Autoexperte: 100.000 Arbeitsplätze wegen Coronakrise bedroht

Produktion des Ford Fiesta in Köln. © dpa

Die deutsche Autoindustrie hat nach einer aktuellen Studie wegen der Coronakrise massive Überkapazitäten. Das wird Tausende Arbeitsplätze in der Branche kosten.

Wie aus der einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität St. Gallen hevorgeht, würden bei der Pkw-Produktion eine Überkapazität von 1,3 Millionen Pkw entstehen.


Wie der Wissenschaftler feststellt, würde die Pkw-Produktion damit bei einer optimistischen Prognose auf 3,8 Millionen schrumpfen. Bei einem pessimistischen Szenario würden lediglich 3,4 Millionen Fahrzeuge gebaut, eine Überkapazität von 1,7 Millionen Fahrzeugen. In den Jahren 2000 bis 2019 lag laut der Studie das jährliche Produktionsniveau bei 5,4 Millionen Pkw.

Gravierendes Nachfrageproblem

Als Grund für den Rückgang der Produktion sieht Dudenhöffer dabei nicht Probleme in der Lieferkette, sondern in der Nachfrage. „Corona stellt die Autoindustrie damit nicht vor ein Lieferketten-Problem, sondern vor eine gravierendes Nachfrageproblem“, so der Experte.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Foto: dpa

Die Studie geht davon aus, dass die Exporte deutlich zurückgehen werden. So wird für Italien ein Rückgang von 30 Prozent erwartet, für Spanien und Frankreich von 25 Prozent. Mit Blick auf die USA wird mit einem Rückgang von 25 Prozent und für China von 20 Prozent gerechnet. Eine Erholung dieser Situation werde Jahre dauern. Mit Blick beispielsweise auf die USA erwartet Dudenhöffer eine Zeitspanne von acht bis zehn Jahren, um wieder den Anschluss an das Jahr 2019 zu finden. In der Folge dieser Entwicklung sieht Dudenhöffer gut 100.000 der heutigen 830.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie gefährdet.

Sorge in der Industrie

Die Autobranche selbst ist ebenso besorgt um die Arbeitsplätze. «Wir machen uns Sorgen um die Arbeitsplätze und die Zukunft», sagte die Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, am Montag im ARD-Morgenmagazin. Momentan sehe sie allerdings Unternehmen, die sehr verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitern umgingen. Firmen schöpften die Instrumente voll aus, um die Menschen auch an Bord zu halten.

Einen Ausblick auf die Zukunft der Branche wollte Müller nicht geben: «Wir möchten uns im Moment noch nicht beteiligen an Spekulationen, wie hoch eine Rezession ausfallen wird.» Zwar sei es richtig, im Hintergrund verschiedene Szenarien zu entwickeln. Es helfe aber nicht, wirre Spekulationen zu verbreiten.

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