Zeitenwende für Daimler-Chef Zetsche

Autobauer auf Erfolgskurs

Daimler-Chef Dieter Zetsche ist auf Erfolgskurs.
Daimler-Chef Dieter Zetsche ist auf Erfolgskurs. © AG/Mertens

Daimler eilt von Erfolg zu Erfolg. Damit steigen auch die Chancen für Daimler-Chef Dieter Zetsche auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Noch vor zwei Jahren war sein Kontrakt nur um drei statt fünf Jahre verlängert worden.

"Ein Ziel setzen ist das eine, Erreichen das andere." Als Daimler-Chef Dieter Zetsche diesen Satz vor knapp zwei Jahren bei der Bilanzvorlage zu Protokoll gab, schien letzteres noch in weiter Ferne. Wenig später wurde sein Vertrag nur um drei statt der erwarteten fünf Jahre verlängert. Inzwischen hat sich das Blatt für den Autoboss gewendet - Branchenkenner spekulieren sogar schon über eine vorzeitige Vertragsverlängerung.

"Mercedes wächst stärker, die Rendite wird besser - wenn auch noch nicht so hoch wie bei den Wettbewerbern", sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Vom Ziel, 2020 die Nummer 1 im Premium-Segment zu werden, ist Daimler aber trotz rasanten Wachstums noch ein ganzes Stück entfernt. Daimler will in der Autosparte langfristig beispielsweise auf eine Rendite von zehn Prozent kommen. Die Erzrivalen BMW und Audi schaffen aber schon heute zweistellige Werte.

Vorzeitige Vertragsverlängerung möglich

"Zetsche hat eine harte Zeit gehabt, aber die letzten ein, zwei Jahre haben sich aus meiner Sicht sehr gut dargestellt", sagt Bratzel. Nach Zeiten von gekappten Gewinnzielen und Problemen auf dem wichtigen Automarkt China, hat der Dax-Konzern inzwischen massiv gegengesteuert - und punktet unter anderem mit einem eigenen Vorstand für das Riesenreich und einer jüngeren Modellpalette. Allein bis 2020 wollen die Schwaben noch elf völlig neue Modelle auf den Markt bringen.

Damit fährt Zetsche so gut, dass Experten auch eine vorzeitige Vertragsverlängerung für möglich halten. "Das wäre ein gutes Signal an Zetsche und die Mannschaft, die dahinter steht", sagt Bratzel. Auch Analyst Frank Pieper vom Bankhaus Metzler hält das für denkbar. "Es gibt für mich keinen Grund in Frage zu stellen, dass er fest im Sattel sitzt." Medien spekulieren bereits, Zetsches Vertrag solle Ende 2015 bis 2019 verlängert werden.

Zuletzt war sein Kontrakt wegen interner Querelen noch für einen überraschend kurzen Zeitraum ausgedehnt worden. Insidern zufolge steht er inzwischen zwar auch im Team deutlich besser da - der Druck der vergangenen Monate hängt der Belegschaft demnach aber noch nach. Um auf Kurs zu kommen, hatte der Autobauer ein milliardenschweres Sparprorgamm aufgelegt. Zudem trennt sich Daimler gerade von konzerneigenen Niederlassungen, was viel Protest ausgelöst hatte.

Källenius berufen

All das sind jedoch Schritte, die für weniger Kosten und damit für bessere Ergebnisse sorgen. "Gute Gewinne bedeuten gute Löhne", sagt Analyst Frank Schwope von der NordLB. Das spiele Zetsche letztlich in die Karten. Auch er hält eine Vertragsverlängerung für denkbar - allerdings nicht unbedingt für lange. "Gerade weil Verjüngungsthemen anstehen wie das vernetzte Auto und autonomes Fahren", sagt der Branchenkenner. Das seien tendenziell auch "jüngere" Aufgaben.

Tatsächlich hat der Aufsichtsrat gerade den 45-jährigen Mercedes-Vertriebschef Ola Källenius in den Vorstand geholt - und damit die Weichen für einen Generationswechsel gestellt. Medien handeln den jungen Schweden bereits als möglicher Kronprinz.

"Der muss sich erstmal beweisen", sagt Schwope. "Dazu kann aber auch ein Jahr reichen." Zugleich seien beispielsweise China-Vorstand Hubertus Troska und NutzfahrzeugchefWolfgang Bernhard denkbare Kanidaten für den Chefsessel. Autoexperte Bratzel sieht das kritisch: "Gerade wenn es läuft, den Kapitän auszuwechseln, wäre nicht das richtige Signal." (dpa)