Toyota Land Cruiser: Den mochte auch James Bond

Auf Schotterpisten ist der Toyota Land Cruiser unterfordert. © Toyota

Der Toyota Land Cruiser ist ein Dauerläufer – und das im doppelten Sinn: Nachdem er 2016 seinen 65. Geburtstag feierte, läuft in Japan in diesen Tagen das zehnmillionste Exemplar vom Band.

Das macht den Saurier unter den SUV zu einem der erfolgreichsten Geländewagen der Welt. Zur Feier des Tages hat Toyota einen ganz besonderen Klassiker aus der Kölner Sammlung entlassen und den privaten Land Cruiser des Schauspielers Roger Moore zum Schaulaufen geschickt.


Denn während der Bond-Darsteller auf der Leinwand die meiste Zeit im Aston Martin oder Bentley unterwegs war und die Queen als seine oberste Dienstherrin bis heute am Steuer eines Range Rovers gesichtet wird, hat sich der britische Star zumindest in seinem Schweizer Chalet in Crans-Montana einen Japaner in die Garage gestellt.

Generation FJ60 eine Seltenheit

Der war vielleicht nicht ganz so exklusiv wie seine Dienstwagen. Doch Moores Land Cruiser aus der Generation FJ60 war zumindest diesseits des Atlantiks damals eine Seltenheit und stand einem Range Rover an Renommee in nichts nach. Denn als der Station Wagen 1980 eingeführt wurde, hat er die Ära der raubeinigen Geländegänger, für die Luxus ein Fremdwort war, eindrucksvoll beendet: Er bietet mehr Komfort, mehr Platz und mehr Pkw-Schick als alle seine Vorgänger und bewahrt sich dennoch deren unverwüstliche Robustheit und souveränen Offroad-Eigenschaften. „Das Talent stilvoll durch den Dreck zu reisen und anschließend mit starkem Sechszylinder die Autobahn zu stürmen, macht den 4,68 Meter langen Toyota zum König der Geländekreuzer“, schwadronieren sie im Museum in Köln.

Ausreichend Platz bietet der Toyota Land Cruiser seinem Fahrer. Foto: Harald Dawo/SP-X

Wobei das mit dem Stürmen freilich so eine Sache war. Auch wenn der Motor sündige sechs Zylinder hatte und stolze 4,2 Liter Hubraum, sind ihm nicht mehr als 120 PS zu entlocken. Und bei gut und gerne zwei Tonnen Gewicht brauchte Mr. Moore schon ein wenig Geduld, bis der Brocken damit auf Speed kam.

Perfekte Übersicht im Verkehr

Aber erstens hatte die Schweiz ja schon damals rigorose Tempo-Beschränkungen, und zweitens konnte er sich auf der Leinwand oft genug beim Autofahren austoben. Und viel entspannender Autofahren als mit dem rüstigen Riesen aus der Rentner-Abteilung des Toyota-Fuhrparks kann man kaum unterwegs sein: Platz ohne Ende, eine perfekte Übersicht, gemütliche Abstimmung, ein unverwüstlicher Motor und eine Souveränität, die sich der Senior auch über die Jahre nicht hat abnehmen lassen – egal ob Schaulaufen vor dem Jetset, eine Verfolgungsjagd durch Eis und Schnee oder eine lustvolle Landpartie, welche Rolle das Drehbuch fürs Leben auch schreibt, in diesem Land Cruiser ist man dafür gerüstet.

Das hatten ihm die Japaner bereits in die Wiege gelegt, als sie den Wagen 1950 auf die Räder stellten. Denn entwickelt wurde der Land Cruiser, damals noch unter dem Kürzel „BJ“, für eine Ausschreibung des amerikanischen Militärs, das seine Truppen in Japan mit lokalen Fahrzeugen mobil halten wollte. Dass der Wagen damals nicht zum Zuge kam, mag aufs erste nach Niederlage klingen. Doch der Grund dafür stempelt den Land Cruiser zum Gewinner: „Denn der Land Cruiser war nur deshalb zu teuer, weil er schlichtweg zu Gut war für den militärischen Einsatz“, sagt Toyota-Experte Alexander Wohlfarth, der den Geländegänger besser kennt als jeder andere.

Ein Modell für Polizei und Behörden

„Doch wo das Auto schon einmal fertig war, hat Toyota es eben anderen Institutionen angeboten“, sagt Wohlfarth. Und spätestens, nachdem der in nur fünf Monaten gebaute Prototyp unbeirrt über Tempel-Treppen rumpelte und bis zur sechsten Bergstation des Fuji kletterte, kam die Sache ins Laufen: Polizei und Behörden bestellten die ersten Exemplare des Kletterkünstlers, der damals mit einem 85 PS starken Sechszylinder-Benziner ausgeliefert wurde.

Zugleich begann der Wagen seine internationale Karriere. Toyota exportierte die ersten Autos nach Pakistan und Saudi-Arabien, und dann ab 1958 in der mittlerweile zweiten Generation auch nach Amerika. Den großen Durchbruch brachte allerdings erst die dritte Auflage von 1960: Sie trug das Kürzel FJ40 und galt mit ihrem meist weiß lackierten Dach und dem freundlichen Lego-Gesicht nicht nur als schönste Modellvariante. Mit einer Bauzeit von fast 20 Jahren hatte sie im weit verzweigten Stammbaum des Land Cruisers auch am längsten Bestand.

Abenteuer schadlos überstanden

Der Land Cruiser bietet mehr eine gute Rundumsicht. Foto: Harald Dawo/SP-X

Damals noch Abenteuer, macht der Land Cruiser wie die allermeisten Geländewagen danach den Schritt in den Alltag und flirtet mit der High Society. Deshalb ist auch Mr. Moores Land Cruiser für seine Zeit ausgesprochen üppig ausgestattet. Doch die Gadgets aus den Bond-Filmen sucht man an Bord vergebens. Statt einem Schleudersitz gibt es eine schmucke Kombination aus Stoff und Leder, statt rotierender Kennzeichen immerhin ein ordentliches Soundsystem und das einzige, was in diesem Auto zum Schießen ist, das ist eigenwillige Farbkombination mit braunem Lack und güldenen Lettern für das Markenzeichen.

Schon möglich, dass der Land Cruiser nicht ganz so spektakulär ist wie Mr. Moores Dienstwagen. Doch anders als Aston Martin, Ente oder Lotus und all die anderen Bond-Vehicle aus Qs legendärer Rüstkammer hat Roger Moores privater Land Cruiser einen entscheidenden Vorteil: Er hat all die Abenteuer seines Hauptdarstellers schadlos überlebt und steht noch heute voll im Lack. Alles Roger, Mr. Moore! (SP-X)

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