«Über Fusion mit Opel wurde nie gesprochen»

PSA-Markendirektor Olivier Dardart

PSA-Markendirektor Olivier Dardart
PSA-Markendirektor Olivier Dardart. © Peugeot

PSA Peugeot Citroen hat ein schweres Jahr 2012 hinter sich. Im Interview mit der Autogazette spricht PSA-Markendirektor Olivier Dardart über die Zukunftsaussichten und die Kooperation mit GM.

Olivier Dardart hat eine Fusion von PSA Peugeot Citroen mit Opel ausgeschlossen. «Manche Medien haben über einen Zusammenschluss mit Opel spekuliert. Aber darüber wurde nie gesprochen. Alles das, was wir im Februar kommuniziert hatten, wurde umgesetzt, beziehungsweise wird gerade umgesetzt», sagte der PSA-Markendirektor von Deutschland im Interview mit der Autogazette. Die in der vergangenen Woche schriftlich fixierte Allianz mit General Motors beinhalte den gemeinsamen Einkauf sowie gemeinsame Plattformen mit GM und eine Zusammenarbeit in der Logistik. «Es geht nicht darum, Personal einzusparen», so Dardart weiter.

Auch die Meldungen, dass der französische Staat die eigene Banque PSA Finance übernehmen werde, betitelte der Automanager als nicht richtig. Die sieben Milliarden Euro der Regierung seien nur Garantien. «Werden sie in Anspruch genommen, zahlt die Bank dafür. Das ist kein Einstieg des Staates.»

Dardart, der seit Jahresanfang Generaldirektor des deutschen Ablegers ist, peilt nach einem schweren Jahr für 2013 hohe Ziele an. «Mit Peugeot wollen wir bei Pkw und Nutzfahrzeugen einen Marktanteil von rund 2,8 Prozent und 93.000 Verkäufen, mit Citroën einen Marktanteil von rund 2,3 Prozent und 77.400 Verkäufen erzielen. Für 2015 ist das Ziel „stärkster Importeur“ vorgesehen. «Sicher ist dieses Ziel ambitioniert. Aber wir wollen bis 2015 einen Marktanteil von 5,7 Prozent schaffen zusammen mit unseren Nutzfahrzeugen.»

Mit dem Umzug der Peugeot Deutschland-Zentrale von Saarbrücken nach Köln sollen neue Strukturen beiden Marken zum Aufschwung verhelfen. Besonders der neue Peugeot 208, der aufgrund fehlender sparsamer Motoren in Deutschland nur einen schleppenden Start hatte, avanciert zum Hoffnungsträger. «Wir werden in diesem Jahr etwa 12.000 Einheiten des 208 verkaufen, für nächstes Jahr sind doppelt so viele geplant.»

Nach Peugeot-Umzug neue Struktur

Autogazette: Herr Dardart, Ihr erstes Jahr als Generaldirektor von Peugeot und Citroen in Deutschland geht zu Ende. Ist es noch schlimmer geworden, als Sie es erwartet haben?

Dardart: Nein, schlimmer als wir es erwartet haben, ist es nicht geworden. Der europäische Pkw-Markt ist von 16 Millionen Einheiten auf 13 Millionen geschrumpft, besonders in den Ländern, in denen wir stark vertreten sind. Wir hatten mit einem schweren Jahr gerechnet und das wurde es auch. Doch auch intern hatten wir ein schweres Jahr . . .

Autogazette: . . . durch den Umzug von Peugeot von Saarbrücken nach Köln . . .

Dardart: . . . das war eine schwere Entscheidung, aber leider nötig. Doch das haben wir hinter uns, jetzt schauen wir in die Zukunft.

Autogazette: Wie viele Mitarbeiter aus Saarbrücken haben den Umzug nicht mitgemacht?

