Shakespeare in Love

Alfa Romeo Giulietta

Der Alfa Romeo Guiletta © Foto: Alfa Romeo

Mit einer Neuauflage des traditionsreichen Modellnamens Giulietta will Alfa Romeo die europäische Kompaktklasse aufmischen. Außer einer fünftürigen Limousine wird es bis auf weiteres keine zusätzlichen Karosserievarianten geben.

Von Axel Busse

Wenn Alfisti ins Schwärmen kommen, dann am liebsten über das "Julchen". Giulietta, die verkleinerte Form der Julia, ist als Stil-Ikone der 50er und 60er Jahre nicht nur bei Fans der Marke Alfa Romeo hoch angesehen. Um einem Nachfolger des Modells 147 gute Startbedingungen zu ermöglichen, war eine Wiederbelebung des Namens gerade recht. Mit einer Länge von 4,35 Metern und fünf Türen ordnet sich das Julchen im oberen Drittel des Kompaktsegments ein.

Erinnerungen an den Alfa 156

Das Heckdesign erinnert an manche Wettbewerber wie zum Beispiel den Opel Astra. An den Seitenpartien dagegen findet sich der alte Mut zum Unkonventionellen wieder. Der Klappengriff zur Öffnung der hinteren Türen ist wieder mal - wie zuletzt beim Modell 156 - senkrecht gestellt und in den Fensterausschnitt gewandert, was schick aussehen mag, aber nicht gerade praktisch ist.

Die Front wird dominiert vom schildförmigen Lufteinlass mit drei verchromten Querstreben und untermauert die Verwandtschaft zum Alfa Mito. Das Motorenprogramm des neuen Autos besteht ausschließlich aus Vierzylindern mit Turboaufladung, drei Benziner und zwei Diesel. Die Startposition wird von einem 88 kW/120 PS starken 1,4 Liter großen Vierzylinder-Ottomotor markiert.

Kleeblatt als Top-Benziner

Ähnlichkeiten mit dem Astra sind vorhanden Foto: Alfa Romeo

Wer mehr Leistung braucht, wählt die nächste Ausbaustufe, die über die neuartige variable Ventilsteuerung "Multi Air" verfügt und 125 kW/170 PS leistet. Top-Benziner ist ein 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 173 kW/235 PS, der als kleeblattdekorierte Version "Quadrifoglio Verde" sport- und traditionsbewusste Kunden gleichermaßen ansprechen soll.

Auf Dieselseite stehen ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Motor mit 77 kW/105 PS und ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Triebwerk mit 125 kW/170 PS zur Wahl. Alle Motoren erfüllen die Euro 5-Norm und sind bis auf den Top-Benziner mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet. Für die Kraftübertragung sorgt ein manuelles Sechsganggetriebe, später folgt ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe.

Enge Kurven bevorzugt

Ästhetik prägt den Innenraum Foto: Alfa Romeo

Der 170-PS-Diesel hinterließ bei ersten Fahrten einen ausgewogenen und stimmigen Eindruck, dank 320 Nm Drehmoment schon bei 1500 Umdrehungen blieben auch hinsichtlich des Temperaments keine Wünsche offen. Mit einem EU-Normverbrauch von nur 4,7 Litern je 100 km/h erfüllt er auch die Erfordernisse der Wirtschaftlichkeit vorbildlich.

Werksseitig mit zwanzig Nm weniger Durchzugskraft steht der 1,8-Liter-Turbo-Benziner in der Liste. Der Frontantrieb hat keine Probleme, die 173 kW/235 PS auf die Straße zu bringen. Schnelle und enge Kurven sind die Lieblingsspielwiese des Autos, die mit leichten und präzisen Lenkbewegungen genommen werden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h liegt die "QV"-Version zwar 24 km/h über dem 170-PS-Diesel, die Bedeutung dieses Werts ist für die tägliche Fahrpraxis aber von untergeordneter Bedeutung.

Ab 19.900 Euro

Zur Serienausstattung gehören nicht nur sechs Airbags, der Schleuderschutz ESP mit elektronischer Differenzialsperre und Klimaanlage, sondern auch Tagfahrlicht, Isofix-Kindersitzbefestigungen, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie ein CD-Radio mit MP3-Player. Die Anlage ist als optischer Akzent harmonisch in das ansprechend gestaltete Interieur integriert, jedoch scheint hier die Ästhetik über die Praxistauglichkeit zu dominieren. In der Handhabung machen die kleinen Tasten und glatten Drehknöpfe nicht so viel Freude wie beim bloßen Anschauen. Auf Wunsch gibt es einen versenkbaren Navigations-Monitor, der Julchens Innenausstattung in die Nähe von Limousinen der oberen Mittelklasse rückt.

Im Juni wird das neue Auto auf den deutschen Markt kommen und es ist erklärtes Ziel des Importeurs, die Jahresinventur mit wenigstens 5000 verkauften Stück abzuschließen. In Deutschland wird der Einstiegspreis der neuen Giulietta mit 19.900 Euro knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 20.000 Euro liegen. 120 PS-Motor und höherwertige Turismo-Ausstattung schlagen mit 21.700 Euro zu Buche. Die Preise für die Dieselversionen beginnen bei 21.400 Euro. Die QV-Version, der Alfa Deutschland etwa sechs Prozent des Gesamtabsatzes zutraut, wird ab 28.300 Euro zu haben sein. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.