Vespa Elettrica: Auf der Überholspur

Nun bis 70 km/h schnell

Die Vespa Elettrica fährt jetzt bis zu 70 km/h. © Piaggio/Frank Ratering

Die Vespa Elettrica gab es bisher nur in der 45-km/h-Variante. Doch nun bieten die Italiener ihren E-Roller auch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h an.

Seit einigen Jahren kommen immer neue E-Roller vor allem aus chinesischer Produktion in Deutschland auf dem Markt. Mit Piaggio traut sich mittlerweile auch ein traditioneller Roller-Hersteller aus Europa, sich mit der charmanten Vespa Elettrica gegen die Flut aus Fernost zu stemmen.


Zum Modelljahr 2020 sogar mit noch mehr Schwung, denn die Italiener bieten ihre emissionsfreie Roller-Ikone seit kurzem in einer 70-km/h-Variante an. Diese macht alles so gut wie die 45-km/h-Elettrica, eine entscheidende Sache sogar ein bisschen besser.

Elettrica mit feinen Detaillösungen

Das schlicht gehaltene Cockpit der Vespa Elettrica. Foto: Piaggio/Frank Ratering

Auch als E-Version ist die Vespa das, was sie immer schon war: ein echter Blickfang. Neben klassischen Kurven und Premiumanmutung bietet die Elettrica zudem feine Techniklösungen. Dazu gehört das große Farbdisplay im Cockpit, welches grafisch hübsch aufbereitet viele Informationen wie etwa die Außentemperatur zeigt. Eine kluge Menüführung erlaubt es dem Nutzer zudem, sich über Schalter am Lenker durch Menüs zu hangeln und viele Einstellungen vorzunehmen.

Zunächst noch etwas kompliziert mutet allein der Startvorgang an: Nach dem Drehen des Zündschlüssels muss man im Display einen der drei Fahrmodi Eco, Power und Reverse anwählen und diesen nochmalig mit einem längeren Tastendruck bestätigen. Erst jetzt ist die Elettrica startklar.

Unterwegs im Power-Modus

Gefahren wird natürlich im Power-Modus, der das Fahren mit Maximalgeschwindigkeit erlaubt. Im Fall der 70er-Version blieb diese allerdings unerreicht. Die 45er-Elettrica stürmt recht flink auf die maximal 49 km/h, die der Tacho auf ebener Fläche anzuzeigen gewillt ist. Der in beiden Versionen in der Spitze bis zu 5,4 PS leistende E-Motor, der übrigens exklusiv von Piaggio stammt, hat mit den 120 Kilogramm Eigengewicht und einem Fahrer jedenfalls kein Problem.

Spritzig, leise und geschmeidig stromert die Vespa auf den Gasbefehl los. Die schnellere der beiden Elettrica schafft dank einer anderen Steuerungssoftware und einer längeren Endübersetzung nach oben raus jedoch deutlich mehr. Jenseits der 50 geht es zügig weiter, so ab 60 km/h wird der Geschwindigkeitszuwachs allerdings zäh. Unterwegs im flachen Düsseldorf haben wir mit viel Rückenwind und Heimweh einmal 67 km/h erreicht.

Entscheidender sind allerdings die praktisch erreichbaren 60 km/h, deretwegen uns auf einer 30 Kilometer langen Tour keine genervten Autofahrer hektisch überholt haben. Die 70 bewegt sich in der Stadt auf Augenhöhe mit dem Autoverkehr. Großes Lob hat auch des Ansprechverhalten des Motors verdient, der exakt so auf den Gasbefehl reagiert, wie man es erwarten würde. Hier gibt es keine Verzögerung, keinen unrunden Lauf bei hohem Tempo, keine unfeinen Lastwechselreaktionen. Perfetto.

Fest montierte Batterie

Einen ebenfalls souveränen Eindruck hat die Batterie hinterlassen. Sie ist fest montiert. Leider. Dafür aber kein Papiertiger, denn der Bordcomputer zeigte beim Start die von Piaggio proklamierten 70 Kilometer Reichweite an, am Ende der Tour blieben 40 davon übrig. Und das im Stadtverkehr, den Gasgriff fast immer am Anschlag und bei frischen 10 Grad Außentemperatur – an diesem Tag herrschten nicht die besten Voraussetzungen hohe Reichweiten.

Diese können sich bei vielen anderen E-Rollern schon nach wenigen Kilometern halbieren oder weiter verkleinern. Die 70 Kilometer der Elettrica beziehen sich übrigens auf den Power-Modus. Im Eco-Modus, der maximal 45 km/h erlaubt, sollen mehr Kilometer drin sein.

Die großzügig dimensionierte Batterie mit LG-Zellen bietet damit ein für den urbanen Einsatz mehr als ausreichendes Reichweitenfenster. Darüber hinaus lässt sich der Akku schnell laden. Maximal vier Stunden soll das Nachzapfen an einer Haushaltssteckdose dauern. Dafür steckt extra unter der Sitzbank ein fest installiertes Korkenzieherkabel, welches einfach in eine Steckdose gestöpselt wird. Man muss also nicht umständlich die Batterie herausnehmen und an ein spezielles Ladegerät anschließen. Einfacher Haushaltstrom im Umkreis von zwei Metern reicht. Für Laternenparker könnte es allerdings ein Problem sein, die Elettrica nachts mit Strom zu füttern. Für einen solchen Nutzer sind E-Roller mit mobilen Batterien natürlich attraktiver.

Großes Staufach unter Sitzbank

Die Vespa Elettrica ist gut verarbeitet. Foto: Piaggio/Frank Ratering

Dennoch zeichnet sich die Vespa Elettrica vor allem auch durch sehr praktische Lösungen aus. Unter der schick bezogenen Sitzbank befindet sich ein großes Staufach, in dem ein Jethelm Platz findet. Außerdem gibt es auf der Innenseite des Beinschilds ein abschließbares Zusatzfach mit Lademöglichkeit für Smartphones. Letzteres lässt sich auch mit dem Fahrzeug verbinden. Zudem gehört zur Ausstattung ein gut ausleuchtender LED-Scheinwerfer. Anders als bei vielen E-Rollern aus China stimmt außerdem die Ergonomie, die einem normal gewachsenen Europäer eine tadellos passende Sitzposition beschert. Von hier hat man in alle Richtungen einen guten Überblick und das Fahrzeug perfekt unter Kontrolle.

Der im Vergleich zu vielen China-Rollern erfreulich hohe Perfektionsgrad der Vespa Elettrica hat einen leider hohen Preis: Die 70er-Version kostet mit 6.700 Euro zwar nur 300 Euro mehr als die Elettrica 45, doch beide Varianten sind damit schlichtweg teuer. Immerhin bekommt man dafür einen rundum charmanten Einspurstromer, der sich anders als viele Mitbewerber keinen ernsten Patzer leistet. Und das ist einiges wert. (SP-X)

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