Dardart: Rund 85 Mitarbeiter sind im Saarland geblieben, 27 Prozent aller Mitarbeiter der Deutschlandzentrale sind mit umgezogen, der Außendienst war vom Umzug nicht betroffen.

Autogazette: Was hat sich durch den Umzug geändert?

Dardart: Wir haben jetzt eine neue Struktur definiert, die wir für optimal halten. Mit der Zeit wird es kleine Adaptionen geben. Wir sind schon nah dran am Optimum, 90 Prozent aller Stellen sind besetzt. Der Rest wird bis Ende März aufgefüllt sein.

Peugeot 208 als Lichtblick für 2013

Der Peugeot 208 e-HDi 115
Der Peugeot 208 als Hoffnungsträger für 2013 AG/Flehmer

Autogazette: Sie wollten 2012 einen Marktanteil von fünf Prozent für beide Marken erreichen. Dieses Ziel wurde jedoch klar verfehlt.

Dardart: Wir kommen auf etwa 4,3 oder 4,4 Prozent bei den Pkw. Bei den Nutzfahrzeugen sind es knapp fünf Prozent pro Marke.

Autogazette: Die Krise hat beide Marken voll erwischt: Peugeot muss einen Absatzrückgang von derzeit 12,9 Prozent hinnehmen, bei Citroen sind es 5,6 Prozent. Sehen Sie trotz der andauernden Krise einen Lichtblick fürs kommende Jahr?

Dardart: Ein Lichtblick wird der Peugeot 208 werden, da wir jetzt die sparsamen Dreizylindermotoren haben, die zu diesem Modell passen.

Autogazette: Gerade der 208 hat enttäuscht in diesem Jahr. Bis November wurden lediglich 10.633 Einheiten verkauft. Das Ziel war doppelt so hoch angesetzt.

Dardart: Es war misslich, dass zum Marktstart lediglich größere Motoren und höhere Ausstattungsvarianten zur Wahl standen. Es fehlten die neuen Motoren unter 80 PS, die rund 60 Prozent des Absatzes ausmachen. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. Und wir werden unsere Verkaufsstrategie beim 208 neu ausrichten . . .

Autogazette: . . . was zurzeit mit speziellen Leasing- und Kaufangeboten passiert. Wie viele Einheiten sollen 2013 verkauft werden?

Dardart: Wir werden in diesem Jahr etwa 12.000 Einheiten des 208 verkaufen, für nächstes Jahr sind doppelt so viele geplant.

Autogazette: Hat es dem 208 geschadet, dass weiterhin 206 und 207 zum Verkauf standen, die beide bis November über 16.000 Mal verkauft wurden?

Dardart: Der 207 läuft aus, es bleiben noch die SW- und CC-Modelle im Angebot . . .

Autogazette: . . . die es für den 208 nicht geben wird . . .

Dardart: . . . die Kombi-Rolle des SW wird der neue 2008 übernehmen, unser neues Mini-SUV, eine Coupé-Cabrio-Version ist für 2013 noch nicht vorgesehen.

Autogazette: Aber für 2014?

Dardart: (schweigt und hebt die Schultern)

Ziel von PSA: Stärkster Importeur bis 2015

Der Citroen Jumpy Citroen

Autogazette: Angesichts eines besseren Verkaufs des 208 werden dann auch die Absatzziele angehoben?

Dardart: Mit Peugeot wollen wir bei Pkw und Nfz einen Marktanteil von rund 2,8 Prozent und 93.000 Verkäufen, mit Citroen einen Marktanteil von rund 2,3 und 77.400 Verkäufen erzielen.

Autogazette: Müssen Sie angesichts dieser ernüchternden Zahlen Ihre Ankündigung nicht zurücknehmen, bis 2015 stärkster Importeur in Deutschland zu werden?

Dardart: Sicher ist dieses Ziel ambitioniert. Aber wir wollen bis 2015 einen Marktanteil von 5,7 Prozent schaffen zusammen mit unseren Nutzfahrzeugen.

