Opel Adam: Der Kleinste als Hoffnungsträger

Produktionsstart in Eisenach

Steve Girsky Thomas Sedran
GM-Vize Steve Girsky (l.) und Opel-Strategievorstand Thomas Sedran. © AG/Mertens

Opel hat am Donnerstag in Eisenach den Produktionsstart des Adam gefeiert. Der Kleinwagen ist in Zeiten der europäischen Absatzkrise ein Hoffnungsträger für den Rüsselsheimer Autobauer.

Von Frank Mertens

Der Opel Adam ist für den Rüsselsheimer Autobauer ein Hoffnungsträger. Der Kleinstwagen soll dem von der Absatzkrise gebeutelten Autobauer neuen Aufschwung verleihen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn mit dem Adam besetzt Opel ein Wachstumssegment. So wenden sich immer mehr Kunden beim Neuwagenkauf Kleinwagen zu. Davon will nun auch die GM-Tochter präsentieren, die an diesem Donnerstag die Serienproduktion des Adam im Werk Eisenach gestartet hat, in dem der Kleinstwagen exklusiv produziert wird.

190 Millionen Euro in Ausbau von Eisenach

Für die 1600 Opel-Mitarbeiter eine gute Nachricht, nachdem in Eisenacher Werk zum Jahresbeginn aufgrund des eingebrochenen Corsa-Absatzes in Südeuropa nur noch im Zweischicht-Betrieb gearbeitet wird. Für die Produktion des Adam, der in Tausenden von Ausstattungsoptionen konfiguriert werden kann, hat Opel 190 Millionen Euro investiert, vom Land Thüringen kamen 22 Millionen Euro. Entsprechend selbstbewusst forderte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) am Donnerstag eine Garantie für den Standort Eisenach über das Jahr 2016 hinaus. „Ich wünsche mir zudem, dass Opel seine Autos auch in Wachstumsmärkte wie China oder Indien exportiert“, sagte der SPD-Politiker.

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig.
Matthias Machnig AG/Mertens

Eine Forderung, zu der Opel-Strategievorstand Sedran am Rande des Produktionsstarts sagte, dass es für Opel seitens des Mutterkonzerns keine Beschränkungen für den Export geben würde. „Wir können unsere Autos überall dort verkaufen, wo wir Umsatz damit machen.“ Mit Blick auf die von Machnig geforderte Standortgarantie sagte Sedran, dass die Zukunft für das Werk Eisenach auch nach dem Jahr 2016 positiv aussehe. „Eisenach ist unser produktivstes Werk und die Mitarbeiter machen einen hervorragenden Job. Sie müssen sich keine Sorgen machen.“

Hohe Einfuhrzölle in China

Wie Betriebsratschef Harald Lieske sagte, verhandle man derzeit zwar mit der Unternehmensleitung über den Standortsicherungsvertrag nach 2016, doch Sorgen um den Fortbestand des Werkes mache er sich nicht. Zum einen kann im Werk nicht nur exklusiv der Adam produziert werden, sondern zudem wird dann auch die neue Generation des Corsa für weitere Beschäftigung in Eisenach sorgen. Natürlich schließt sich auch Lieske der Forderung von Machnig an, dass Opel seine Autos stärker exportiere, doch damit müsse dann auch Geld verdient werden. „In China wäre das derzeit nicht der Fall. Aufgrund der dortigen Einfuhrzölle mache es nur Sinn, wenn dort die Autos in eigenen Werken produziert werden würden“, sagte Lieske. Das Werk in Eisenach käme im Dreischichtbetrieb auf eine mögliche Produktionskapazität von 190.000 Fahrzeugen pro Jahr, in 2012 wurden um die 120.000 Corsas produziert. Dass Opel den Adam in Eisenach und damit im Hochlohnland Deutschland fertigen lasse, bezeichnete Sedran als Bekenntnis zum Standort Deutschland.

Dass der Adam für Opel ein besonders wichtiges Modell ist, konnte man auch daran ablesen, dass neben Sedran auch GM-Vize Steve Girsky zum Produktionsstart nach Eisenach gekommen war und dabei die Innovation des Adam lobte. „Der Adam ist Teil unserer groß angelegten Modelloffensive, die wir mit dem Cascada in diesem Jahr fortsetzen werden.“

Welche Absatzerwartungen Opel mit dem Adam hat, wurde am Donnerstag nicht konkret gesagt. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Rüsselsheimer Autobauer von seinem Kleinwagen jährlich über 50.000 Einheiten absetzen kann. „Wenn ich mir anschaue, was unsere Mitbewerber von Fahrzeugen in diesem Segment absetzen, dann ist das mehr“, sagte Sedran vielsagend.

Obwohl der offizielle Verkaufsstart für den Adam erst am 19. Januar beginnt, liegen Opel bereits 16.000 Bestellungen vor. Sedran hofft dabei, dass es dem Autobauer mit dem Adam genauso ergeht, wie mit dem Kompakt-SUV Mokka, von dem europaweit in seinem ersten vollen Verkaufsjahr über 65.000 Einheiten abgesetzt wurden. „Er hat damit unsere Erwartungen übertroffen.“

Andauern der Krise erwartet

Ariane Friedrich und Steve Girsky.
Ariane Friedrich und Steve Girsky AG/Mertens

Für dieses Jahr erwartet Sedran ein andauern der Absatzkrise in Europa. Entsprechend werde es das Ziel sein, den Marktanteil möglichst zu halten. Und dazu solle eben auch der Adam beitragen, der ein wichtiger Baustein des Puzzle auf Opels Weg in die Profitabilität darstellt. Allein bis zum Jahr 2016 wird Opel 23 neue Modelle auf den Markt bringen, als nächstes wird das Cabrio Cascada im März auf dem Autosalon Genf vorgestellt und kurz darauf auf den Markt kommen.

Wenn man derzeit an Wachstumsmärkte denke, schaut Sedran insbesondere auf Russland. Es ist der Markt, auf dem Opel momentan für sich das größte Potenzial sieht. Im Vorjahr wird man dort, auch wenn die offiziellen Zahlen noch nicht vorliegen, um die 90.000 Einheiten absetzen und damit im Vergleich zum Vorjahr dreimal so stark wachsen wie der Gesamtmarkt. Und dieses Wachstum dürfte sich auch in 2013 fortsetzen. Mit der Astra Limousine und dem Opel Mokka hat man für den dortigen Markt zwei Modelle im Angebot, die auf besonderes Interesse der Kunden treffen.

Für den Adam sieht Sedran ungeachtet des allgemeinen Markteinbruchs in Südeuropa Italien als wichtigsten Markt an. Dort stünden die Kunden auf lifestylige Fahrzeuge wie den Adam. Und wie es ausschaut, nicht nur dort.