Kia Ceed kommt beim Kunden an

Der neue Kia Proceed. © Kia

Das Geschäft von Kia läuft gut – auch dank des Ceed. Doch es könnte noch besser laufen, wenn man ausreichend Batteriekapazitäten für seine Elektroautos hätte.

Während viele Hersteller ihr Kleinstwagen-Angebot wegen der strengen und nur mit hohem und damit teurem Aufwand umzusetzenden Abgasvorschriften derzeit stark ausdünnen, setzt Kia weiter auf den Picanto.


„Wir halten die neuen Grenzwerte auf jeden Fall ein“, gibt sich Kia-Deutschland-Chef Stefan Cost selbstbewusst. Und zwar nicht nur bei diesem Kleinstwagen: Etwaige Strafzahlungen, die den Herstellern ab 2020 drohen, falls der Flottenverbrauch der verkauften Autos über 95 gm/k liegt, erwartet er für Kia nicht. Dabei sollen auch die E-Modelle helfen. Hier aber hakt es aber derzeit, leiden die Koreaner doch aktuell an massiven Lieferschwierigkeiten.

Lieferschwierigkeiten bei E-Autos

Von rund 1500 verkauften E-Niro hat Kia erst gut 300 in Kundenhand übergeben und viel mehr werden es 2019 auch nicht mehr werden. Etwas besser sieht es beim E-Soul aus: 700 Kunden stromern damit schon durch die Gegend, weitere 500 sollen in diesem Jahr noch dazu kommen. Trotzdem: Wer heute beim Händler einen der beiden Elektro-Kia bestellt, muss wahrscheinlich mehr als zwölf Monate auf sein neues Auto warten. „Das schreckt natürlich manche Kunden ab“, gibt Cost unumwunden zu. Der Grund für den Lieferverzug: Kia kommt nicht schnell genug an die Batterien ran.

Der Kia e-Soul wird mit zwei Batteriegrößen angeboten. Foto: Kia

Der Anteil an zugelassenen Stromern muss um rund 0,5 Prozent steigen, will man den durchschnittlichen CO2-Flottenverbrauch um ein Gramm senken. Konkret äußert sich Cost zu den Elektro-Plänen noch nicht, doch erteilt er auch einem elektrifizierten Kleinwagen keine Absage; ab 2021 soll außerdem der erste Wasserstoff-Kia anrücken. Das Know-how ist im Konzern vorhanden, Hyundai ist mit dem Nexo bereits in den Markt gestartet und seit gut einem Jahr arbeiten die Koreaner mit Audi gemeinsam an der Brennstoffzellen-Technik.

Ceed-Familie kommt beim Kunden an

Dass der zähe E-Auto-Absatz den Koreanern die Bilanz nicht verhagelt, liegt vor allem am Bestseller, der Ceed-Familie: Vom neu aufgelegten Kompakten, dem Kombi Sportswagon und dem auf cool getrimmten Shooting-Brake Pro Ceed hat Kia allein im ersten Halbjahr fast 10.500 Einheiten verkauft und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Das kompensiert nicht nur die fehlenden Stromer, sondern auch die Einbußen in den übrigen Segmenten.
Außer bei den Kleinwagen, wo der Rio ein hauchdünnes Plus einfahren konnte, verzeichnet Kia in den ersten sechs Monaten in allen anderen Segmenten ein Minus – sogar die SUV schwächeln ein wenig. Insgesamt hat Kia im ersten Halbjahr in Deutschland knapp 35.000 Fahrzeuge verkauft, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Umkehren will Kia den Trend im Hochbeiner-Segment unter anderen mit einer neuen Frontantriebs-Version für den 1.6-Liter-Turbo-Sportage mit Doppelkupplungsgetriebe. Dieser Kombi war bisher nur als Allradler zu haben, die 2WD-Version bietet laut Cost das Potenzial, pro Jahr bis zu 1.000 Einheiten mehr zu verkaufen. Außerdem bieten die Koreaner das kompakte SUV jetzt mit einer zweiten 48-Volt-Mildhybrid-Variante an. Anders als beim stärkeren Zweiliter-Diesel muss man die E-Unterstützung beim 1.6er allerdings extra bezahlen.

Turbobenziner für Stonic

Der Kia Stonic sieht optisch ansprechend aus. Foto: Kia

Ebenfalls neu: Ein Einliter-Turbo-Benziner für den Stonic, der dynamischer und gleichzeitig sparsamer ans Werk gehen soll. Der eigentliche Hoffnungsträger für die zweite Jahreshälfte aber ist der XCeed. Der Crossover erweitert die Ceed-Familie, die damit zukünftig nicht nur wachstumsstärkste, sondern auch meistverkaufte Baureihe werden soll. Im vergangenen Jahr hatten Picanto und Sportage noch knapp die Nase vorn.

Ansonsten allerdings ist der Geschäftsführer mit dem Produktportfolio zufrieden: „Wir haben keine Lücken mehr, die wir schließen müssen.“ Spielereien wie ein Cabrio wären zwar schön, so Cost, brächten die Koreaner in Anbetracht des geringen Marktanteils aber kaum nach vorne. Und auch eine sportlichen Sub-Marke, wie sie Konzern-Mutter Hyundai gerade mit den N-Modellen einführt, ist für Kia nicht geplant. „Dann hätte ich lieber leichte Nutzfahrzeuge,“ erklärt der Kia-Chef. Doch auch die wird Kia nicht so schnell ins Angebot aufnehmen. (SP-X)

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