Mercedes: Sparsam durch Hybridisierung

Die Mercedes E-Klasse kommt im Sommer 2020 mit einigen optischen Neuerungen zu uns auf die Straße. © Daimler

Die CO2-Grenzwerte erfordern eine rasche Elektrifizierung. Entsprechend setzt auch Mercedes auf eine Hybridisierung seiner Modelle.

Derzeit liegt in der Autobranche der öffentliche Fokus klar auf dem Elektroantrieb. Dass aber Benziner und Diesel noch lange nicht zum alten Eisen gehören, zeigen unter anderem die Ingenieure in der Motorenentwicklung von Mercedes.


Unter der überarbeiteten E-Klasse steckt der weltweit erste und einzige Vierzylinder-Mildhybrid, dessen Startergenerator nicht wie sonst üblich über einen Riemen angeflanscht ist (RSG), sondern direkt auf der Kurbelwelle sitzt (ISG). Die Stuttgarter wenden dieses Bauprinzip schon seit gut drei Jahren bei ihrem Sechszylinder-Reihen-Ottomotor M 256 an.

Elektrifizierte Vierzylinder

Jetzt soll der neu konstruierte und derart elektrifizierte Vierzylinder, intern M 254 genannt, vor allem die Volumenmodelle E-Klasse und die nächste Generation der C-Klasse zu den sparsamsten Benzinern in ihrem Segment machen. Und nicht nur das, der Fahrer profitiert auch von der höheren Laufkultur. Die ISG-Technik erlaubt seidenweiche Re-Start-Vorgänge. Dies zeigten Testfahrten mit Vorserienmodellen.

Die neue C-Klasse (Baureihe 206) wird 2021 zunächst als Limousine und Kombi (T-Modell) in den Markt gehen. Zeitgleich dürfte dann der Vierzylinder-Diesel OM 654 in ISG-Ausstattung einbaufertig sein, so dass auch hier niedrige Verbräuche zu erwarten sind. Den Weg in die nächste S-Klasse allerdings wird dieser Selbstzünder-Mildhybrid nicht finden. Er wäre ohnehin nur ein Motor für Europa und selbst hier entscheiden sich die Kunden in diesem Segment durchweg für sechs und mehr Zylinder. Prestige und Status zählen mehr.

Optische Dominanz bei S-Klasse

Von beidem wird erneut die neue Generation der S-Klasse (intern W 223) reichlich haben. Sie gibt es weiterhin mit kurzem und langem Radstand. Die S-Klasse gilt als das Aushängeschild der Stuttgarter Marke, ist Technologie- und Innovationsträger. Keine Luxuslimousine verkauft sich weltweit besser.

Damit das so bleibt, setzt Designchef Gorden Wagener auf mehr optische Präsenz, denn die wichtigsten Märkte der S-Klasse sind wie bisher USA und China. Und weil besonders im Reich der Mitte die Käufer deutlich jünger sind als im Rest der Welt, hält eine nie dagewesene Digitalisierung Einzug ins Flaggschiff. Statt des ehemaligen breiten „Wide Screen“ dominiert jetzt im Stil von Tesla ein riesiger Bildschirm auf der Mittelkonsole. Auch beim Fahrkomfort wollen die Mercedes-Entwickler eine nie gekannte Dimension erreichen. Keine leichte Aufgabe beim Niveau der heutigen S-Klasse.

Elektrischer Boost

Daimler-Chef Ola Källenius mit dem Vision EQS. Foto: dpa

Angeblich soll antriebstechnisch die Luxuslimousine durchgehend elektrifiziert werden. Beim Plug-in-Hybrid wollen die Stuttgarter über 100 Kilometer elektrische Reichweite erzielen. Experten bezweifeln allerdings, ob Mercedes auch den Sechszylinder-Diesel OM 656 mit einem Mildhybrid ausstatten wird, weil es technisch keinen Sinn macht, dessen ohnehin enormes Drehmoment zusätzlich elektrisch zu boosten.

Von der Elektrifizierung ebenso ausgenommen sein dürfte auch der V12-Motor, wenn er denn überhaupt weiterleben darf. Bekannt ist bereits, dass es bei der Tochter AMG den S 65 nicht mehr geben soll.

Gestrichen sind auch das Coupé und das Cabrio der S-Klasse. Sie machen in Sindelfingen im kommenden Jahr Platz für eine Limousine, die wie keine andere die Autowelt auf ein neues Level heben wird: der EQS. Gegen ihn wirkt der nächste SL, egal wie modern er konzipiert sein wird, fast wie aus einer anderen Zeit. Erstmals wird er von AMG entwickelt, bekommt wieder ein klassisches Verdeck und leitet 2021 das Ende des AMG GT Roadsters ein. (SP-X)

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