Mercedes Sprinter startet mit «ordentlich Rückenwind»

Weltpremiere in Duisburg

Dieter Zetsche. Foto: dpa
Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Präsentation des Sprinter. © dpa

Daimler hat am Dienstag im Duisburger Hafen die Weltpremiere des neuen Sprinter gefeiert. Die Van-Sparte des Autobauers hat eine Milliarden-Summe in die dritte Generation seines Bestsellers investiert. 

„Wir investieren weltweit rund 2,5 Milliarden Euro für den neuen Sprinter in die Entwicklung, das weltweite Produktionsnetzwerk sowie Vertrieb und Aftersales“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor 250 internationalen Gästen im Logistik-Zentrum des Duisburger Hafens. Der Sprinter sei für die Van-Sparte von Mercedes das, was die S-Klasse für den Pkw-Bereich: nämlich eine Ikone.


Wenn ein Hersteller derart ein Modell lobt, ist eigentlich Vorsicht geboten. Doch der auf das neue Modell der Schwaben trifft dieses Lob zu. Denn der Sprinter hat einem ganzen Segment seinen Namen gegeben. „Er ist der Tesafilm und das Tempotaschentuch der Transportbranche“, sagte Zetsche.

Sprinter verkaufte sich bisher weltweit 3,4 Millionen Mal

Seit dem Start des Sprinter im Jahr 1995 haben sich die beiden bisherigen Generationen weltweit mehr als 3,4 Millionen Mal verkauft, wie Van-Chef Volker Mornhinweg sagte. Welches Potenzial der Sprinter hat, zeigte sich auch in den Absatzzahlen des Vorjahres. Im Jahr seines Auslaufes wurden mehr als 200.000 Sprinter weltweit verkauft, so viele wie nie zuvor. „Das zeigt die Produktsubstanz des Sprinter.“ Mit diesem Absatz trug der Sprinter neben der V-Klasse und dem Vito maßgeblich dazu bei, dass die Van-Sparte zum vierten Mal in Folge einen neuen Absatzrekord erzielen konnte: weltweit wurden im Vorjahr mehr als 400.000 Einheiten abgesetzt, ein Zuwachs von 12 Prozent.

„Unser neues Flaggschiff startet entsprechend mit ordentlich Rückenwind“, sagte Mornhinweg. Mit der neuen Generation, die ab Juni für einen Preis von 19.990 Euro zu den Händlern rollt, wolle man den Sprinter auf ein vollkommen neues Level hieven – „und damit unser gesamtes Geschäft“. Wie Mornhinweg sagte, hätte man den Sprinter ganz auf die Bedürfnisse seiner Kunden aus den verschiedenen Branchen ausgerichtet. „Mit ihm fahren Unternehmen Zementsäcke auf den Bau, Lebensmittel auf den Markt und Vips in die Oper.“

Mercedes will mehr sein als ein reiner Hersteller

Wer ein derart heterogenes Klientel bedienen muss, der muss auch ein durchdachtes Konzept anbieten. Und das versucht die Van-Sparte mit dem neuen Sprinter. „Wir wandeln uns von einem reinen Fahrzeughersteller zu einem Anbieter von ganzheitlichen Mobilitätslösungen“, so Mornhinweg.Dazu haben die Schwaben die Zukunfstinitiative „adVANce“ auf den Weg gebracht. Sie bietet den Kunden neben einer Vernetzung des Fahrzeuges auch Hardwarelösungen für das Alltagsgeschäft der Kunden. Zu den weiteren Bausteinen gehören Miet- und Sharingmodelle als auch der Bereich Elektromobilität.

So wie Mercedes den Vito ab Mitte des Jahres als Elektrovariante anbieten wird, wird es auch ab dem kommenden Jahr den Sprinter mit elektrischen Antrieb geben. Beide Fahrzeuge werden über eine Reichweite von rund 150 Kilometer verfügen. Die Elektromobilität ist für Kunden wie dem Logistiker Hermes oder dem Windkraftanlagenhersteller Enercon besonders wichtig ist. Sie wollen perspektivisch einen emissionsfreien Fuhrpark.

Hermes setzt auf emissionsfreie Logistik

eSprinter von Mercedes. Foto: Daimler
Den Mercedes Sprinter wird es auch als Elektrovariante geben. Foto: Daimler

So hat sich Hermes zum Ziel gesetzt, bis 2025 80 Großstädte nur noch emissionsfrei zu beliefern, wie Einkaufsleiter Oliver Lanka sagte. Dazu sei es erforderlich, dass bis dahin von den 10.000 im Fuhrpark befindlichen Fahrzeugen 4000 bis 5000 auf einen elektrischen Antrieb umgestellt werden. Die Reichweite im Realbetrieb von rund 100 Kilometer, die Daimler mit dem eVito und eSprinter in Aussicht stellt, reichen für Hermes für die innerstädtische Logistik aus. „100 Kilometer sind gut, 130 Kilometer wären besser“, sagte er. Doch Daimler will beide Modelle auch mit größeren Batterien anbieten.

Für ein Unternehmen wie Enercon sei dies auch erforderlich, wie Michaela Metzl-Schoon sagte. „Denn unsere Fahrwege liegen nicht in der Stadt, sondern auf dem Land. „Hier brauchen wir eine Reichweite um die 150 Kilometer“, sagte Metzl-Schoon, die bei dem Auricher Unternehmen den Bereich Investment und Aquisition verantwortet. In der Folge bedeutet das, dass die Reichweite der derzeit angeboten Fahrzeuge noch nicht reichen, um den Fuhrpark entsprechend jetzt umzustellen.

Beide Unternehmensvertreter hätten sich übrigens gewünscht, dass die Autoindustrie bei den Nutzfahrzeugen früher entsprechende Angebote an Elektromodellen macht. „Wäre ein Angebot da gewesen, hätten wir schon das Gros unserer Flotte umgestellt“, so Metzl-Schoon. Hermes wird bis zum Jahr 2020 übrigens insgesamt 1500 E-Transporter von Daimler für die innerstädtische Logistik zum Einsatz bringen. Hierzu haben beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft geschlossen.

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