Triumph Rocket III Touring: Cruisen kann so schön sein

Benzin-Kraftwerk

Triumph Rocket III Touring
Die Triumph Rocket III Touring. © Triumph

Die Triumph Rocket III Touring sorgt bei Cruiser-Fans für ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Mit ihrem 2,3 Liter-Motor bietet sie dem Fahrer Hubraum und Drehmoment ohne Ende.

Von Ralf Schütze

Etwas extrem Mächtiges rollt aus dem britischen Hinckley auf die Motorradwelt zu: Die Triumph Rocket III Touring mit dem hubraumstärksten Serien-Motor der Welt, einem längs in Fahrtrichtung verbauten 2,3 Liter-Dreizylinder Reihenmotor. Prägnantestes Merkmal des Benzin-Kraftwerks: Unglaubliche 203 Nm Drehmoment schieben an, und zwar schon unweit der Leerlaufdrehzahl bei 2.500/min. Das ist so recht nach dem Geschmack eingefleischter Cruiser-Fans, die bislang eher auf V2-Maschinen aus Milwaukee oder allenfalls Alternativen aus Japan abfahren. Da Triumphs Touring für 20.590 Euro zu einem fairen Preis zu haben ist, könnte sich dies bald schon in Richtung England verschieben.

Triumph entdeckt Way of Drive

Flache Gabel, fette Trittbretter, tiefer Sattel, dicker Hinterreifen – wer jetzt nur an Harley-Davidson denkt, muss umdenken. Auch die Briten von Triumph haben längst den gemütlichen Way of Drive entdeckt und bieten mit der Rocket III Touring das weltweit hubraumstärkste Serienmotorrad an. 78 kW/106 PS klingen noch nicht allzu monumental. Aber 203 Nm, das ist eine klare Kampfansage gegen alle Power-Cruiser am Markt. Ähnliche Antriebsstärke hat sonst höchstens eine hausgetunte Harley-Davidson CVO Street Glide mit 1,8 Liter-V2 zu bieten – allerdings zu abgehobenen Preisen von deutlich über 31.000 Euro und mit relativ bescheidenen 72 kW/98 PS und 156 Nm. Eine Honda Goldwing etwa protzt zwar mit 87 kW/118 PS, zieht aber mit nur 167 Nm erst bei 4.000/min ebenfalls gegenüber der dicken Britin eindeutig den Kürzeren in Sachen Durchzugskomfort.

Der Motor der Triumph Rocket III Touring
Der Motorblock der Triumph Rocket III Touring SP-X

Unbändige Kraft aus dem tiefsten Drehzahlkeller heraus liefert Triumphs 2,3 Liter-Cruiser wie kein anderes Bike. Mit ein wenig Gefühl in der Kupplungs-Hand lässt sich die Rocket Touring mit Standgas in Bewegung setzen. Erst so richtig spannend wird es, wenn sich die Rocket nach erstem Anrollen als erstaunlich handlich, ja sogar relativ wendig entpuppt – dem nicht allzu breiten 180er Hinterreifen sei Dank. Über den extrem ausladenden Lenker hat man die 367 kg-Fuhre spätestens ab 30 km/h locker im Griff, wenngleich die Armhaltung der eines Windsurfers ähnelt. Ein leicht montierbares, großes Schild bietet sehr guten Wind- und Wetterschutz, zwei serienmäßige Koffer schlucken insgesamt 14 kg Ballast und somit das kleine Reisegepäck von Fahrer und Sozius. Ein Topcase bietet Triumph als Zubehör an.

Gute Matrerialanmutung

Es zeichnet die Briten in den letzten Jahren über die gesamte Modellpalette hinweg aus, dass Materialanmutung und Verarbeitung über alle Zweifel erhaben sind. Einzige Ausnahme: Am Dreizylinder ist leider nicht alles metallisch, was chromglänzend diesen Eindruck erweckt. Jedoch hält das Modell Rocket III Touring sachlichen Test-Kriterien stand mit enorm wirksamen und gut dosierbaren Bremsen sowie ABS in Serie. Fernreise-Fetischisten freuen sich über 22,3 Liter Spritvorrat, die bei 6,1 Liter Praxisverbrauch für rund 365 km Reichweite sorgen. Cruiser-Fans mit besonders entspannter Gashand kommen leicht über 400 km weit mit einer Tankfüllung. Den Fernreisekomfort erhöht außerdem ein pflegeleichter Kardanantrieb ohne auffällige Lastwechsel-Allüren.

Triumph Rocket III Touring
Die Seitenline der Triumph Rocket III Touring Triumph

Das Fahrwerk haben die Ingenieure aus Hinckley so ausgelegt, dass der Rocket III-Pilot nicht nur schnurgerade Highways befährt, sondern gerne auch schnelle Landstraßenkurven durchzirkelt. Dank Schaltwippe lässt sich das Fünfgang-Getriebe bequem betätigen und trägt weiter dazu bei, dass sich absolute Tiefenentspannung im bequemen Fahrersitz und auf dem ausreichenden Sozius-Platz breit macht. Das könnte zwar Musik noch toppen, allerdings fehlt im Gegensatz zu mancher Cruiser-Konkurrenz eine Audio-Anlage. Die wäre umso erwägenswerter, da die Briten leider den emotionalen Faktor Motorsound vernachlässigt haben. Aber auch dafür halten Triumph-Händler Zubehör parat, um dem mächtigsten Zweirad-Cruiser der Welt einen akustisch adäquaten Auftritt zu verschaffen. (SP-X)