Wo der Weg das Ziel sein soll

Mercedes R-Klasse 350 CDI 4Matic

Die Mercedes R-Klasse soll laut einem Medienbericht 2014 auslaufen
Die Mercedes R-Klasse soll laut einem Medienbericht 2014 auslaufen © Mercedes

Die R-Klasse von Mercedes startet einen neuen Anlauf. Die zweite Generation der Reiselimousine wartet nicht nur mit einem frischeren Design auf, sondern auch mit sparsamen Motoren.

Von Frank Mertens

Manchmal, wenn neue Autos vorgestellt werden, geht es auch schon mal philosophisch zu. Schließlich wollen die Marketingstrategen den Kunden möglichst mit tiefgreifenden Erkenntnissen davon überzeugen, dass es sich bei diesem Produkt genau um das Auto handelt, worauf sie lange gewartet haben, auch wenn sie das möglicherweise bislang selbst gar nicht gewusst haben.

Erwartungen bisher nicht erfüllt

Im konkreten Fall geht es um die R-Klasse von Mercedes. Das ist das Auto der Stuttgarter, das bislang weit hinter den Absatzerwartungen zurückgeblieben ist. Doch mit dem Facelift soll ab September alles anders werden. Dazu hat das Team um Alfons Hierhammer, dem Produktmanager der R-Klasse, der Reiselimousine ein frischeres Aussehen verpasst. Das trifft vor allem auf die Front zu. Hier erhielt die R-Klasse neben neuen Scheinwerfern auch neue Kotflügel und einen steiler stehenden Kühlergrill. "Das Design wirkt wie aus einem Guss", sagt Hierhammer.

Mercedes R-Klasse
Das Cockpit der R-Klasse Mercedes

So etwas muss er qua Amt sagen, das ist klar. Doch Hierhammer hat recht. Diese Modellüberarbeitung hat der Marke gut getan: das Altbackene des Vorgängermodells ist passé. Abgerundet wird der frischere Auftritt durch Modifikationen am Heck, zu denen auch neue Rücklichter gehören.

Neupositionierung notwendig

Mercedes R-Klasse
Ein Platzwunder - der Kofferraum der R-Klasse Mercedes

Über den Erfolg der neuen Generation der R-Klasse dürfte aber auch die Neupositionierung dieses Fahrzeuges gehören. Bislang wussten viele Kunden einfach nicht, weshalb sie sich ausgerechnet für die R-Klasse entscheiden sollten. Wer Eleganz wollte, der entschied sich für die S-Klasse, wer es robuster wollte, für die M-Klasse. Eine Schnittmenge daraus schien es für das Gros der Kunden bisher nicht zu geben. Bislang.

Und damit sind wir wieder bei der Philosophie und Konfuzius angelangt, dem großen chinesischen Gelehrten. Das ist der, der uns wissen ließ, dass der Weg das Ziel sei, wie Hierhammer bei der Produktvorstellung der neuen R-Klasse in Erinnerung rief. Dass die Wahl auf Konfuzius fiel, mag Zufall gewesen sein, muss aber nicht.

China wichtigster Markt

Mercedes R-Klasse
Lang, länger, R-Klasse Mercedes

Denn China, der derzeitige Glücksbringer der Autobranche, ist der wichtigste Markt für die R-Klasse. Hier, so berichtet Hierhammer, werden 35 Prozent der R-Klasse gekauft. Weitere 25 Prozent des im Daimler-Werk in Tuscaloosa in den USA gebauten Autos bleiben gleich im Land. Jetzt weiß man zwar, woher die meisten der bisher wenigen Kunden kommen, aber man weiß nicht, wer sie sind. Doch Hierhammer gibt Hilfestellung: Der Fahrer einer R-Klasse sei so wie der Fahrer eines Saab – immer auf der Suche nach etwas Besonderem.

Etwas Besonderes bekommt der Käufer der R-Klasse auf jeden Fall. Denn ein Allerwelts-Auto ist dieses Fahrzeug wirklich nicht. Es bietet je nach Konfiguration nicht nur vier bis sieben Sitze, sondern auch ein Raumgefühl, bei dem man sich selbst als Großgewachsener im Fond so richtig hinlümmeln kann. Ein Auto, bei dem so etwas möglich ist, kommt entsprechend auf beeindruckende Abmessungen: So kommt die Normalversion auf eine Länge von 4,92 Meter, die Langversion kommt auf 5,16 Meter. Damit ist zugleich klar, dass Fahrer einer R-Klasse sich zweimal überlegen, ob sie in ein enges Parkhaus fahren oder ob wirklich ausreichend Platz zwischen den beiden parkenden Autos ist.

Glänzender Dieselmotor

Wer diese Sorgen nicht hat, kann sich neben den optischen Fingerübungen der Designer insbesondere an dem neuen und auch von uns getesteten R 350 CDI 4Matic freuen. Hier kommt ein 3,5 Liter großer V6-Motor zum Einsatz, der über 265 PS und ein sattes Drehmoment von 620 Newtonmeter verfügt. Dieses Modell beschleunigt in 7,6 Sekunden auf Tempo 100. Doch das Beste an diesem Auto sind die Verbrauchswerte dieses fast 2300 Kilogramm schweren Dickschiffs. Laut Hersteller soll sich der R 350 CDI auf 100 Kilometer mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern begnügen, in der Praxis waren es fast 9,8 Liter. Für ein Auto dieser Größe und Gewichts ein durchaus anständiger Wert.

Nach den ersten Testkilometern im R 350 CDI 4Matic weiß man übrigens schnell, weshalb Hierhammer Konfuzius zitiert hat. Ja, in diesem Auto ist der Weg das Ziel. Der Fahrer und die Passagiere können es sich in der neuen R-Klasse ganz nach Belieben bequem machen. Der Komfort steht in diesem Auto an oberster Stelle. Ein Aspekt, der indes nicht immer positiv sein muss: Denn aufgrund der recht weichen Fahrwerksabstimmung wünscht man sich ab und an doch etwas mehr Direktheit. Eine Stahl-Luftfederung gibt es indes als Serie nur für den R 500 4Matic, für alle anderen Fahrzeuge werden 1011 Euro fällig, für das Airmatic-Paket mit Luftfederung und adaptiver Niveauregulierung werden selbstbewusste 2023 Euro aufgerufen.

Überzeúgende Automatik

Mercedes R-Klasse
Das Heck der R-Klasse Mercedes

Zur Serienausstattung unseres mindestens 57.358 Euro teuren R 350 CDI 4Matic gehört auch die 7G-Tronic. Das Fahren mit diesem wunderbar arbeitenden Automatikgetriebe macht immer wieder Spaß.

Nun bleibt abzuwarten, wie die Kunden ab September auf die neue R-Klasse reagieren. Wird sie im zweiten Anlauf zu einem Erfolg für Mercedes oder ist es der Anfang vom Ende für dieses Modell? Nach den ersten Testfahrten deutet alles auf die erste Option hin. Doch am Ende entscheidet der Kunde, trotz aller Philosophie.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.