18. August 2014

Annette Winkler fährt den Fortwo durch Stuttgart Auf Spritztour mit der Smart-Chefin

Smart-Chefin Annette Winkler unterwegs im neuen Fortwo. Fotos ▶
Smart-Chefin Annette Winkler unterwegs im neuen Fortwo. © Daimler

Annette Winkler hat auf den 22. November hingearbeitet. An diesem Tag kommen der neue Fortwo und Forfour auf den Markt. Was der Zweisitzer zu bieten hat, erzählte die Managerin bei einer Fahrt durch Stuttgart.




Von Frank Mertens

Der 22. November ist für Smart nicht irgendein Tag. Es ist der wichtigste Tag seit der Gründung der Marke vor 15 Jahren, sagt Annette Winkler nach einem Moment des Nachdenkens. An diesem Tag in drei Monaten, einem Sonnabend, werden der neue Smart Fortwo und Forfour zu den Händlern rollen. Es ist ein Datum, auf das Annette Winkler seit ihrem Amtsantritt als Smart-Chefin im September 2010 hingearbeitet hat.

Entsprechend hat sie auch gern ihren Urlaub am Bodensee unterbrochen, um bei einer Mitfahrt eine Handvoll Journalisten von den Vorzügen des neuen Zweisitzers zu überzeugen. „Sehen Sie“, sagt Annette Winkler kurz nach der Abfahrt mit einem orange lackierten Fortwo mit schwarzen Dach in der Stuttgarter Bolzstraße, „ich kann Ihnen viel von den Vorteilen des Smart als ideales Stadtauto erzählen. Aber einen Wendekreis von gerade einmal 6,95 Metern von Bordstein zu Bordstein muss man selbst erleben.“


Absatz über Jahre stabil gehalten

Kaum dass sie es sagt, steuert Winkler eine schmale Nebenstraße an und setzt zum Wendemanöver an. „Ich war hier auch noch nicht, weiß gar nicht, ob das reicht.“ Doch es reicht. Ohne den Rückwärtsgang des 2,69 Meter langen Smart einlegen zu müssen, geht die Fahrt in entgegen gesetzter Richtung weiter. „Ist das nicht fantastisch? In so einer engen Straße, ohne Zurücksetzen zu wenden, das macht dieses Auto aus“, schwärmt Winkler. Man merkt ihr an, dass sie sichtlich zufrieden ist mit dem, was sie in Kürze den Kunden anbieten kann.

In den zurückliegenden Jahren hatte Winkler seit ihrem Amtsantritt keinen leichten Job zu meistern. Schließlich musste sie den Absatz eines in die Jahre gekommenen Autos möglichst stabil halten, sich mit Sondermodellen von Jahr zu Jahr durchhangeln. Durchhangeln? So etwas hört die Smart-Chefin indes nicht gern. Schließlich habe sie 2010 niemand gezwungen, diese Aufgabe anzunehmen. Sie habe bei ihrem Amtsantritt gewusst, dass es erst 2014 ein neues Auto geben werde.

Kräftiges Wachstum angekündigt

Annette Winkler steuert den Smart aus einer Tiefgarage
Annette Winkler steuert den Smart aus einer Tiefgarage © Daimler

Aber ärgern braucht sich Winkler über solche Nebensächlichkeiten nicht. Schließlich hat sie es geschafft, die Kleinstwagenmarke von Smart im Bereich von jährlich 100.000 Einheiten zu halten. Für ein Auto am Ende seines Lifecycles kein schlechtes Ergebnis. Doch das ist Vergangenheit. Nun stehen Winkler gleich zwei neue Modelle zur Verfügung.

Was ist eigentlich schwieriger? Ein altes Modell zu vermarkten oder ein neues? Als schwierig habe sie ihre Aufgabe nie empfunden, sagt Winkler, vielmehr als begeisternd. Ein Vertriebsprofi zeichne sich eben nicht nur dadurch aus, dass er das neuste, das tollste Produkt zu einem attraktiven Preis absetzen könne, sondern auch ein Modell am Ende seines Lifecycles, sagt die Smart-Chefin bei der Tour durch Stuttgart. Ihre Verantwortung liege nun darin, die beiden neuen Modelle zum Erfolg zu führen. Winkler zeigt sich zuversichtlich, dass Smart mit dem Fortwo und Forfour kräftig wachsen werde. Wie kräftig, dass sagt sie indes nicht.

