12. Oktober 2016

Opel-Nutzfahrzeugchef Steffen Raschig «Brexit ein schwerer Rückschlag»

Opel/Vauxhall-Nutzfahrzeugchef Steffen Raschig
Opel/Vauxhall-Nutzfahrzeugchef Steffen Raschig © AG/Flehmer

Bis zum Jahr 2022 soll die Nutzfahrzeugsparte von Opel/Vauxhall 150.000 Einheiten pro Jahr verkaufen. Man befände sich auf einem guten Weg, sagte Nutzfahrzeug-Chef Steffen Raschig im Interview mit der Autogazette, allerdings hätten sich die Voraussetzungen durch den Brexit verschlechtert.




Auf dem Weg von 150.000 verkauften Einheiten pro Jahr bis zum Jahr 2022 ist die Nutzfahrzeugsparte von Opel/Vauxhall schon sehr gut vorangekommen. «Wir haben im Jahr 2015 bereits gut 100.000 Fahrzeuge europaweit verkauft und lagen damit über dem Plan. Und auch in diesem Jahr sind wir auf einem guten Weg», sagt Nutzfahrzeugchef Steffen Raschig im Interview mit der Autogazette.

Schwung bekam die Sparte durch das Forcieren bei den so genannten Conversion Solutions, den Auf- und Umbauten bei den Vans. «Das Thema Conversion Solutions trägt zu diesem Wachstum bei. Es ist wie bei einer Kaffeemühle. Wenn man oben mehr Bohnen einfüllt, kommt unten auch mehr Kaffee raus, natürlich darf man beim Rühren nicht nachlassen. Und wir rühren kräftig», so Raschig weiter.


«Decken Kernsegmente im Vanbereich ab»

Trotz der guten Ausgangslage mach der Brexit laut Raschig weitere Prognose unmöglich. «Der Brexit ist für uns ein schwerer Rückschlag. Das Britische Pfund hat deutlich abgewertet und der Ausblick für die britische Automobilindustrie hat sich schlagartig verschlechtert. Für uns ist es wichtig, dass die Verhandlungen über die zukünftige Beziehung des Vereinigten Königreichs zur EU zeitnah abgeschlossen werden. Genauso wichtig ist es, dass der Handel während dieses Zeitraums weiter vom freien Verkehr für Waren- und Personen profitiert.» Opel/Vauxhall produziert im englischen Luton.

Dass in nächster Zeit zu dem bestehenden Trio aus Vivaro, Movano und Combo ein neues Modell hinzustößt, hält Raschig aktuell für nicht nötig. «Wir decken die Kernsegmente im Vanbereich ab – damit sind wir im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge im 'Place to be'. Und wenn es zukünftig neue Anforderungen aus dem Markt heraus gibt, entscheiden wir fallspezifisch.»

«Wir rühren kräftig»

Der Opel Movano avanciert zum Camping-Mobil
Der Opel Movano avanciert zum Camping-Mobil © AG/Flehmer

Autogazette: Herr Raschig, bis 2022 soll die Nutzfahrzeugsparte von Opel/Vauxhall 150.000 Einheiten der drei Modelle Combo, Movano und Vivaro pro Jahr verkauft werden. Auf welcher Etappe befinden Sie sich gerade?

Steffen Raschig: Wir sind schon eine gute Strecke gegangen und haben diese bisher schneller absolviert als das manche für möglich gehalten haben. Wir haben im Jahr 2015 bereits gut 100.000 Fahrzeuge europaweit verkauft und lagen damit über dem Plan. Und auch in diesem Jahr sind wir auf einem guten Weg.

Autogazette: In Zahlen ausgedrückt?

Raschig: Wir liegen aktuell zehn Prozent über dem sehr starken Vorjahr und freuen uns darüber – so kann es gerne weitergehen.

Autogazette: Das heißt, in zwei Jahren haben sie den Plan erfüllt?

Raschig: Wichtiger ist mir nachhaltiges Wachstum. Wir haben eine Richtung, in die wir gehen möchten und danach haben wir unsere Aktivitäten ausgerichtet. Ganz wichtig ist uns dabei die Erweiterung unserer Aktivitäten im Bereich der Conversions fortzusetzen.

Autogazette: . . . die sogenannten Auf- und Umbauten bei Nutzfahrzeugen . . .

Raschig: . . . . da hatten wir in der Vergangenheit Defizite, die wir in den letzten drei Jahren konsequent beseitigt haben. Und über solche Themen wollen wir unsere Ziele erreichen. Es geht nicht um einen einmaligen Kraftakt, unbedingt 150.000 Fahrzeuge zu verkaufen, sondern es geht darum, dass wir das jährlich, solide leisten können.

Autogazette: Profitieren Sie von den guten Märkten?

