23. Juni 2010

Fahrbericht BMW S 1000 RR Der reine Wahnsinn

BMW  S 1000 RR
BMW S 1000 RR © BMW

Sie kam spät, aber dafür umso heftiger. Mit der S 1000 RR wagt BMW den Einstieg ins Segment der Supersportler. 193 PS sind dabei eine Ansage im Kampf um zahlungskräftige Kunden.




Von Frank Mertens

Natürlich kann man darüber streiten, ob 193 PS für ein Motorrad vernünftig sind. Schließlich – und das sollte man sich gelegentlich beim Motorradfahren vor Augen führen – entspricht die Standfläche eines Motorrades gerade einmal der Größe einer Visitenkarte. Das ist ein Hauch von Nichts. Doch Diskussionen um PS-Protzerei bleiben solange theoretischer Natur, wie Kunden nach derartigen Maschinen verlangen.


183 Kilo Trockengewicht

Ungeheuerlich sind die 193 PS der von uns getesteten BMW S 1000 RR in der Tat, steht dieser Leistung doch gerade einmal ein Trockengewicht von 183 Kilogramm gegenüber, vollgetankt sind es 204 Kilogramm. Doch auf 21 Kilo mehr oder wenig kommt es bei einer Maschine mit so viel Power auch nicht mehr an. Musste die PS-Protzerei wirklich sein? Sie musste! Denn die Münchner sind Newcomer im Segment der bislang von den Japanern bestimmten Supersportler.

Wer unter diesen Rahmenbedingungen also die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, muss für einen gehörigen Paukenschlag sorgen. Und lauter als mit 193 PS kann man in dieser Klasse kaum aufhorchen lassen. Die BMW tritt damit selbstbewusst an, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen.

Sprachlosigkeit bei Oldies

Sie tut dies so souverän, dass selbst langjährige Motorradfahrer angesichts der ungeheuren Leistungsentfaltung fast sprachlos sind: „So viel Kraft – so etwa gibt es überhaupt nicht!“ Gibt es doch! Um zu erahnen, was in diesem Bike steckt, muss man bei Tempo 160 im sechsten Gang nur leicht am Gasgriff drehen – schon katapultiert der Vierzylinder-Viertaktmotor die S 1000 RR nochmals mächtig nach vorn. Wer diesen unbändigen Vorwärtsdrang erlebt, wird einfach nur fasziniert sein. Faszinierend ist aber auch der Blick auf die Tankanzeige. Die BMW erweist sich, nicht überraschend bei dieser Leistung, als recht durstig: 6,2 Liter SuperPlus sind eine Ansage.

Das maximale Drehmoment von 112 Newtonmeter, die die Bayern für ihren Supersportler angeben, wird übrigens bei 9750 Umdrehungen pro Minute erreicht. Die volle Leistung von 193 PS steht bei 13.000 Umdrehungen zur Verfügung. Das sind Daten, die eine klare Sprache sprechen. Damit so viel Leistung auch mühelos auf die Straße kommt, ist die S 1000 RR mit vielen technischen Helferlein ausgestattet. So lassen sich mittels Tastdendrucks mit Rain, Sport, Slick und Race gleich vier verschiedene Fahrmodi wählen, die Einfluss auf das entsprechende Ansprechverhalten des Motors und ABS-Systems nehmen.

Nur noch 150 PS

Wer beispielsweise den Schalter auf Rain gestellt hat, verfügt „nur“ noch 150 PS Leistung. Wer für das Basismodell der BMW S 1000 RR ohnehin schon 15.500 Euro bereit ist auszugeben, der sollte auf jeden Fall unbedingt zum ABS mit der Dynamischen Traktionskontrolle (DTC) greifen. Aufpreis: 1220 Euro. Es gibt dem Fahrer, trotz des ohnehin schon stimmigen Gesamtpakets, ein noch besseres Gefühl. Das ABS-System an der S 1000 RR ist übrigens etwas gewöhnungsbedürftig. Denn beim beherzten Griff in den Bremshebel hob bei den Testbremsungen das Hinterrad leicht ab. Ein Umstand, an den man sich erst gewöhnen muss, bevor das ABS-System durch seine Regelintervalle einen Überschlag zu verhindern weiß.

Ein gutes Gefühl haben übrigens auch größere Fahrer jenseits von 1,80 Meter. Sie können ohne größere Verrenkungen auf der BMW Platz nehmen, ohne dabei beim Schalten gymnastische Verrenkungen anzustellen. Selten habe ich mich auf einem Supersportler so wohl gefühlt wie auf der S 1000 RR. Dazu trägt ohne Frage auch das agile Fahrverhalten bei. Die BMW fährt sich so leicht wie eine 600er, bietet ein glänzendes Handling. Doch Vorsicht: Ein kleiner Dreh am Gasgriff reicht, um den Fahrer schnell wieder in die Realität zu befördern – diese Maschine verlangt nach einem kühlen Kopf.

Eigentlich sollte BMW jedem Käufer dieser Maschine ein Fahrsicherheitstraining spendieren. Denn wer mit soviel Power unterwegs ist, sollte vorher auch gelernt haben, damit umzugehen. Wenn er es aber getan hat, bietet diese BMW derzeit mit dass Faszinierendste, was es im Segment der Supersportler zu kaufen gibt.






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