BMW R nineT: Gutes wird noch besser

BMW R nineT: Gutes wird noch besser
Bei Testfahrten erwies sich die R nineT als zugänglicher Kumpel. © BMW

BMW hat seine Heritage-Modelle der Jetztzeit angepasst. Insbesondere die sehr ansehnliche R nineT gewann dadurch erheblich.

Das Aufsehen war gewaltig, als BMW im Jahr 2013 die durch und durch klassisch anmutende R nineT präsentierte: Das neue Modell mit zeitgemäßer Technik eroberte die Herzen auch vieler Nicht-BMW-Fahrer im Sturm. Die vom Basismodell abgeleiteten Varianten R nineT Pure, Scrambler und Urban G/S  erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit.


Allein das wegen seiner radikalen Sitzposition umstrittene Modell „Racer“ wurde wegen zu geringer Nachfrage schon nach recht kurzer Zeit aus dem Programm gekippt. Damit die Klassiker mit moderner Technik frisch und knackig bleiben, hat BMW für die Saison 2021 alle Versionen technisch überarbeitet und sowohl die Serien- wie auch die Sonderausstattungen erweitert.

Zweizylinder-Boxer mit 109 PS

Die Überarbeitung des weiterhin luft-/ölgekühlten Zweizylinder-Boxers hat sein schon immer höchst angenehmes Wesen nicht verändert: Das Plus an Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich wirkt sich in der Praxis genauso wenig aus wie der Leistungsverlust um ein PS; statt bislang 110 sind jetzt 109 PS vorhanden.

Die „spürbar besseren Durchzugswerte zwischen 4.000 und 6.000 Umdrehungen“, auf die BMW hinweist, dürften wohl nur im direkten Vergleich wahrnehmbar sein. Das maximale Drehmoment ist mit 116 Newtonmetern immer noch so füllig, dass das Aufreißen des Gashahns bei etwa 4000 Touren einem Schlag ins Kreuz des Fahrers gleichkommt.

Federbein mit wegabhängiger Dämpfung

Das Standgeräusch der R nineT liegt bei moderaten 86 dB(A). Foto: BMW

Bislang störende Schläge von unten realisiert man nun nicht mehr. Die R nineT hat nämlich, wie alle ihre Geschwister, ein neues Federbein mit wegabhängiger Dämpfung bekommen. Endlich! Damit spricht das Heck nun weitaus verbindlicher auf gröbere Unebenheiten an, das Komfortgefühl steigt um gefühlte hundert Prozent. Wer die R nineT bislang als eher hart mit einer Tendenz ins Bockige empfunden hat und deshalb nicht für das sonst so geschmeidige Motorrad entflammt ist, sollte eine Probefahrt wagen. Freilich besteht die Gefahr, dass anschließend ein Betrag zwischen 15.900 und fast 20.000 Euro den Besitzer wechselt. Es gibt nämlich enorm viel verführerisches Zubehör.

Weitere Pluspunkte gegenüber dem bisherigen Modell ist die serienmäßige Ausrüstung mit Kurven-ABS samt dynamischer Bremskontrolle. Auch die beiden Fahrmodi „Rain“ und „Road“ sind neuerdings serienmäßig. Ebenfalls neu ist die Kombination aus zwei Rundinstrumenten im Cockpit mit überaus edel gestalteten Zifferblättern.  Zudem strahlt nun LED-Licht samt eines schicken Tagfahrlichts, auf Wunsch schaltet sich in Schräglage sogar ein adaptives Kurvenlicht zu. Es ist im Comfort-Paket enthalten – zusammen mit Heizgriffen, Tempomat und zusätzlichen Fahrmodi.

Beeindruckende Geschmeidigkeit

Auf unseren Testfahrten stellte sich die modifizierte R nineT als zugänglicher Kumpel dar; immer bereit, dem Kommando des Fahrers spontan zu folgen. Rein ins Kurvengewirr enger, verwinkelter Landstraßen – das geht genauso leicht von der Hand wie größere Radien fein ausgebauter Bergstrecken in kräftiger Schräglage. Beeindruckend ist die Geschmeidigkeit: Das Getriebe schaltet sich butterweich und präzise, die Bremsen packen kräftig und dabei ausgezeichnet dosierbar zu. Weil auch der Sitz nicht allzu straff gepolstert ist und die Fußrasten nur minimal nach hinten gerückt wurden, ist die Sitzposition für durchschnittsgroße Mitteleuropäer angenehm.

Das Fahren der R nineT mit ihrem sonoren, aber glücklicherweise nicht mehr überlauten Sound fasziniert. Das Standgeräusch liegt dank Klappe bei moderaten 86 dB(A). Kurve, schalten, Gas weg, Kurve. Doch selbst im dichten Verkehr zeigt die zierliche R nineT ihre Qualitäten: Bei Bedarf ist sie schmal genug, um sich an roten Ampeln einen Platz in der ersten Reihe zu erschleichen. Den hat sie im Ranking der in Deutschland beliebtesten Klassik-Bikes ohnehin sicher. (SP-X)

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