VW We: Ökosystem macht Auto zum Internet der Dinge

Michael Jost , Jürgen Stackmann, Philipp Reth und Christoph Hartung (v.l.) vor einem VW E-Golf. © VW

Ein Autobauer muss für den langfristigen Erfolg mehr tun, als nur gute Autos zu bauen. Das hat auch VW erkannt und baut unter dem Namen We eine konzernweite Plattform für digitale Dienste auf.

Wer seinen Kunden kein vernetztes Auto und entsprechende Mobilitätsservices anbieten kann, wird in Zukunft zu den Verlierern der Digitalisierung gehören. Doch der weltgrößte Autobauer möchte wie bei der Elektromobilität auch bei der Digitalisierung zu den Gewinnern gehören.


Natürlich werde Volkswagen auch in Zukunft Hersteller hervorragender Autos bleiben, sagte Jürgen Stackmann, der Vertriebsvorstand der Kernmarke VW, am Donnerstag in Berlin. „Doch zukünftig werden sich unsere Autos auch zu Devices on Wheels entwickeln“, also zu digitalen Endgeräten auf Rädern.

Geschäftsmodell der Autobauer ändert sich

VW-Chefstratege Michael Jost. Foto: Mertens

Das bisherige Geschäftsmodell eines Autobauers gehört damit der Vergangenheit an. Es wird nicht mehr nur am Produkt ausgerichtet sein, sondern auch an den Diensten, die man dem Kunden im und um das Auto herum anbieten wird. VW-Chefstratege Michael Jost sprach dann auch davon, dass man Volkswagen neu erfinden wolle. „Wir wollen nicht nur bei der Elektromobilität zum Weltmarktführer werden, sondern wir wollen auch bei den mobilen Online-Diensten zu den führenden Anbietern gehören“, so Jost.

Damit das gelingt, wollen die Wolfsburger in ihr neues Ökosystem bis zum Jahr 2025 insgesamt 3,5 Milliarden Euro investieren, wie Stackmann ankündigte. Dass, was man mit We an den Start bringe, bezeichnete der Vertriebschef als ein „Mega-Start-Up“. Bereits ab dem Jahr 2020 erwartet VW für sein neues Angebot fünf Millionen Nutzer und bis 2025 sollen mit den Mobilitätsdienstleistungen eine Milliarde Euro Umsatz gemacht werden.

Dienste zum integralen Bestandteil des Fahrzeugs machen

Zu den Diensten, die Volkswagen seinen Kunden anbieten will, gehören beispielsweise Park-, Liefer- und Sharingdienste und mit Blick auf Elektroautos auch eine Charge-Applikation, mit der man den Bezahlvorgang unproblematisch erledigt.  So kann man bereits heute beispielsweise über die App We Park seine Parkgebühren online bezahlen. Man sei sehr zufrieden mit der App und der Nutzung durch die Kunden.

Doch perspektivisch soll ein solcher Service zu einem integralen Bestandteil des Fahrzeuges werden. „Denn als suchender Parker wollen sie nicht mehr eine App auf dem Handy öffnen. Das Auto soll selbst wissen, dass sie jetzt parken wollen“, sagte Stackmann: „Das ist nun die große Chance, die wir haben: nämlich die Dienstewelt der einzelnen Apps integrationsfähig ins Produkt zu machen. Dann entsteht für den Kunden ein echter Wow-Effekt. Mein Auto weiß, was ich will.“ Mit einem Zugang und einer Plattform erschließen sich alle Dienste, „ich brauche nicht mehr 50 Apps“, fügte der Vertriebschef hinzu.

Vereinfachte IT-Struktur

Um diese Neuerungen umsetzen zu können, setzt VW auf eine deutlich vereinfachte IT-Architektur in seinen Autos, wie Jost erläutert. Damit werden die heute bis zu 70 im Auto verteilten Steuergeräte verzichtbar. Stattdessen kommen wenige Zentralrechner zum Einsatz. Sie laufen unter dem Betriebssystem „vw.OS“. Durch die Trennung von Soft- und Hardware schaffe man sich die Möglichkeit ständiger Updates und Upgrades, wie Jost erläuterte. Ein weiterer Vorteil: „Damit können wir ständig im Kontakt mit dem Kunden sein“, wie Stackmann sagte. Der Kunde sei aber immer der Herr seiner Daten.

Die Dienste, die VW mit seinem Ökosystem We seinen Kunden anbietet, seien natürlich auf die verschiedenen Kundeninteressen ausgerichtet. Das sei ein wesentliches Merkmal dieser Plattform, wie Christoph Hartung sagt, der das Digitalgeschäft und die neuen Geschäftsfelder bei der Kernmarke VW verantwortet. „Die Dienste, die vom Kunden in der Cloud live gehen, werden spezifisch für die Regionen ausgerichtet sein, in denen wir uns bewegen. In China erwartet der Kunde beispielsweise eine ganz andere Ansprache als in Österreich oder Nordamerika“, so Hartung.

VW startet 2019 Carsharing WE Share in Berlin

VW startet sein Carsharing im zweiten Quartal 2019. Foto: VW

Zu den Angeboten , die ab dem zweiten Quartal 2019 auf den Markt kommen werden, wird auch das vollelektrische Carsharing gehören. Das unter der Submarke „We Share“ laufende Angebot startet in Berlin mit zunächst 1500 Elektro-Golfs, die dann von 500 E-Ups ergänzt werden. Mit dem Start der neuen I.D.-Familie ab 2020 werden die Fahrzeuge dann auf diese neuen Modelle umgestellt.

Das Angebot werde nach Berlin auch in anderen deutschen Städten und in weiteren europäischen Märkten und in Nordamerika angeboten. Dabei konzentriert man sich auf Städte mit mehr als einer Million Einwohnern.

Mit diesem Angebot tritt VW in Konkurrenz zu etablierten Anbieter wie Car2go von Daimler und DriveNow von BMW, die unlängst bekannt gegeben haben, beide Dienste zusammenzulegen. Auch wenn Car2go und DriveNow ebenfalls Elektroautos in ihrer Flotte haben, glaubt VW sich hier differenzieren zu können. Denn bei der Konkurrenz würde man kein Auto mit einer elektrischen Reichweite wie dem VW Golf von 300 Kilometer im Angebot haben, wie Hartung anmerkte. Zudem würden die Fahrzeuge der I.D.-Familie noch über deutlich mehr Reichweite verfügen. Darüber werde man auch bei der Preisgestaltung neue, interessante Wege gehen.