Innenraum mit netten, kleinen Details

Damit der neue Smart diesem Anspruch auch gerecht wird, wurde ihm auch ein neues, ein frischeres Design verpasst. Dazu gehört auch die neue Stupsnase. Gefällt sie auch der Chefin? Ja, sagt Winkler. Sie passe sehr gut zum neuen Smart. Das neue Modell wirke futuristischer, sei aber weiter ein Smart geblieben. So sei der Neue erwachsener geworden und verfüge- auch dank des Breitenzuwachses von zehn Zentimetern - über „einen behaglichen Innenraum mit netten, kleinen Details“.

Winkler zieht ein kleines Schubfach auf der rechten Seite des Mitteltunnels heraus. „Sehen Sie, hier können sie Kleinigkeiten verstauen.“ „Und, wie gefällt Ihnen der Innenraum?“, fragt Winkler. „Und die Sitze? Sitzen Sie bequem?“, fragt sie noch. „Sie sind recht straff, aber durchaus bequem“, sage ich und füge hinzu, dass die Oberschenkelauflage für mich mit meiner Größe von 1,91 Meter etwas länger hätte ausfallen können. Aber ansonsten gebe es von meiner Position auf dem Beifahrersitz wenig zu Meckern. Winkler nimmt das zufrieden zur Kenntnis.

Forfour nur unwesentlich teurer als Zweisitzer

Annette Winkler im Gespräch mit dem Autor
Annette Winkler im Gespräch mit dem Autor © Daimler

Doch am 22. November wird nicht nur der Zweisitzer eingeführt, sondern auch der Viersitzer, der 2006 wegen Erfolgslosigkeit vom Markt genommen wurde. Warum sollte das diesmal anders werden? Weil diesmal der Viersitzer auch ein richtiger Smart sei, entsprechend auch auf der gleichen Plattform basiere, sagt die Smart-Chefin. Außerdem sei da noch der Preis – der Forfour kostet nur 660 Euro mehr als der Zweisitzer, der bei 10.895 Euro beginnt.

Damit mache man seinen Kunden ein sehr, sehr attraktives Angebot. Winkler rechnet, so als Hausnummer, dass wohl zwei Drittel aller Smart-Verkäufe auf den Zweisitzer entfallen werden, der Rest auf den Viersitzer. Der Forfour dürfte dabei nicht nur für das Carsharing-Angebot car2go interessant sein, sondern dürfte auch neue Kunden zur Marke bringen, denen der Fortwo dann doch einen Tick zu klein war. Gute Aussichten also, den Absatz der Marke zu beflügeln.

Smart zunehmend vernetzen

Vorbei am Stuttgarter Hauptbahnhof
Vorbei am Stuttgarter Hauptbahnhof © Daimler

Doch Absatz ist das eine, Innovation das andere – und hier will sich Smart weiter profilieren. Denn Smart ist nach Aussage von Winkler halt nicht nur eine Automarke, sondern ein Mobilitätskonzept. Und was steht da zu erwarten? Eine weitere Vernetzung des Fahrzeugs, sagt Winkler.

Dazu wird den Kunden unter anderem eine App angeboten, mit der sie beispielsweise freie Parkplätze finden können oder diese auch anderen Smart-Fahrern empfehlen können. „Unsere Kunden können hier interagieren. Für jede einzelne Stadt ist es bald möglich, sich die individuellen Vorteile anzeigen zu lassen, die nur der Fahrer genießen kann, der mit einem Auto von unter drei Metern Länge unterwegs ist“, sagt Winkler zufrieden. Derzeit funktioniert das per iPhone oder Smartphone, soll bis zum Marktstart aber auch Bestandteil des neuen Navigationssystems sein, berichtet Winkler. Nach 30 Minuten beendet die Smart-Chefin sichtlich zufrieden die Fahrt mit dem neuen Fortwo. Nach vier Jahren ohne ein neues Produkt beginnt für sie ab dem 22. November eine neue Zeit.

Ein ausführliches Interview mit Annette Winkler lesen Sie am morgigen Dienstag in der Autogazette



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