Konzern-Chef Müller schaltet sich in VW-Kernmarkenstreit ein

Keine Einigung bei den Boni

VW-Chef Mathias Müller (r.) und Bernd Osterloh (l.)
VW-Chef Mathias Müller (r.) und Bernd Osterloh (l.) © dpa

Nach den Unstimmigkeiten zwischen dem Betriebsrat und den Verantwortlichen der VW-Kernmarke hat nun Konzern-Chef Matthias Müller den Kurs vorgegeben. Dagegen steht eine Lösung bei dem umstrittenen Verzicht der Vorstands-Boni noch aus.

Konzernchef Matthias Müller hat sich in die in der vergangenen Woche eskalierten Streitigkeiten zwischen der VW-Kernmarke und dem Betriebsrat eingeschaltet. Mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh vereinbarte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG konkrete Schritte für die Initiative Volkswagen 2025, in deren Verhandlungen standortsichernde Maßnahmen erarbeitet werden sollen.

„Das Präsidium des Aufsichtsrats und der Konzernvorstand begrüßen die Initiative der Arbeitnehmer, die Zukunft in konstruktivem Dialog gemeinsam gestalten zu wollen. Die Marke Volkswagen steht für über die Hälfte aller weltweiten Produktionsstandorte des Konzerns und hat als volumenstärkste Marke für den Volkswagen Konzern besondere Bedeutung. Betriebsrat wie Vorstand stehen zu ihrer Verantwortung für die über 215.000 Mitarbeiter. Eine klare Strategie ist für die Zukunft der Marke unerlässlich", sagte Müller.

Osterloh sieht starkes Signal

In der vergangenen Woche kam es zum offenen Bruch zwischen Osterloh als Vertreter der Arbeitnehmer und Herbert Diess, dem Chef der Kernmarke VW, der die Verhandlungen führen soll, in denen 65 kurz- und mittelfristige Maßnahmen und Investitionen behandelt werden.

Osterloh zeigte sich erfreut, das Müller sich eingeschaltet hat. „Dies ist ein starkes Signal in die gesamte Mannschaft von Volkswagen. Wir wollen gemeinsam die Auswirkungen des Abgasskandals meistern und gleichzeitig Volkswagen in das Zeitalter der Elektromobilität und Digitalisierung führen. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass unsere Standorte in den kommenden Jahren noch hauptsächlich von konventionellen Fahrzeugen geprägt sein werden. Deswegen werden wir kurz-, mittel- und langfristige Ziele miteinander besprechen und vereinbaren."

Porsche und Weil begrüßen Einigung

Auch Wolfgang Porsche als „Vertreter des größten Aktionärs“ sowie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil begrüßten die gemeinsame Initiative. „Wir kennen und schätzen die Herren Müller und Osterloh als verantwortungsvolle Persönlichkeiten, denen es stets um das Wohl von Volkswagen geht. Ich bin überzeugt, dass es gelingen wird, gute Lösungen für VW, seine Beschäftigten und die Aktionäre zu finden", so Porsche.

Weil begrüßte die Einigkeit, dass „Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung bei Volkswagen auch künftig gleichrangige Unternehmensziele sind. Dem Land Niedersachsen geht es dabei um eine nachhaltige Stärkung der Marke Volkswagen und ihrer weltweiten Standorte. Als Aktionär haben wir eine Verantwortung, die über Niedersachsen hinaus geht und die wir mit großem Engagement verfolgen."

Keine Lösung bei Boni

Während bei Volkswagen damit ein Brandherd erst einmal eingedämmt ist, gab es bei den umstrittenen Bonuszahlungen noch keine Lösung. "Die Vorstandsboni sind Gegenstand laufender Diskussionen in den VW-Gremien, deren Ergebnis kann und möchte ich nicht vorweggreifen", sagte Weil im Anschluss an die knapp dreistündige Sitzung in Wolfsburg der Deutschen Presse-Agentur. Bis zum 28. April muss es eine Einigung geben. Dann will der Autobauer seine Jahresbilanz vorstellen.

Bei den obersten Kontrolleuren von VW gehen die Meinungen über die Bonuszahlungen weit auseinander. Nach dpa-Informationen befürworten der Betriebsrat, das Land Niedersachsen und die IG Metall wegen des Abgas-Skandals eine deutliche Reduzierung der millionenschweren Sonderzahlungen. Dem Vernehmen nach liegen bereits mehrere Ansätze auf dem Tisch. So soll Vorstandschef Matthias Müller eine Senkung um rund ein Drittel vorgeschlagen haben. Jedoch gebe es innerhalb des Vorstands auch Vertreter, die auf vollen Zahlungen entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen bestehen.

Andere Forderungen gehen von einem Komplettverzicht bis zur Abführung eines Teils der Boni in eine Stiftung. Die Boni sind ein sehr heikles Thema für den kriselnden Konzern. Ihre Höhe oder ein möglicher freiwilliger Verzicht dürften im Strudel der Abgas-Affäre nicht nur eine große öffentliche Signalwirkung haben - auch bei den Mitarbeitern werden die Verhandlungen genau verfolgt. (AG/dpa)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.