Audi: Windkraft und Methangas für nachhaltige Mobilität

Beteiligung an Energiewende

Audi investiert in vier Offshore-Windkrafträder in der Nordsee. © AG/Mertens

Der Autobauer Audi will bei nachhaltiger Mobilität die Führungsrolle übernehmen. Deshalb wird man zukünftig nicht nur grünen Strom durch Windkraft erzeugen, sondern investiert auch in die Produktion von erneuerbarem Gas.

Von Frank Mertens

Dass man bei Audi nicht zur Zurückhaltung neigt, ist mittlerweile bekannt. Entsprechend sparen die Ingolstädter, die in diesem Jahr mit 1,2 Millionen Autos einen neuen Rekordabsatz anpeilen, auch nicht mit Superlativen. Wenn es darum geht, neue Autos oder Projekte vorzustellen, sieht sich Audi mit seinem Markenclaim "Vorsprung durch Technik" an der Spitze der Entwicklung.

Dass die VW-Tochter bislang im Vergleich zur deutschen Premiumkonkurrenz noch immer kein einziges Hybridmodell im Markt hat, wird bei so viel Eigenlob ebenso übersehen, wie der Umstand, dass Audi erst jetzt in München einen Feldversuch mit dem Audi A1 e-tron startet. Daimler und BMW haben im Feld der Elektromobilität mit dem Smart und Mini bereits jahrelange Erfahrungen gesammelt.

CO2-freie Mobilität als Ziel

Trotzdem hat Audi gerade in der europäischen Umwelthauptstadt Hamburg wissen lassen, dass man mit seiner Initiative "Balanced Mobility" nicht mehr und nicht weniger will, als die Führungsrolle in der Autoindustrie beim Umgang mit nachhaltigen Ressourcen zu übernehmen. "Unser Ziel ist die CO2-neutrale Mobilität", benennt Entwicklungsvorstand Michael Dick das Ziel.

Damit das gelingt, steigt Audi nicht nur in die Produktion regenerativen Stroms ein, sondern erzeugt zusammen mit der Firma SolarFuel auch CO2-freien Kraftstoff in Form von Methangas, bei Audi "e-gas" (Erneuerbares Gas) genannt. Damit schaffen die Ingolstädter eine nachhaltige Energiekette, die selbst von dem renommierten Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker gelobt wird. Mit diesem Projekt könne ein gutes Stück CO2-neutrale Mobilität verwirklicht werden, so Weizsäcker.

Der Audi A1 e-tron Audi

Zur Erreichung dieses Zieles baut Audi zunächst vier Offshore-Anlagen in einem Windpark in der Nordsee. Mit jeweils 3,6 MW Leistung sollen sie im Jahr 53 GW/h Strom liefern, soviel wie eine mittelgroße Stadt im Jahr benötigt. Mit dem dort erzielten grünen Strom kann Audi nicht nur seine Elektroautos versorgen, sondern ihn auch in einer Methangasanlage einspeisen, die das Stuttgarter Unternehmen SolarFuel bis 2013 in Werlte im Emsland errichtet. Dort können die Überschüsse des im Offshore-Windparks erzeugten Stroms in erneuerbares Erdgas umgewandelt werden. Die Anlage soll in etwa 1000 Tonnen E-Gas produzieren und dabei 2800 Tonnen CO2 binden.

Geplant, so sagte SolarFuel-Chef Gregor Waldstein, sei eine Tagesproduktion von 3900 Kubikmeter erneuerbarem Methan in Erdgas-Qualität. Mit diesem e-gas können ab 2013 nicht nur Käufer eines A3 TCNG klimafreundlich unterwegs sein, sondern es kann auch Strom- und Wärmeerzeugern zur Verbesserung der Klimabilanz zur Verfügung gestellt werden. Zugleich erzeugt die Anlage bei der Elektrolyse auch Wasserstoff, der für zukünftige Brennstoffzellenfahrzeuge von Audi verwendet werden kann.

Methangas kann ins Erdgasnetz eingespeist werden

Das Elektrolyse-Verfahren zur Gewinnung von Methangas Audi

Das Methangas kann übrigens ganz normal ins Erdgasnetz eingespeist werden, sodass hier auch kein Problem mit fehlenden Leitungsnetzen oder Zwischenspeichern entsteht. Eine Rückführung der Energie aus dem Gas- ins Stromnetz ist damit zugleich gewährleistet. Die bei der Windkraft entstehenden Stromüberkapazitäten lassen sich dabei ohne Probleme im Gasnetz speichern.

Dass Elektroautos, wie häufig gesagt wird, als Zwischenspeicher für Stromüberkapazitäten genutzt werden können, ist aufgrund der dort anfallenden Energiemenge indes nur in einem zu vernachlässigendem Maße möglich. Der Vorteil der durch Wind- und Solarkraft erzeugten Energie beziehungsweise Kraftstoffe liegt auch darin, dass sie im Vergleich zur Biomasse "in der Fläche praktisch nicht limitiert sind", wie Michael Sterner vom Fraunhofer Institut sagt.

Auch VW steigt in Offshore-Windparks ein

Die Energiekette der Energiekette bei Balanced Mobility Audi

Die Autobauer selbst haben angesichts der Endlichkeit fossiler Energieträger und der durch Fukushima beschleunigten Diskussion um eine Energiewende erkannt, dass sie sich nicht nur auf die Politik und Energieversorger beim Ausbau regenerativen Energien verlassen können. Sie nehmen das Heft des Handelns lieber selbst in die Hand. Wie Audi ließ auch der Mutterkonzern VW Ende der vergangenen Woche wissen, dass man in Offshore-Windparks investiert. Mit dem dort gewonnenen grünen Strom lassen sich die Kunden auch schneller vom Kauf eines Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuges überzeugen.

Denn nach allen Umfragen legen sie Wert darauf, Elektroautos auch mit erneuerbaren Strom zu versorgen. Als netten Nebeneffekt eines solchen Engagements können sich die Autobauer auch darüber freuen, dass man sich mit der Erzeugung grünen Stroms nicht nur als klimafreundliches Unternehmen inszenieren, sondern damit auch noch Geld verdienen kann. Neben dem Engagement in die Offshore-Windparks überlegt der VW-Konzern beispielsweise, wie die im Werk Salzgitter entwickelten Blockheizkraftwerke, die mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent Strom erzeugen können, auch für die Elektromobilität genutzt werden können, wie der Leiter Elektrotraktion, Rudolf Krebs unlängst im Interview mit der Autogazette angekündigt hatte.

Ab 2014 vielleicht nächste E-Gas-Anlage

Der Audi A3 TCNG wird bivalent angetrieben Audi

Doch zurück zu Audi. Die Ingolstädter lassen ihren selbstbewussten Worten mit Blick auf die nachhaltige Mobilität mit dem Projekt "Balanced Mobility" endlich auch einmal Taten folgen und setzen damit auf Vorsprung durch Nachhaltigkeit. Derzeit lassen sich mit der erwarteten Gasmenge aus der Pilotanlage 1500 A3 TCNG jeweils 15.000 Kilometer im Jahr bewegen. Sollte sich das Projekt positiv entwickeln, könnte bereits im Jahr 2014 eine weitere E-Gas-Anlage folgen. Im Jahr 2020 könnte die Zahl der mit e-gas betriebenen Fahrzeuge nach Aussagen des Fraunhofer-Instituts schon bei 40.000 Fahrzeugen liegen. Gute Aussichten also für den Weg zu einer emissionsfreien Mobilität.