«Formel E zeigt, welches Potenzial in Elektromobilität steckt»

Schaeffler-Entwicklungschef Peter Gutzmer

Schaeffler-Entwicklungsvorstand Peter Gutzmer.
Schaeffler-Entwicklungsvorstand Peter Gutzmer. © AG/Mertens

Der Autozulieferer Schaeffler nutzt die Formel E als Erprobungsfeld für die Elektromobilität. Im Motorsport habe man die Gelegenheit, diese Technologie in ihren Grenzbereichen kennenzulernen, wie Entwicklungsvorstand Peter Gutzmer sagte.

Von Frank Mertens

Der Automobilzulieferer Schaeffler wird bis zum Jahr 2020 eine Milliarde Euro in die Elektromobilität investieren. „Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Schaeffler-Entwicklungsvorstand Peter Gutzmer am Freitag im Vorfeld des morgigen Formel E-Rennens in Berlin.

Dass sich der Zulieferer in der Formel E beim Team Abt Schaeffler als Technologiepartner engagiert, kommt nicht von ungefähr. Denn die im Motorsport gesammelten Erfahrungen mit der Elektromobilität seien enorm wichtig für die Serienfertigung von Elektroautos. Das reiche unter anderem von der Effizienz des Antriebs, der Auslegung von Motor und Getriebe bis hin zum Thermomanagement, wie Gutzmer betonte. So stehe man vor dem Anfang einer neuen Dekade der Mobilität der Zukunft.

„Mit der Formel E haben wir als einer der Schlüssel-Partner im automobilen Umfeld die Gelegenheit, diese Technologie in einer frühen Phase in ihren Grenzbedingungen und im Wettbewerb kennenzulernen.“ Wie Gutzmer sagte, zeige die Formel E, welches Potenzial in der Elektromobilität steckt.

Team Abt Schaeffler erfolgreich unterwegs

Das Engagement in der Formel E habe sich für den Zulieferer dabei bereits ausgezahlt, wie die Erfolge des Teams Abt Schaeffler in den bisherigen sieben Rennen zeigen würden. „Lucas di Grassi stand bislang bei jedem Rennen auf dem Podest“, stellte Gutzmer zufrieden fest. Beim vergangenen Rennen in Paris sicherte sich der Brasilianer sogar den Sieg.
Doch die Erfolge in der Rennserie sind das eine, die Marktdurchdringung der Elektromobilität das andere. Das weiß Gutzmer nur zu gut. Dennoch zeigt sich der Schaeffler-Entwicklungsvorstand zuversichtlich, dass rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge in „zehn bis 15 Jahr auf einen Anteil von acht bis 20 Prozent“ am weltweiten Fahrzeugbestand kommen. Der Anteil der Verbrennungsmotoren wird bis dahin unter 50 Prozent liegen, glaubt Gutzmer.

Eine Spanne von acht bis 20 Prozent ist groß und zeigt auf, wie groß die Unsicherheit in der Branche mit Blick auf die Elektromobilität ist. Das liegt daran, dass der Markthochlauf von vielen Faktoren abhängig ist. Dazu gehören neben einer höheren Reichweite, einem niedrigeren Preis auch Rahmenbedingungen wie eine gute Ladeinfrastruktur, wie Gutzmer anmerkt. Doch selbst in Deutschland hat man erkannt, dass ohne die richtigen Rahmenbedingungen die Elektromobilität keine Fahrt aufnimmt. Entsprechend hat sich die Bundesregierung nach langem Zögern entschlossen, Elektroautos mit einer Kaufprämie von 4000 Euro und Plug-in-Hybride mit 3000 Euro zu fördern. Insgesamt stehen dafür 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung, wovon die Autobauer die Hälfte zusteuern. Daneben investiert der Staat 300 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Langsamer Übergang zu neuen Antrieben

Lucas Di Grassi
Die Fahrerbox von Abt Schaeffler AG/Mertens

Für Gutzmer ist bei allen Diskussionen um den Antrieb der Zukunft klar, dass es nicht von jetzt auf gleich den Übergang von einem zum anderen Antrieb geben wird. Es wird auf absehbare Zeit neben dem Elektroauto auch den Plug-in-Hybriden wie auch das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor geben. Entsprechend wird Schaeffler seinen Kunden auch alle drei Lösungen anbieten, wie Gutzmer betont, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Schaeffler ist.

Die Investition von einer Milliarde Euro jedenfalls ist eine Wette auf die Zukunft der Elektromobilität. Dass sie irgendwann kommen wird, ist klar. Ob es indes in zehn, 15 oder 20 Jahren einen Massenmarkt für E-Autos geben wird, kommt dem Blick in die Glaskugel gleich. Doch so ist es wohl immer, wenn eine Branche wie die Automobilindustrie mit Themen wie der Elektromobilität, Vernetzung und dem automatisierten Fahren vor einem Paradigmenwechsel steht. Wie schnell er kommen wird, lässt sich nicht eben nicht mit Bestimmtheit sagen. Doch eines steht fest. „Die Automobilindustrie wird sich in den nächsten zehn Jahren stärker verändern, als dass sie es in den zurückliegenden 30 Jahren getan hat“, so Gutzmer. Und Schaeffler möchte am Ende zu denen gehören, die mit ihren Technologien für die Autobauer zu den Schlüsselpartnern gehören.