11. September 2014

Audi-Chef Rupert Stadler «Das Joint-Venture wird die Strafe akzeptieren»

Audi-Chef Rupert Stadler.
Audi-Chef Rupert Stadler. © dpa

Audi muss zusammen mit seinem Joint-Venture-Partner wegen unerlaubter Preisabsprachen in China eine Millionenstrafe zahlen. Das Joint-Venture FAW-Volkswagen werde die Strafe akzeptieren, sagte Audi-Chef Stadler im Interview mit der Autogazette.




Die VW-Tochter Audi ist zusammen ihrem Joint-Venture-Partner in China von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NRDC) wegen unerlaubter Preisabsprachen zu einer Geldstrafe von 31,5 Millionen Euro verdonnert worden. «Das Joint-Venture FAW-Volkswagen hat bei den Untersuchungen eng mit den Behörden zusammengearbeitet und wird die Strafe akzeptieren», sagte Audi-Chef Rupert Stadler am Donnerstag der Autogazette.

«Die chinesische Regierung will im eigenen Land nachhaltig Compliance-Regeln durchsetzen. Deshalb haben wir es natürlich befürwortet, dass unser Joint-Venture-Partner eng mit den Behörden zusammengearbeitet und die Ermittlungen unterstützt hat. Für uns ist das normal, wir haben als Unternehmen weltweit gültige Compliance-Regeln, die wir konsequent kontrollieren», sagte Stadler weiter.


«Der chinesische Gesamtmarkt wird weiter wachsen»

Der Audi-Chef rechnet trotz der zurückliegenden Untersuchungen der Behörden weiter mit einem guten Geschäft auf dem für die Marke wichtigsten Einzelmarkt. «Ich bin der festen Überzeugung, dass wir China so gut verstehen, dass wir dort auch in den nächsten Jahren ein wirklich profitables Geschäft machen können»

Natürlich werde sich auch in China die bisherige Wachstumsdynamik nicht unverändert fortsetzen. «Der chinesische Gesamtmarkt wird aber mittel- und langfristig weiter wachsen und die Nachfrage nach Automobilen der Premiumhersteller wird weiterhin überproportional steigen.»

Wie der Audi-Chef sagte, habe man den chinesischen Markt bisher «immer richtig eingeschätzt, manchmal waren wir vielleicht sogar zu konservativ. Entsprechend wird es dort auch bei einem geringeren Wachstum für uns keine Überraschungen geben». Für dieses Jahr erwartet Stadler in China ein zweistelliges Wachstum. In 2013 hatte Audi in China fast 492.000 Einheiten abgesetzt.

«Eng mit Behörden zusammen gearbeitet»

Autogazette: Herr Stadler, die chinesischen Wettbewerbshüter haben die deutschen Autobauer wegen unerlaubter Preisabsprachen in die Mangel genommen. Audi wurde nun zu einer Geldstrafe von 31,5 Millionen Euro verdonnert. Werden Sie die Strafe akzeptieren?

Rupert Stadler: Das Joint-Venture FAW-Volkswagen hat bei den Untersuchungen eng mit den Behörden zusammengearbeitet und wird die Strafe akzeptieren.

Autogazette: Wie sehr besorgt Sie das Vorgehen der Behörden mit Blick auf das weitere Geschäft in China?

Stadler: Gar nicht. Die chinesische Regierung will im eigenen Land nachhaltig Compliance-Regeln durchsetzen. Deshalb haben wir es natürlich befürwortet, dass unser Joint-Venture-Partner eng mit den Behörden zusammengearbeitet und die Ermittlungen unterstützt hat. Für uns ist das normal, wir haben als Unternehmen weltweit gültige Compliance-Regeln, die wir konsequent kontrollieren.

«Bisher Markt immer richtig eingeschätzt»

Eine chinesische Mitarbeiterin montiert die Audi-Ringe
Eine chinesische Mitarbeiterin montiert die Audi-Ringe © dpa

Autogazette: Das Wohl und Wehe von Audi hängt von China ab. 2013 hatten Sie dort mit fast 492.000 Einheiten fast ein Drittel ihres Absatzes erzielt. Die Risiken im Land scheinen nur schwer kalkulierbar zu sein...

Stadler: ...wenn es wirklich so wäre, wie Sie mit Ihrer Frage suggerieren, wären die Risiken für alle gleich, auch für unsere Wettbewerber. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir China so gut verstehen, dass wir dort auch in den nächsten Jahren ein wirklich profitables Geschäft machen können.

