Quadrifoglio: Temporärer Spitzenreiter

Alfa Romeo fährt mit der Topversion des Stelvio in die Riege der hochgepimpten Premium-SUV. Der Geländewagen mit dem Beinamen Quadrifoglio macht nicht nur in der Grünen Hölle auf sich aufmerksam.


Der Aston Martin DB11 ist der edle Vertreter unter den Sportwagen
Mit Unterstützung von Mercedes-AMGAston Martin DB11 V12: Fahren wie James Bond

Im Aston Martin DB11 herrscht immer ein wenig Agentenatmosphäre. Der Dienstwagen des berühmtesten Mitarbeiters seiner Majestät beschert auch außerhalb von Gefahrensituationen extremen Fahrspaß. Und auch der Beifahrer muss sich nicht fürchten, vorzeitig auszusteigen.