Eine Klasse für sich

Abarth 500C

Die Rennsemmel Abarth 500C © Foto: Abarth

Abarth macht aus dem Fiat 500C jetzt eine heiße Asphaltfräse für Sonnenanbeter. Der kleine Renner liegt fantastisch auf der Straße, sein automatisches Getriebe bremst den Fahrspaß aber manchmal aus. Die Preisliste für den kleinen Italo-Renner startet bei 21.000 Euro.

Von Sebastian Viehmann

Antonino Labate will mehr Frauen sehen. "In unsere Autohäuser kommen viele 19-jährige Männer", sagt der Vertriebschef der Marke Abarth. Damen dagegen sehe man bei Abarth nicht so oft. Mit dem Abarth 500C könnte das anders werden: 60 Prozent aller Cabrios in Europa werden von Frauen gekauft. Die 140 PS-Rennsemmel soll den Knuddelfaktor des Cinquecento mit Adrenalin mischen und Damen mit Benzin im Blut ansprechen.

Echter Krawallmacher

Bei den Herren der Schöpfung steht die Marke mit dem Skorpion auf der Haube bereits hoch im Kurs. "Wir haben die jüngsten Kunden der Marke Fiat", freut sich Antonino Labate. 40 Prozent davon kommen aus Italien, die restlichen Abarth-Fans verstreuen sich über die ganze Welt. Das kleinste Modell der Familie ist ein echter Krawallmacher, und das bleibt er auch mit offenem Dach. Breite Front- und Heckschürzen, zwei Auspuff-Endrohre, eine optionale Zweifarblackierung und Fünfspeichenfelgen mit dem Skorpionlogo tragen die Sportlichkeit des Wagens nach außen.

Das Cockpit ist farblich auf die Lackierung des Autos abgestimmt und vor allem in rot eine echte Spaßzentrale: Grell und fröhlich, mit einem separaten Ladedruckanzeiger links neben dem Lenkrad sowie der typischen - und nicht wirklich praktischen - kreisrunden Einheit von Tacho und Drehzahlmesser. Die Tachonadel läuft außen herum, der Drehzahlmesser innen. Die Sitze sind straff gepolstert, das Lenkrad mit seinem dicken Kranz ist unten abgeflacht. Die Sitze lassen sich aber nicht in der Höhe, sondern nur in der Neigung verstellen, so dass man die optimale Sitzposition lange suchen muss.

Knackpunkt MTA-Getriebe

Das Cockpit ist farblich auf die Lackierung abgestimmt Foto: Abarth

Das Dach des Abarth öffnet sich per Knopfdruck in zwei Stufen. Ein echtes Cabrio ist der 500C nicht, weil es sich nur um ein Faltdach handelt. Auch die Soundkulisse ist bei offenem Dach etwas enttäuschend, man bekommt im Cockpit relativ wenig vom kräftigen Brabbeln des drehfreudigen Vierzylinders mit. Immerhin bollert es schön, wenn man schnell vom Gas geht. Der aufgeladene Vierzylinder hat 1368 Kubikzentimeter Hubraum, leistet 103 kW/140 PS. Beim Druck auf die Sport-Taste wird durch höheren Turbo-Ladedruck das maximale Drehmoment von 180 auf 206 Newtonmeter angehoben, die Kennlinie der Lenkung wird geschärft und der Gangwechsel beschleunigt.

Die Kraftübertragung geschieht automatisch mit einem elektrisch betätigten Getriebe. Dieses MTA-Getriebe ist leider auch der größte Knackpunkt des kleinen Abarth. Es lässt das satte Drehmoment naturgemäß eher behutsam auf die Kupplung los, so dass der Wagen zwar flott, aber nicht gerade wie vom Skorpionsstachel gestochen lossprintet. Beim Wechseln in die höheren Gänge gibt es deutliche Zugkraftunterbrechungen. Die kann man auch im manuellen Modus nicht ganz unterbinden, wenn der Fahrer mit Schaltwippen am Lenkrad die Arbeit selbst übernimmt.

Hervorragendes Kurvenverhalten

Der Kleine klebt förmlich auf dem Asphalt Foto: Abarth

Hat man sich an das Getriebe gewöhnt, kann man im Abarth viel Spaß haben. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in 8,1 Sekunden reißt zwar nicht vom Hocker, doch beim Abarth zählt weniger die absolute Geschwindigkeit als das Verhältnis von Tempo zu Kurvenverlauf. Und das ist beim Abarth unglaublich gut. Der Wagen bleibt selbst in den haarigsten Kurven extrem lange neutral, steht standfest auf dem Asphalt und lenkt zackig ein. Die Testfahrt auf der hauseigenen Fiat-Rennstrecke in Balocco mit ihren verschlungenen Kurven und steilen Kuppen gerät zum Adrenalin-Rausch, bei dem man in jeder Runde einen Zahn zulegt. Die Bremsen des Abarth packen kräftig zu, brauchen nach mehreren Runden aber eine Abkühlpause.

Zum knackigen Fahrverhalten und der guten Traktion des Abarth trägt neben der sportlich abgestimmten Federung das System TTC (Torque Transfer Control) bei, das durch Bremseingriff die Funktion einer Differenzialsperre imitiert und das Drehmoment an die Antriebsräder verteilt. Beim Händler steht der Abarth 500C mit MTA-Getriebe Ende Juni. Eine Version mit Fünfgang-Schaltgetriebe soll im Laufe des Jahres folgen. Zur Serienausstattung gehören unter anderem Bi-Xenon-Scheinwerfer, Klimaanlage, CD-Radio, hintere Parksensoren, sieben Airbags sowie zum Spritsparen eine Start-Stopp-Automatik.

Einziger Freiluft-Flitzer in dieser Preisklasse

Eine Klasse für sich Foto: Abarth

Im Vergleich zur Konkurrenz ist der Abarth eigentlich eine Klasse für sich. Mit 21.000 Euro ist er zwar deutlich teurer als ein normaler Fiat 500C, den es ab 14.000 Euro gibt, doch bietet kaum ein Freiluft-Flitzer für diesen Preis so viel Fahrspaß und Ausstattung.

Das Mini Cabrio John Cooper Works hat mit 155 kW/211 PS mehr Muskeln an Bord als der Abarth, kostet aber stolze 31.350 Euro. Andere Rennsemmeln wie der Opel Corsa OPC für 23.300 Euro, der Polo GTI für 22.500 Euro oder der Renault Clio RS Cup für 19.900 Euro bringen ebenfalls mehr Pferdestärken auf die Piste, es gibt sie aber nicht als Cabrio. (mid)

Vorheriger ArtikelZwei Mal geblitzt – nur einmal bezahlt
Nächster ArtikelRenaissance der Autoindustrie
Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.