Autogazette: Experten sagen voraus, dass sich das Wachstum auch in China in den kommenden Jahren abschwächen wird. Was bedeutet das für Ihre Strategie «Audi 2020»?

Stadler: Kein Experte und kein Unternehmer erwartet, dass sich diese Wachstumsdynamik unverändert fortsetzt. Der chinesische Gesamtmarkt wird aber mittel- und langfristig weiter wachsen und die Nachfrage nach Automobilen der Premiumhersteller wird weiterhin überproportional steigen. Bisher haben wir den Markt immer richtig eingeschätzt, manchmal waren wir vielleicht sogar zu konservativ. Entsprechend wird es dort auch bei einem geringeren Wachstum für uns keine Überraschungen geben.

«Gehen in China von einem zweistelligen Wachstum aus»

Der Audi A3 e-tron
Der Audi A3 e-tron © Audi

Autogazette: Wo sehen Sie Audi in China in diesem Jahr nach den 492.000 Einheiten des Vorjahres?

Stadler: Wir wollen in diesem Jahr über 500.000 Einheiten in China ausliefern...


Autogazette: ...damit stapeln Sie angesichts des bisherigen hohen zweistelligen Wachstums von über 16 Prozent aber arg tief...

Stadler: ...wir gehen in diesem Jahr in China von einem zweistelligen Wachstum aus. Unsere Modellpalette kommt bei den chinesischen Kunden sehr gut an, sodass ich sogar mit deutlich mehr als 500.000 Einheiten für dieses Jahr rechne.

Autogazette: Die chinesische Regierung will bis zum Jahr 2020 eine Millionen Elektroautos auf den Straßen haben und hat dafür ein Förderprogramm für lokal produzierte Fahrzeuge aufgelegt. Sie können Ihren Kunden kein Angebot machen. Rächt es sich nun, dass Audi das Thema Elektromobilität vernachlässigt hat?

Stadler: Zu den «New Energy Vehicles» zählt auch der Plug-in-Hybrid. Und hier bieten wir unseren Kunden den A3 e-tron mit einer elektrischen Reichweite von 50 Kilometern...

Autogazette: ...den Sie allerdings importieren und für den es entsprechend keine Fördergelder gibt...

Stadler: ...daher entwickeln wir auch die Langversion des Audi A6 e-tron, den wir aus lokaler Fertigung auf den Markt bringen werden. Der Audi A6 L ist unser Erfolgsmodell in China schlechthin, wir verkaufen dort pro Jahr zwischen 120.000 bis 140.000 Einheiten. Mit dem A6 e-tron haben wir also die richtige Entscheidung für den chinesischen Markt getroffen.

«Zeit für reines Elektroauto noch nicht gekommen»

Ein Audi A1 e-tron wird aufgeladen
Ein Audi A1 e-tron wird aufgeladen © dpa

Autogazette: Daimler hat mit seinem Partner BYD gerade das Elektroauto Denza auf den Markt gebracht. Sind Sie neidisch auf die Weitsicht der Kollegen?

Stadler: Die Zeit für ein reines Elektroauto ist noch nicht gekommen. Ohne entsprechende Infrastruktur sind Plug-in-Hybride wie unser A3 e-tron im Moment das beste Konzept. Nicht nur für den Markt China, sondern weltweit. Noch fährt die Angst vorm Liegenbleiben in jedem reinen E-Auto mit. Die Zeit für diese Autos wird in ein paar Jahren kommen und wir werden dann das entsprechende Angebot haben.

Autogazette: Kann es sich ein Hersteller wie Audi, der mit dem Markenclaim «Vorsprung durch Technik» wirbt, wirklich leisten, seinen Kunden gar kein Angebot bei den E-Autos machen zu können?

Stadler: Es ist weitaus schwieriger, einen Plug-in-Hybrid zu fertigen, als ein reines E-Auto, da Sie hier zwei Welten miteinander verbinden müssen. Das ist zwar technologisch anspruchsvoller, aber für den Kunden mit Blick auf die Reichweite und den Alltagsnutzen wertvoller. Gehen Sie davon aus, dass die Kompetenz für ein rein elektrisches Auto bei Audi auch jetzt schon gegeben ist.

Autogazette: Brauchen Sie für die Erreichung des neuen CO2-Grenzwertes von 95 g/km bis 2021 nicht Elektroautos, um diesen Wert mit der Flotte zu erreichen?

Stadler: Das Ziel ist sehr ambitioniert, aber wir stellen uns dieser Herausforderung. Deshalb verbessern wir nicht nur unsere klassischen Verbrennungsmotoren konsequent weiter, sondern bringen auch jedes Jahr ein neues e-tron Modell auf den Markt.