Raschig: Speziell mit dem Movano und dem Combo wachsen wir auch in 2016 deutlich schneller als das jeweilige Segment. Das Thema Conversion Solutions trägt zu diesem Wachstum bei. Es ist wie bei einer Kaffeemühle. Wenn man oben mehr Bohnen einfüllt, kommt unten auch mehr Kaffee raus, natürlich darf man beim Rühren nicht nachlassen. Und wir rühren kräftig.

Negative Auswirkungen durch Brexit befürchtet

Autogazette: Ist der Brexit dabei eine Herausforderung?

Raschig: Der Brexit ist für uns ein schwerer Rückschlag. Das Britische Pfund hat deutlich abgewertet und der Ausblick für die britische Automobilindustrie hat sich schlagartig verschlechtert. Für uns ist es wichtig, dass die Verhandlungen über die zukünftige Beziehung des Vereinigten Königreichs zur EU zeitnah abgeschlossen werden. Genauso wichtig ist es, dass der Handel während dieses Zeitraums weiter vom freien Verkehr für Waren- und Personen profitiert. Wir sind dafür, dass das Vereinigte Königreich weiterhin Teil des europäischen Wirtschaftsraumes bleibt.

Autogazette: Kann die Unsicherheit des Brexit den derzeitigen Erfolg stoppen?

Raschig: Niemand kann sicher sagen, was nun genau passieren wird. Sollten allerdings die derzeitigen Marktbedingungen für den Rest des Jahres anhalten, glauben wir, dass dies für uns in der zweiten Jahreshälfte negative Auswirkungen haben könnte.

Autogazette: Steht die Nutzfahrzeugbranche dabei gerade vor einem extremen Umbruch? Wenn zum Beispiel Drohnen auf dem letzten Kilometer die Ware ins Haus bringen?

Raschig: Das Thema „Last Mile“ ist für uns nichts Neues. Der Trend zum Online-Shopping wird weiter fortgesetzt. Von daher wird die Bedeutung der leichten Transportfahrzeuge in der Logistikkette immer wichtiger werden. Darauf müssen wir unsere Konzepte abstellen. Eine bedeutende Kundengruppe sind aber auch die Mittelständler im städtischen Umfeld. Er muss mit seinem Auto bis zum Kunden vorfahren können. Da brauchen wir clevere Lösungen, die wir auch anbieten. Bei allen anderen zukünftigen Themen haben wir unsere Augen weit offen, um rechtzeitig und adäquat zu agieren.

«Combo erfreut sich wachsender Beliebtheit»

Opel hat dem Vivaro sportliche Attitüden verliehen
Opel hat dem Vivaro sportliche Attitüden verliehen © Opel

Autogazette: Wenn Ende 2017 die Kooperation mit Fiat ausläuft, dafür die Zusammenarbeit mit der PSA Group beginnt, wie viel Opel steckt dann noch im Opel Combo?

Raschig: Für uns ist wichtig, dass auch unsere Nutzfahrzeuge durch ihr Design klar als Mitglieder der Opel-Produktpalette erkannt werden – trotz der Plattformteilungen, die in der Nutzfahrzeug-Branche verbreitet sind, um Skaleneffekte zu erzielen. Die kommende Generation unseres Combo macht da ganz sicher keine Ausnahme.

Autogazette: Von außen betrachtet?

Raschig: Im Bereich der Antriebstechnologie werden wir viele Gemeinsamkeiten entdecken, um ökonomisch handeln zu können. Beim Thema Design werden natürlich Opel-spezifische Elemente eingebracht. Sie dürfen freudig gespannt sein.

Autogazette: Sind dann die derzeit aktuellen Vivaro, Movano und Combo Auslaufmodelle?

Raschig: Nein - ganz und gar nicht! Vivaro und Movano sind erst kürzlich neu aufgelegt bzw. umfassend überarbeitet worden. Auch der Combo erfreut sich in den letzten drei Jahren in Folge wachsender Beliebtheit – es gibt derzeit sogar viele Kunden, die den Combo für sich das erste Mal entdecken. Das freut uns sehr.

Autogazette: Wird denn die Nutzfahrzeugpalette um neue Modelle erweitert, um eventuell weitere Anforderungen zu erfüllen?

Raschig: Wir zäumen das Pferd nicht von hinten auf, sondern schauen, wo wir im Markt Potenziale haben. Mit unseren drei Modelllinien Combo, Vivaro und Movano decken wir die Kernsegmente im Vanbereich ab – damit sind wir im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge im «Place to be». Und wenn es zukünftig neue Anforderungen aus dem Markt heraus gibt, entscheiden wir fallspezifisch.

Das Interview mit Steffen Raschig führte Thomas Flehmer



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