Autogazette: Rechnen Sie sich die Zahlen dafür nicht schön, wenn Sie zur Erreichung dieses Ziel die Nutzfahrzeuge hinzuzählen? Ist das nicht eine Mogelpackung?

Dardart: Das ist unsere Strategie, beide Segmente zusammenzuzählen. Das Nutzfahrzeuggeschäft ist wichtig, denn es ist rentabel und damit auch für den Handel von großer Bedeutung. Es stärkt zudem das Geschäft mit Firmenkunden und ist ein zusätzlicher Türöffner für das Pkw-Geschäft.

Peugeot 301 für Wachstumsmärkte

Das Citroen DS3 Cabrio kommt 2013 auf den Markt.
Das Citroen DS3 Cabrio kommt im nächsten Jahr Citroen

Autogazette: Neben dem 2008, den neuen 308, 208 GTI sowie einem überarbeiteten RCZ und dem DS3 Cabrio und C4 Picasso gibt es mit dem 301 ein ganz neues Angebot im Portfolio . . .

Dardart: . . . allerdings ist dieses Modell für die Wachstumsmärkte gebaut. Wie der baugleiche C-Elysée als günstiges Angebot gedacht.

Autogazette: Nach Deutschland werden die günstigen Angebote aber nicht kommen, immerhin geht hier die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander?

Dardart: Es ist derzeit kein zusätzliches Volumen geplant. Nur, wenn wir feststellen, dass die Autos auch auf anderen Märkten nachgefragt werden, werden wir über weitere Optionen nachdenken.

PSA mit 20 Prozent Marktanteil im Elektroauto-Segment

Der Peugeot beim Start der ADAC eRallye Südtirol.
Der Peugeot iOn AG/Flehmer

Autogazette: Auf der anderen Seite der Preisspirale stehen die Elektroautos, mit denen PSA als Erster auf dem Markt war, die sich aber in Deutschland nur schleppend verkaufen. Ist es schon das Ende für Elektroautos in Deutschland?

Dardart: Auch wenn es nur kleine Stückzahlen sind, haben wir rund 20 Prozent Marktanteil in diesem Segment.

Autogazette: In Deutschland sind in diesem Jahr gerade mal 3000 Elektroautos zugelassen worden? Worauf führen Sie diese ernüchternden Zahlen zurück?

Dardart: Es ist ein Problem, dass es keine besondere Unterstützung für Elektroautos gibt.

Autogazette: In Frankreich werden Kaufprämien für E-Autos gezahlt, in Deutschland nicht. Glauben Sie, dass die Bundesregierung an dieser Strategie festhalten kann, wenn Sie ihr Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 erreichen will?

Dardart: Wenn keine Unterstützung kommt, wird es kompliziert. Nehmen wir das Beispiel Norwegen. Dort sind Elektroautos erfolgreich, weil es eine Unterstützung gibt.

Autogazette: Im kommenden Jahr werden die deutschen Hersteller mit Elektroautos auf den Markt kommen. Werden es dann der Peugeot iOn und der Citroen C-Zero schwerer haben, zu bestehen?

Dardart: Es ist ein Impuls für den Markt. Wir werden davon profitieren, weil wir nicht groß genug sind, den Markt selbst zu tragen.

Autogazette: Aber die deutschen Fahrzeuge werden zum Teil deutlich günstiger angeboten als Ihre Produkte, ein Smart wird für rund 23.000 Euro angeboten werden . . .

Dardart: Wir haben dafür vollwertige Viersitzer. Zudem wird es Möglichkeiten geben, die Batterie im Preis von dem Auto zu trennen.

«Über Zusammenschluss mit Opel nie gesprochen»

Der Opel Ampera beim Etappenstart der ADAC eRallye Südtirol.
Die Technik des Opel Ampera könnte auch bei PSA zum Einsatz kommen AG/Flehmer

Autogazette: Wird es aufgrund der Kooperation mit General Motors eventuell sogar dazu kommen, dass PSA Fahrzeuge mit einem Range Extender anbieten wird, um die Reichweiten von Elektroautos zu verlängern?

