Opel Grandland X Hybrid4: Elektrisch durch den Alltag

Der Opel Grandland X Hybrid4 hat fast 60 Kilometer Reichweite. © Opel

Opel hat mit dem Grandland X Hybrid4 sein erstes Modell mit Plug-in-Hybrid auf dem Markt. Das Kompakt-SUV bildet den Auftakt einer großen E-Offensive der Rüsselsheimer.

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Autobauern hat die PSA-Tochter bereits ausreichend Erfahrung mit der hybriden und reinen Elektromobilität: sei es nun mit dem Ampera oder dem Ampera e. Doch nach der Übernahme durch den PSA-Konzern kommen nun die ersten Elektromodelle mit der neuen gemeinsamen Plattform. Nach dem Grandland X wird in ein paar Wochen mit dem Opel Corsa-e das nächste Fahrzeug folgen.


Vorschusslorbeeren hat der Grandland X Hybrid4 bereits viele geerntet. Ob zu Recht, das wollten wir bei ersten Testfahrten selbst herausfinden. Sitz- und Lenkradposition justieren und los geht’s hin und her durchs Dreiländereck. Tests in Tiefschnee und Schneematsch blieben aufgrund der ungewöhnlich milden Witterung Wunschdenken. Vom Regen durchweichter matschiger Untergrund war keine echte Herausforderung für den Allrad des Grandland, der dafür aber reichlich dreckig vom Acker zurückkehrte.

Elsaß als ideales Terrain

Der Innenraum des Opel Grandland X Hybrid4. Foto: Opel

Schwarzwald und Elsaß – für Deutsche eine Selbstverständlichkeit, für Spanier oder Asiaten ein Must auf dem Reiseplan mit Kuckucksuhren, Schwarzwälder Kirschtorte und Flammkuchen. Für den Grandland X Hybrid4 ist es ein ideales Terrain, um sich als Multitalent auf jedwedem Untergrund zu profilieren. Zum einen ist Opel nun Teil des französischen Konzerns PSA und damit automatisch ein durch und durch europäisches Unternehmen. Zum andern wartet der Schwarzwald mit wunderbaren Bergstrecken, Fahrten durch Luftkurorte und Offroad-Möglichkeiten auf.

Nicht von ungefähr haben die Rüsselsheimer die Region mit dem praktischen europäischen Flughafen Mulhouse als Hub ausgewählt, um ihren ersten Plug-in Hybrid vorzustellen – nach Diesel und Benziner die letzte Variante des kompakten und geländegängigen Grandland X. Erstmals als Allrad Hybrid4 mit in erster Linie über die Hinterachse und den dort verbauten zweiten Elektromotor elektrisch angetriebenem Allrad.

Ein paneuropäisches Auto

Der Grandland ist technologisch identisch mit dem Peugeot 3008 und dem Citroën C5 Aircross. Wenn Opel also sagt, „Wir sind die Ersten“, dann gilt das seit dem Verkauf der Rüsselsheimer an PSA im Sommer 2017 im gleichen Atemzug auch für die Schwester Peugeot inklusive bisweilen Citroën.

Grandland X Hybrid und Grandland X Hybrid4. Sollten die Namensfinder auf eine Reminiszenz an die Grand Tour durch Europa, die betuchte junge Gentlemen im 18. Jahrhundert gerne zu ihrer Vervollkommnung absolvierten, bedacht gewesen sein, so verspricht der Neue in der Opel Familie gleich beim sanften Starten des Motors über den Starter mittels daran gekoppeltem Generator ein ungleich komfortableres Reiseerlebnis.

Mit seinen knapp 1,9 Tonnen Gesamtgewicht ist der geräumige Geländewagen in der elektrischen Allradversion für jede Situation gerüstet. Ohne die Zahl 4 in der Modellbezeichnung ist der Grandland als Hybrid „nur“ mit Frontantrieb unterwegs. Der mit weniger Systemleistung ausgestattete und insgesamt rund 70 Kilo leichtere Frontantrieb kommt ein paar Monate nach dem Allrad zu den Händlern.