«Audi erhebt Führungsanspruch beim pilotierten Fahren»

Pilotiertes Fahren im Audi A7 Sportback
Pilotiertes Fahren im Audi A7 Sportback © Audi

Autogazette: Das autonome Fahren ist das Zukunftsthema in der Autoindustrie schlechthin. Mercedes hat im Vorjahr eine Strecke von über 100 Kilometer in einer S-Klasse autonom zurückgelegt und beansprucht die Führungsrolle. Ist Audi hier nur zweiter Sieger?

Stadler: Audi erhebt klar den Führungsanspruch beim pilotierten Fahren. Wir waren bereits 2010 in den USA mit einem Audi TT autonom unterwegs und haben die Technologie seither systematisch weiterentwickelt.

Autogazette: Mercedes will noch in diesem Jahrzehnt weitere teilautonome Fahrfunktionen wie beispielsweise das automatische Einparken oder Fahren auf der Autobahn seinen Kunden anbieten und hat bereits einen Staupiloten im Serieneinsatz. Was ist bei Ihnen zu erwarten?

Stadler: Worüber reden wir denn? Ist es schon pilotiertes Fahren, wenn der Fahrer für drei Sekunden die Hände vom Lenkrad nimmt? Pilotiertes Fahren heißt für mich, dass der Fahrer dem Auto sagt, dass er sich beispielsweise für 20 Minuten entspannen will und das Auto übernimmt. Den von Ihnen angesprochenen Stauassistenten haben wir auch im nächsten Q7, aber das ist nur ein erster Schritt.

Autogazette: Daimler hat für das nächste Jahrzehnt angekündigt, wesentliche Umfänge des autonomen Fahrens in die Großserie zu bringen. Wie sieht Ihre Agenda aus?

Stadler: Wir werden in absehbarer Zeit für unsere Kunden pilotiertes Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h in der Serie im Angebot haben.

Autogazette: Was heißt in absehbarer Zeit?

Stadler: Wir werden das in zwei Jahren anbieten. Damit unterstreichen wir dann unseren Führungsanspruch beim pilotierten Fahren.

«Hier gibt es nichts, was wir nicht können»

Der Prototyp von Google
Der Prototyp von Google © dpa

Autogazette: Google hat unlängst sein autonomes Fahrzeug vorgestellt. Können Sie davon etwas lernen?

Stadler: Hier gibt es nichts, was wir nicht können.

Autogazette: Das Wiener Abkommen für den Straßenverkehr wurde gerade modifiziert. Ist das ein wichtiger Schritt hin zum autonomen Fahren?

Stadler: Absolut, denn die Technik und die Gesetzeslage müssen im Einklang sein, sonst macht das keinen Sinn. Jetzt ist es wichtig, dass diese Regelung des Wiener Abkommens in die nationale Gesetzgebung einfließt. Es wird Märkte geben, wie möglicherweise die USA, wo die Gesetzeslage eine offenere ist als beispielsweise in Deutschland oder Europa.

Autogazette: Sie werden das pilotierte Fahren also dort zuerst bringen, wo es die Gesetzeslage als Erstes zulässt.

Stadler: Natürlich werden wir das pilotierte Fahren dort zuerst bringen, wo es uns die Gesetzeslage ermöglicht. Wenn das nicht in Deutschland ist, dann eben in den USA. Daneben gibt es natürlich noch eine Vielzahl von Fragen zu klären wie Datenschutz oder Haftungsfragen.

Autogazette: Das Mobilitätsverhalten der Kunden ändert sich, wie man am Erfolg der Carsharing-Angebote car2go und DriveNow sehen kann. Warum negiert Audi das Thema Carsharing?

Stadler: Audi negiert das Thema Carsharing überhaupt nicht, wenn es um ein Mehr an Flexibilität und Wahlfreiheit geht. Wir glauben, dass unsere Kunden besondere Ansprüche haben. Sie erwarten ein Premiumerlebnis von uns. Eine unserer Antworten ist Audi Select. Hier können Kunden innerhalb eines Jahres zwischen bis zu drei verschiedenen Modellen wechseln und zum Beispiel im Sommer in einem Cabriolet sitzen und im Winter auf einen Q7 zurückgreifen. Die ersten Rückmeldungen aus dem Markt sind sehr positiv. Wir haben da noch weitere Ideen, über die ich jetzt noch nicht reden möchte. Sie sehen, wir stellen uns den veränderten Mobilitätsbedürfnissen, gehen aber hier unseren eigenen Weg.

Das Interview mit Rupert Stadler führte Frank Mertens



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