Dardart: Es gibt im Rahmen dieser Allianz viele Möglichkeiten, Technologien gemeinsam zu nutzen.

Autogazette: Welche Auswirkungen wird die Kooperation von PSA mit GM haben? Wird es mit Blick auf das Personal bei Ihnen Einschnitte geben?

Dardart: Es gibt in dieser Allianz drei Aspekte: Erstens wird der gemeinsame Einkauf strukturiert. Das wurde in der vergangenen Woche abgeschlossen. Zweitens wird es bis 2016 gemeinsame Plattformen mit GM geben. Drittens gibt es eine Zusammenarbeit in der Logistik mit Gefco. Es geht nicht darum, Personal einzusparen.

Autogazette: Was sagen Sie zu Befürchtungen, dass die angedachte Kooperation letztlich auch zu einem Zusammenschluss beider Unternehmen führen kann?

Dardart: Manche Medien haben über einen Zusammenschluss mit Opel spekuliert. Aber darüber wurde nie gesprochen. Alles das, was wir im Februar kommuniziert hatten, wurde umgesetzt, beziehungsweise wird gerade umgesetzt. Sollte sich Weiteres ergeben, würde es der Konzern kommunizieren. Auch beim Thema Banque PSA Finance würde ich gerne etwas klarstellen.

Autogazette: Inwiefern?

Dardart: Es wurde schon geschrieben, dass der französische Staat die PSA-Bank übernimmt. Dabei sind die sieben Milliarden Euro nur Garantien. Werden sie in Anspruch genommen, zahlt die Bank dafür. Das ist kein Einstieg des Staates.

«Werden uns weiter internationalisieren»

Autogazette: Aber rosig sieht die Lage für PSA Peugeot Citroen nicht aus.

Dardart: Aktuell verzeichnen wir monatlich einen Verlust von rund 200 Millionen Euro. Aber wir haben auch schon eine Milliarde Euro gespart und werden 2013 weiter sparen, um 2014 den Break Even zu erreichen . . .

Autogazette: Wie soll das geschafft werden?

Dardart: Wir werden uns weiter internationalisieren. Mit jeweils einem neuen Werk in China, Russland und Südamerika werden wir nicht mehr so stark vom europäischen Markt abhängig sein.

Autogazette: . . . auch auf Kosten der Mitarbeiter. PSA leidet unter Überkapazitäten, hat die Schließung eines Werks angekündigt. Wird das reichen, um wettbewerbsfähig zu sein oder wird es weitere Werksschließungen geben müssen?

Dardart: Wir müssen unsere Werke adaptieren. Aufgrund des schwachen europäischen Marktes werden 400.000 Einheiten weniger produziert. Das Werk in Aulnay mit rund 3000 Mitarbeitern wird geschlossen, aber wir tun alles, um unserer sozialen Verantwortung gerecht zu werden: Die Hälfte der Mitarbeiter wird nach Poissy vermittelt, für die andere Hälfte suchen wir neue Jobs vor Ort.

Autogazette: Fiat-Chef Sergio Marchionne hat vor einiger Zeit gesagt, dass in Zukunft lediglich sechs Marken überleben werden. Wie groß ist die Chance, dass PSA darunter ist?

Dardart: Wir haben mehrere Ziele. Wir werden die Kosten reduzieren und internationaler werden. Es wird mehr Ausstattungen und höherwertigere Modelle geben. Wir werden größer durch Einsparungen beim Einkauf und durch gemeinsame Plattformen mit GM. Wir werden so mehr Volumen machen und Modelle verkaufen können. Wir werden das schaffen und unsere Zukunft gut absichern.

Das Interview mit Olivier Dardart führte Thomas Flehmer