SUV-Boom wird für Autobauer zum Problem

Einhaltung der CO2-Grenzwerte

Der Porsche Cayenne ist das beliebteste Porsche-Modell.
Der Porsche Cayenne ist das beliebteste Porsche-Modell. © Porsche

Die Verkaufserfolge bei den sportlichen Geländewagen (SUV) dürfte bei den Herstellern nicht nur für Freude sorgen. Denn der höhere CO2-Ausstoß bringt für die Autobauer mit Blick auf die verschärften Abgasrichtlinien Probleme mit sich.

Der Trend zu sportlichen Geländewagen (SUV) hält an. So wurden auf dem deutschen Automarkt nach einer Studie des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen in den ersten vier Monaten des Jahres 180.000 SUV neu zugelassen. Damit erreicht der SUV-Marktanteil mit 18,3 Prozent einen neuen Rekordwert.

Schaut man auf die deutschen Autobauer, kommt Porsche mit 38 Prozent auf den größten SUV-Anteil bei seinen Neuzulassungen. Und dass, obwohl der Porsche Macan erst seit April an Kunden ausgeliefert wird. Vor dem Hintergrund neuer Markteinführungen wie dem BMW X4, Fiat 500X, Ford Ecosport, Ford Edge und dem Jeep Jeepster prognostiziert die Studie für dieses Jahr mit 570.000 SUV einen neuen SUV-Rekord auf den deutschen Straßen.

28 Prozent Marktanteil bis 2020

„Ohne SUV läuft nichts mehr in der deutschen Autobranche“, so Ferdinand Dudenhöffer, der Autor der Studie. Und mit Blick auf das Jahr 2020 rechnet der Wissenschaftler damit, dass SUVs dann mit 900.000 Einheiten auf einen Marktanteil von 28 Prozent kommen. Fließ- und Stufenheck verlieren bis dahin zunehmend an Bedeutung. Derzeit ist das Fließheck mit einem Marktanteil von 36,6 Prozent noch die beliebteste Karosserievariante, hat im Vergleich zu 2010 bereits 6,5 Prozent an Marktanteil eingebüßt.

Doch die Hersteller dürften sich nur kurzzeitig über diese Absatzerfolge bei den sportlichen Geländewagen freuen. Denn die SUV-Verkäufe gehen zu Lasten der verbrauchsärmeren Fließheck- und Stufenheckvarianten. Damit stehen diese Verkaufserfolg im Konflikt mit den verschärften Abgasrichtlinien der EU, die bis zum Jahr 2021 einen Grenzwert von 95 g/km vorsehen. Durch ihre Größe, den schlechteren Aerodynamikeigenschaften und dem höheren Gewicht verbrauchen „SUV etwa 20-25 Prozent mehr Treibstoff als die vergleichbaren Fließheck und Stufenheck-Modelle“, so die Studie. Vor dem Hintergrund des erwarteten Marktanteils von 28 Prozent bis 2020 wird es für die Hersteller immer schwieriger, die CO2-Grenzwerte zu erreichen.

„Nicht umsonst jammern daher die deutschen Autobauer lautstark, denn durch den SUV-Trend brauchen sie mehr alternative Antriebe, mehr Plug-In Hybride, und das treibt die Kosten und Preise hoch. SUV sind für die deutschen Autobauer ein zweiteiliges Schwert“, so Dudenhöffer. Deshalb vergrößere jedes neue SUV-Modell das Problem der Hersteller für das Erreichen der CO2-Ziele. „Die Autobauer fahren mit dem SUV auf eine Wand zu und es sieht so aus, dass Bremsen sehr teuer wird.“ (AG/FM)

Vorheriger ArtikelStaugefahr nicht nur an Fronleichnam
Nächster ArtikelVW Beetle Dune: Fühlen wie ein Beach-Boy
Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).