370 Kilogramm schweres Batteriepack

Die im Vergleich zum reinen Verbrenner zusätzlichen 370 Kilogramm Lithium-Ionen Batterien im Marschgepäck, platzsparend unter der Rücksitzbank verbaut, sorgen für einen guten Schwerpunkt des Hochsitzers, mit daraus resultierender satter Straßenlage. Trotz rund 1,6 Meter Höhe nimmt der allradgetriebene Hybrid jede noch so verschlungene Berg- und Talfahrt komfortabel und souverän unter die Räder.

Straff abgestimmt und dynamisch erlaubt der Tourer geschmeidiges Wechseln zwischen Turbobenziner und Elektromotoren und zwischen den unterschiedlichen Fahrmodi. Dies erledigt der Grandland X Hybrid für den Fahrer unmerklich und völlig unaufgeregt im Backoffice seines Maschinenparks.

Elektro, Hybrid, Allrad und Sport – zwischen diesen vier Fahrmodi kann der Fahrer wählen. Daran gewöhnt man sich sehr schnell – zumal die gewünschte Option leicht via Wippschalter links neben dem Schaltknauf gewählt werden kann und kein umständliches Suchen in Unterfunktionen im Display vonnöten ist. Das heißt auch, dass man seine Wahl während der Fahrt mühelos immer wieder ändern kann.

Entspannt im Hybridmodus

Im Mitteldisplay des Opel Grandland X Hybrid4 lässt sich beispielsweise eSave einstellen. Foto: Opel

Wer völlig entspannt für längere Strecken unterwegs sein möchte, wählt den Hybridmodus und überlässt damit dem Grandland die Wahl des stets effizientesten Antriebs. In diesem Modus arbeiten je nach Fahrbedingungen und Fahrstil der Verbrennungs- und die Elektromotoren zusammen oder abwechselnd. In jedem Fall fühlt sich der Fahrer sicher und kann sich gänzlich aufs Fahren konzentrieren, denn die Funktionen sind selbsterklärend, das Infotainment angenehm simpel in der Bedienung. Ein breites Grinsen macht sich bei dem breit, der im Sportmodus unterwegs ist. Das Fahrzeug ist hochpräsent und hat ordentlich Drehmoment – im Maximalfall 520 Nm, das ihm einen Spurt von Null auf hundert in 6,1Sekunden erlaubt. Die Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h (elektrisch 135 km/h) ist erfreulich und mehr als ausreichend. Ein Bummler ist der Grandland X Hybrid4 in keinem Fall.

Der Sportmodus ist unmittelbar spürbar, die kraftvolle Beschleunigung eine Freude. Da wird der Gruß aus dem Motorenraum dann schon mal lauter, wohingegen der Grandland im Elektromodus fast heimlich, in jedem Fall aber still und leise, unterwegs ist. Jene Stille mag der Jäger im Manne, wenn er in seinen Wald fährt, um auf dem Hochsitz nach Wild Ausschau zu halten. Auch dafür ist der Grandland X gerüstet.

Für alle Fälle e-Save

Die Testfahrt in der ‚Ultimate‘ Version, der luxuriösesten von drei Ausstattungsvarianten für den Hybrid, führt uns auch nach Freiburg im Breisgau, Deutschlands grünster Stadt, vorbei. Problemlos könnten wir rein elektrisch kreuz und quer durch die Universitätsstadt fahren, denn um genügend elektrische Reichweite an Bord zu haben, kann man diese bunkern, indem man im Menü die sogenannte e-Save Funktion aktiviert. Dabei kann der Fahrer zwischen einer Restreichweite von zehn oder zwanzig Kilometern wählen oder aber die gesamte elektrische Energie zurückhalten. Beim Hybrid4 sind dies 59 Kilometer.

Nicht überragend, mag der eine oder andere einwenden? Reicht aber für gewöhnlich für die meisten Alltagsstrecken aus, da der typische Fahrer durchschnittlich 40 Kilometer pro Tag fährt. Einzige Bedingung ist kontinuierliches Laden, an der Arbeitsstelle und zuhause. Je nach Fahrprofil kann durch die Bremsenergierückgewinnung die Reichweite auch erhöht werden. Und wenn es dann doch einer längeren Wegstrecke bedarf, dann bilden Verbrenner und E-Motor eine clevere Koexistenz.

Laden binnen zwei Stunden

Der Opel Grandland X Hybrid4 hat eine elektrische Reichweite von fast 60 Kilometer.

