VW überholt zur Jahresmitte Toyota

Lkw-Sparte als Zünglein an der Waage

Der Scania P 340 fährt auch mit Erdgas
Der Scania P 340 fährt auch mit Erdgas © Scania

Der Volkswagen-Konzern hat zur Jahresmitte die Spitze der weltgrößten Autohersteller übernommen. Beim reinen Pkw-Absatz liegt aber noch Toyota vorn, bei denen sich das Minus stärker auswirkte als bei VW.

Der VW-Konzern hat zur Halbzeit 2015 die Rolle des weltgrößten Autobauers vom Konkurrenten Toyota übernommen. Jedoch gilt der Wachwechsel nur, wenn bei Volkswagen die schweren Nutzfahrzeuge MAN und Scania mitgerechnet werden. Dann kommt Europas größter Autobauer nach den ersten sechs Monaten des Jahres auf 5,04 Millionen Fahrzeuge und die Wettbewerber aus Japan nur auf 5,022 Millionen. Für die Asiaten mit ihren Marken Toyota, Daihatsu und Hino bedeutet die Halbjahresbilanz im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum 1,5 Prozent Minus, wie sie am Dienstag mitteilten. Die zwölf Marken der Wolfsburger fielen dagegen im selben Zeitraum nur um 0,5 Prozent zurück, wie VW vor einigen Tagen berichtet hatte.

General Motors weiter auf Platz drei

Demnach stehen zum Halbjahr 86.900 schwere Nutzfahrzeuge von MAN und Scania mit in der VW-Auslieferungsbilanz. Ohne sie rangiert Toyota im Vergleich der reinen Pkw-Verkäufe weiterhin vor den Wolfsburgern. Auf Rang drei steht nach wie vor der US-Konzern General Motors. GM kam auf 4,8 Millionen abgesetzte Autos, was eine Stagnation bedeutete.

Der VW-Konzern legt diesen Mittwoch auch seine finanzielle Bilanz zum Halbjahr vor. Der zuletzt leicht rückläufige Absatz ist dabei ein Indiz, um Tendenzen einzuschätzen. So rechnen Finanzanalysten damit, dass Volkswagen im zweiten Quartal deutlich mehr Gegenwind gespürt haben dürfte als noch zum Jahresstart. Noch für die ersten drei Monate hatten die Wolfsburger glänzende Zahlen vorgelegt und in Aussicht gestellt, 2015 zu einem weiteren Rekordjahr zu machen. Bis spätestens zum Jahr 2018 will der Riese aus dem DAX weltgrößter Autobauer sein.

China und USA bereiten VW Sorgen

Doch auf der Verkaufsseite sind die Baustellen groß für VW: In den USA, dem nach China weltgrößten Automarkt, sackten die Verkäufe bei der zentralen Pkw-Kernmarke mit dem VW-Logo per Juni um 2,6 Prozent ab. Den Wolfsburgern fehlen dort Modelle. In China, wo der Konzern fast 40 Prozent seines globalen Absatzes macht, liegt die Kernmarke zum Halbjahr sieben Prozent unter Vorjahr, konzernweit sind es drei Prozent Rückgang. Und weitere wichtige Märkte wie Russland (41 Prozent Minus) oder Brasilien (30 Prozent Minus) sind schon länger im Rückwärtsgang.

Der VW-Konzern hatte 2014 vor Zinsen und Steuern (Ebit) rund 12,7 Milliarden Euro verdient. Aus dem China-Geschäft, wo VW mit Partnern unterwegs ist, flossen anteilig weitere 5,2 Milliarden Euro.

Auf dem bedeutenden Heimatmarkt Deutschland baute der Konzern seinen Marktanteil im ersten Halbjahr weiter aus. Bei den Pkw-Neuzulassungen gehen inzwischen 40 Prozent auf das Konto des VW-Konzerns. Allerdings wird der Kampf um Kunden laut einer Analyse des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen hierzulande generell härter. Demnach liegen die Rabatte auf einem hohen Niveau und das Privatkundengeschäft, das in aller Regel höhere Gewinnspannen bietet, schrumpft kontinuierlich. So entfalle etwa bei Deutschlands meistverkauftem Auto, dem VW-Golf, inzwischen nur noch ein Viertel der Neuzulassungen auf Privatkunden. (dpa)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.