BMW R 1200 RT: Wahre Wonne

Reisetourer mit 125 PS

Die BMW R 1200 RT lässt keine Wünsche offen
Die BMW R 1200 RT lässt keine Wünsche offen © BMW

BMW hat die R 1200 RT weiter der Perfektion zugeführt. Das seit 39 Jahren existierende Tourenmodell erfüllt dabei jeden Wunsch und verschafft Fahrer und Sozia wahre Wonnen.

Es ist seit nunmehr 39 Jahren eine Konstante im Modellprogramm von BMW Motorrad, das RT abgekürzte Tourenmodell mit Zweizylinder-Boxermotor. 1978 wurde erstmals ein Bayern-Tourer mit großer, im Windkanal entwickelter Verkleidung und Modellkürzel RT angeboten; 70 PS leistete die erste R 100 RT. Es folgten ab Mitte der 1990er Jahre die R 1100 RT mit 85 PS, die R 1150 RT mit 95 PS und mittlerweile zwei Generationen mit derselben Typenbezeichnung R 1200 RT.

Wurden 2005 noch 110 PS geliefert, stehen seit 2014 fürs flotte Touren 125 Pferdestärken zur Verfügung. Die allerjüngste, nach der aktuellen EU 4-Norm homologierte Version haben wir gut 2500 Kilometer auf Herz und Nieren getestet, waren auf holprigen Alpensträßchen, serpentinenreichen Alpenpässen, fein asphaltierten Überlandstraßen und im verschärften Modus auf fast verkehrsfreien Autobahnen unterwegs. Als „fliegendes Sofa“ wuchs uns die R 1200 RT des Modelljahres 2017 stark ans Herz.

Überzeugende Geschmeidigkeit der R 1200 RT

Grund dafür ist die überzeugende Geschmeidigkeit von Motor und Fahrwerk, die in Verbindung mit der ausgezeichneten Ergonomie und dem breiten Nutzungsspektrum kaum ein anderes Motorrad zu bieten vermag, noch nicht einmal andere, noch teurere Modelle mit der dreifachen Zylinderzahl aus München. In der RT finden sich seit dem Modelljahr 2017 ein paar kleine, aber durchaus wirksame Verbesserungen: Der Ruckdämpfer auf der Getriebeausgangswelle und die überarbeiteten Getriebewellen samt modifizierter Lagerung in Verbindung mit der optimierten Schaltwalzenbetätigung führen dazu, dass sich das Sechsganggetriebe perfekt mit dem drehmomentstarken Boxer versteht.

Geräuschlos geht im Stand der erste Gang in Position, leicht und präzise lassen sich die Übersetzungen wechseln – manuell deutlich geschmeidiger als dies der keineswegs schlechte Schaltassistent (plus 410 Euro, dennoch ein Spaßbringer) versteht. Dieser bei BMW-Boxern noch recht junge Schaltkomfort passt perfekt zu den vielen Facetten des hohen Fahrkomforts: Die Aerodynamik mit elektrisch einstellbarem Windschild ist ebenso unerreicht wie das Ansprechverhalten des Telelever-Fahrwerks, das im Falle des Testbikes semiaktiv angesteuert wird (Dynamic ESA plus 790 Euro).

Einzigartige Varianz bei Sitzhöhen

Die BMW R 1200 RT lässt keine Wünsche offen
Viel Raum für Gepäck bietet die R 1200 RT BMW Motorrad

Klagen über mangelhaften Sitzkomfort sind fast unvorstellbar: Außer der Sitzhöhenverstellung um zwei Zentimeter (80,5 oder 82,5 cm) ermöglichen wahlweise (kostenlos!) zu beziehende Sondersitze die Sitzhöhen 76, 78, 83 und 85 Zentimetern. Eine solche Varianz ist nirgendwo sonst erhältlich. Optimieren lässt sich das Wohlbefinden von Fahrer und Sozia bei kühlen Temperaturen schließlich mittels Sitzheizung (plus 220 Euro).

Nicht viel geringer ist die Auswahl beim Stauraumprogramm, wobei die sehr guten Tourenkoffer zum serienmäßigen Lieferumfang der RT gehören. Nicht zum Exklusiv-Image der RT passt nach unserer Meinung jedoch der Einheitslack „weißaluminium“, in dem das geräumige 49 Liter-Topcase geliefert wird; eine Lackierung in Fahrzeugfarbe müsste angesichts von 890 Euro Zuzahlung für die qualitativ hochwertige Box drin sein. Dass die Koffer-Innentaschen (je 105 Euro) von einwandfreier Qualität sind, sei nur am Rande vermerkt. Auch der wasserdichte Tankrucksack (227 Euro, zusätzlicher Varioeinsatz plus 41 Euro) ist ein sehr nützliches Stück; er stört beim Fahren nicht im Mindesten.

Vollausstattung meistens gewünscht

Zur Befriedigung der BMW-Kaufleute zucken nur die wenigsten RT-Besteller vor den zahlreichen Optionsmöglichkeiten zurück, sondern ordern willig die Vollausstattung. Sie treibt den Basispreis von 17.500 Euro mit Klicks für die drei Ausstattungspakete (zusammen plus 2570 Euro) bereits auf 20.070 Euro, dazu kommen noch Schaltassistent, Audio-System und Keyless Ride (plus 1765 Euro). Mag sich mancher auch über die bayerische Aufpreispolitik beschweren: In ihrer Funktion sind alle angebotenen Artikel kompromisslos gut, weil zu Ende gedacht. Genau wie die Dreischeiben-Bremsanlage mit dynamischem Bremslicht und schräglagenoptimiertem ABS – freilich muss man dafür das Dynamic-Paket (plus 410 Euro) erwerben. Das darin enthaltene Dynamic-Fahrprogramm ist geschenkt: „Road“ kann alles, was eine RT können muss.

Immer wieder beeindruckend ist – beispielsweise beim Gipfelsturm aufs gut 2500 Meter hohe Timmelsjoch – die enorme Handlichkeit der R 1200 RT in Kurven jedweder Radien: Stabil bleibt sie selbst bei extremen Schräglagen auf Kurs, ohne dabei widerspenstig zu sein. Vom fahrphysikalischen Wunder sind wir da nicht mehr weit entfernt, vor allem wenn man weiß, dass das Leergewicht einer voll ausgestatteten RT auch ohne Topcase bei gut 280 Kilogramm liegt.

BMW R 1200 RT fast allein auf weiter Flur

Abgesehen von einer Honda Goldwing oder auch einer Electra Glide von Harley-Davidson, beides echte Schwergewichte, gibt es kein anderes Motorrad, das der Liebsten auf dem Soziussitz mehr Wohlbefinden verschafft: Die Aerodynamik ist auch achtern spitze, der zur Verfügung stehende Platz geräumig, der Sitzkomfort ausgezeichnet, die Zuladung reichlich bemessen. Gemeinsam auch lange Tagesetappen zu absolvieren, ist auf einer RT keine wirkliche Leistung. Auch wenn die Kombination aus großem Tank (25 Liter) und geringem Verbrauch (bei zügig-achtsamer Fahrweise unter 5 Liter/100 Kilometer) ungewöhnlich lange Distanzen von nahezu 500 Kilometern ohne Tankstopp ermöglicht.

Welche Wünsche bleiben offen? Als Nicht-Topcase-Befürworter eigentlich nur der, mehr Zeit fürs Verreisen mit einer BMW R 1200 RT zur Verfügung zu haben. Diese Option lässt sich im BMW-Konfigurator leider nicht anklicken. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.