Im Optimalfall ist die leere Batterie über eine 7.4 kW Wallbox binnen zwei Stunden vollständig geladen. Über Nacht tut’s auch die normale Haussteckdose in sieben Stunden, ergänzt von Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz. Opel bietet die Mobilitätsmarke Free2Move von PSA an, die den Kunden mittels Ladepass auf mehr als 125.000 Ladepunkte in Europa zugreifen lässt.

Als erster deutscher Hersteller, so Opel, habe man mit dem Grandland ein Kompakt-SUV mit PHEV auf dem Markt. Ein weiteres „First“ ist die blau leuchtende Lampe unter dem Rückspiegel, mit der der Umwelt, in erster Linie wohl den prüfenden Augen des Gesetzes, signalisiert wird: ich fahre rein elektrisch und bewege mich somit emissionslos durch deine nur für Elektrofahrzeuge zugängliche City. Sobald Fahrer oder Fahrzeug sich für den rein elektrischen Modus entschieden haben, schaltet sich die Lampe ein, die wieder erlischt, wenn der Verbrenner übernimmt.

Produziert werden der Grandland X Hybrid4 und ein paar Monate später der Fronttriebler mit Elektromotor vorne genauso wie ihre sechs Verbrennerkollegen (drei Benziner, drei Diesel) im thüringischen Eisenach. Dort erlauben die Bänder ein flexibles Zusammenbauen jedweder Grandland X Version.

Opels Elektro-Strategie

‚Opel wird elektrisch‘ heißt der Wahlspruch des Unternehmens. Konkret heißt das: Im Jahr 2024 soll es in jedem Modellbereich ein elektrifiziertes Fahrzeug geben. Mit dem Opel Ampera, der bereits im Jahr 2011 als Plug-in Hybrid debütierte, um dann im Jahr 2017 als Ampera e rein elektrisch zu werden, war Opel an der Speerspitze in Sachen Elektromobilität in Deutschland.

Und während der Lebenszyklus des Ampera langsam aber sicher ausläuft, stehen etliche elektrifizierte Nachfolger in den Startlöchern. Das Jahr ist noch jung – und so folgen auf den mit Grandland X Hybrid4 und Grandland X Hybrid in wenigen Wochen der Corsa e als rein elektrisches Fahrzeug. Angekündigt als drittes Modell ist der Kleintransporter Vivaro mit elektrischer Version und dann kommt der Lifestyle-SUV Mokka als PHEV. Das sind schon mal vier elektrifizierte Modelle in diesem Jahr. Insgesamt acht sollen es mit dem Jahr 2021 werden – darunter der Zafira als Elektroauto sowie ein e-Astra.

Opel setzt nicht alles auf die e-Karte

Der Opel Grandland X Hybrid4 ist mit Allrad unterwegs. Foto: Opel

Bei allem Voranschreiten der Elektromobilität hält Opel neben Verbrennermotoren auch das Wissen um die Wasserstofftechnologie aufrecht. Man will nicht alles auf die Karte Elektromobilität setzen. Gleichwohl sind die Rüsselsheimer sicher, die CO2 Auflagen ohne Strafgebühren erfüllen zu können. Auch mit größeren Fahrzeugen wie dem Kompakt SUV Grandland X im Portfolio. Dieses beim Kunden äußerst beliebte Segment ist für die Umsatzzahlen bei Opel elementar wichtig. Und dass der Grandland X als Hybrid seine Käufer zahlreich finden wird, das kann als sicher gelten.

Der Einstiegspreis von 51.165 Euro (Innovation) oder 53.830 Euro für seinen stärkeren Bruder Hybrid4 mit 300 PS Systemleistung (Turbo-Benziner 147 kW kombiniert mit zwei Elektromotoren à 110 PS vorn und 113 PS) hinten macht den kompakten Geländewagen nicht gerade zum Schnäppchen. Diverse Rechenexempel machen den Grandland gerade für Dienstwagenfahrer interessant: 3000 Euro Zuschuss gibt es derzeit als Kaufprämie, demnächst sogar 3500 Euro. Daneben besticht ein PHEV durch geringere Unterhaltskosten, wenn man ihn denn auch regelmäßig lädt.