Unu E-Roller: Stromern zum günstigen Preis

Der Unu Elektro-Roller ist idel für die Stadt. © SPX-X

Elektro-Roller stehen bei den Kunden hoch im Kurs. Auch das Start-up Unu bietet ein elektrischen Zweirad für die Stadt an.

Der kleine Roller im Retro-Kleidchen verzichtet, zumindest primär, auf fossile Treibstoffe. Darüber hinaus bringt der Unu seinen Fahrer ganz laut- und geruchslos und auf zudem recht kommode Art von A nach B. Der kleine Stromer ist damit eine in mehrfacher Hinsicht interessante Mobilitätsalternative mit allerdings ein paar Detailschwächen.


Unu vermarktet sich als hippes Berliner Start-up, obgleich das Produkt selbst, ein Kleinkraftroller, aus China stammt. Optisch umweht das kompakte Zweirad sogar eine gewisse Dolce-Vita-Aura, was vor allem seinem der klassischen Vespa nicht ganz unähnlichen Look geschuldet ist.

Einfache Materialqualität beim Unu

Auf den ersten Blick wirkt das schick, auf den zweiten fällt allerdings eine recht einfache Materialqualität auf. Die Mattlackierung der durchweg aus Plastik gefertigten Karosserieteile mag cool aussehen, vermittelt aber zusammen mit zum Teil etwas großzügigen Spaltmaßen kein sonderlich edles Finish. Der intensive Einsatz von Kunststoff bietet aber auch Vorteile: Mit 67 Kilogramm ist der kleine Stromer verblüffend leicht, Rost muss ein Unu-Besitzer auch nicht fürchten.

Anders als manch neuer Elektro-Roller verzichtet der Unu auf Konnektivitäts-Chichi, Fahrmodi oder schicke Display-Welten. Das Cockpit bietet einen klassischen Rundtacho samt Akkufüllstandsanzeige. Mehr braucht es auch nicht. „Zündschlüssel“ umdrehen, Seitenständer einklappen und mit einem Dreh am „Gasgriff“ braust der Roller los. Wie geräusch- und mühelos das funktioniert, verblüfft.

Mitschwimmen im Stadtverkehr

Schlicht gehalten: das Cockpit des Unu. Foto: SP-X

Den Hinterradnabenmotor von Bosch bietet Unu in drei Leistungsstufen mit 1, 2 oder 3 kW an. Unser Testexemplar mit 4 PS verdient durchaus das Prädikat spritzig. Die Beschleunigung ist sämig und homogen und reicht aus, um im Stadtverkehr lässig mitzuschwimmen. Häufiger bewegt sich die Tachonadel sogar leicht jenseits des gesetzlichen Limits von 45 km/h. Eigentlich könnte der Unu mit seinem Temperament dazu verleiten, auch flott um Ecken zu fegen, doch eine ambitioniertere Schräglagengaudi verhagelt sein etwas kippeliges Einlenkverhalten sowie ein frühes Aufsetzen des Hauptständers.

Unsicher fühlt man sich mit dem stets gut beherrschbaren und stabil fahrenden Roller dennoch nicht. Die Bremsen sind zwar etwas teigig und stumpf, verzögern aber ordentlich. Sicherheitstechnisch bedenklich ist allerdings der funzelige Scheinwerfer, der selbst den Nahbereich nur mäßig ausleuchtet. In Städten mit viel Licht mag das hinnehmbar sein, in dunkleren Gegenden ist man aufs Fernlicht angewiesen.

Eine Stärke des Unu ist sein Komfort. Dank der langen und bequemen Sitzbank findet man eine angemessene Position, wenngleich man mit 1,80 Metern Größe das Gefühl hat, auf einem eigentlich für kleinere Menschen gemachten Roller zu sitzen. Vorzüglich ist der Federungskomfort des Fahrwerks, das viele Unebenheiten des Asphalts lässig wegschwingt. Entsprechend macht es Spaß, mit dem leichten und gegenüber Unebenheiten toleranten Unu durch den Stadtverkehr zu wuseln.

Schwäche bei Reichweite

Etwas enttäuschend war jedoch die Reichweiten-Performance. Bei der Fahrzeugübergabe war von 50 Kilometer die Rede, die allerdings, so der Zusatzhinweis, auch von Faktoren wie etwa Fahrergewicht abhängen. Ob vielleicht zu viel Hüftgold an der doch deutlichen Reichweiteneinbuße schuld war, lässt sich nachträglich nicht mehr klären, doch mehr als 35 Kilometer waren nicht drin. Und von denen mussten die letzten zwei bis drei Kilometer zunächst leicht gedrosselt und kurz vorm endgültigen Nullpunkt im Schneckentempo absolviert werden.

Wenn die Füllstandnadel vom letzten Viertelstrich Richtung Rot fällt, nehmen Durchzug und Höchstgeschwindigkeit drastisch ab, was den Fahrer ermahnt, nachzuladen. Immerhin: Der herausnehmbare, 9 Kilogramm schwere 1,4-kWh-Batteriekasten war nach nur vier Stunden Ladezeit gefüllt.

Die Batterie lässt sich unter der hochklappbaren Sitzbank einschieben. Entsprechend passt dort ein Jethelm nur rein, wenn kein Akku ihm den Platz streitig macht. Für rund 690 Euro kann man einen Zweit-Akku bekommen, der parallel ins Batteriefach passt und damit die Reichweite verdoppelt. Geht der Strom in einer Batterie zur Neige, muss man einen Stopp einlegen und das Stromkabel an den vollen Akku anschließen.

Preis liegt bei 2800 Euro

Optisch lässt sich der Unu Elektroroller sehen. Foto: SP-X

Ein Zweitakku entschärft das Reichweitenproblem, treibt allerdings den bereits gehobenen Preis weiter in die Höhe. Unsere 3-kW-Version kostet 2.800 Euro, mit Zusatzakku ist man dann bei rund 3500 Euro. Konventionell getriebene 50er-Roller namhafter Hersteller gibt es für weniger. Im Bereich der E-Scooter mit Lithium-Ionen-Batterie ist der Unu, vor allem die 1.800 Euro teure Basisversion, hingegen im unteren Preissegment angesiedelt. Doch angesichts einer insgesamt einfachen Machart erscheint er selbst in diesem Umfeld kein Schnäppchen.

Günstig sind dafür die Energiekosten, denn legt man unsere Praxisreichweite zugrunde, verbraucht der Unu rund 4 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Bei einem Kilowattstundenpreis von 30 Cent sind das 1,20 Euro. Benzingetriebene Roller verschlingen gut das Dreifache. Berufspendler, die rund 1.000 Kilometer im Monat fahren, könnten also im Vergleich zum normalen 50er-Roller 20 bis 30 Euro im Monat Energiekosten sparen. Auf das Jahr gerechnet wären das etwa 300 Euro. Langfristig gesehen könnte sich ein E-Roller wie der Unu, trotz der üppigen Anschaffungshürde also durchaus bezahlt machen. Und die Umwelt schont man außerdem. (SP-X)

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