Reisebeschränkungen in Europa: Bleibt zu Hause

Eine wegen des Coronavirus leere Autobahn A5 bei Achern in Baden-Württemberg. © dpa

In den Jahren vor Corona gehörte Ostern zu den Hauptreisezeiten. Nun ist alles anders. In ganz Europa herrschen Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie.

In der Coronakrise können Millionen Menschen in diesem Jahr entweder gar nicht eine Osterreise antreten oder nur unter massiven Einschränkungen feiern. In allen Bundesländern herrschen mittlerweile strenge Ausgangsbeschränkungen. Wer dagegen verstößt, hat mit Bußgeldern zu rechnen. Die Wohnung darf nur unter bestimmten Voraussetzungen verlassen werden und alle Fahrten mit dem Auto sind ebenfalls aufs Minimum zu beschränken.


Auch im Ausland sieht es nicht anders aus: Hier versuchen vielen europäische Länder mit Ein- und Ausreiseverboten und Straßenkontrollen den Osterreiseverkehr einzuschränken, oder gar zu verhindern. Millionen Menschen werden in diesem Jahr nur unter massiven Einschränkungen das Osterfest feiern.

Frankreich

Ein Smart unterwegs in Paris. Foto: Daimler

Frankreichs Innenminister hat vor den Osterfeiertagen betont, dass angesichts der Coronavirus-Pandemie nicht verreist werden sollte. „Wir machen während der Ausgangsbeschränkungen keinen Urlaub“, sagte Christophe Castaner dem Fernsehsender LCI am Mittwoch. Er kündigte für Freitag verstärkte Kontrollen an den Ausgangsorten für Urlaubsreisen an. Auch das Angebot an Zügen für das Wochenende sei dazu reduziert worden.

Österreich

An Osterreisen ist in Österreich kaum zu denken: Bis mindestens zum Ostermontag soll das Land weiter in Minimalbetrieb laufen. Es gelten Ausgangsbeschränkungen, zudem sind zahlreiche Geschäfte geschlossen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat zudem am Montag mitgeteilt, dass alle Hotels schließen müssen.

Schweiz

Verboten sind Osterausflüge in der Schweiz zwar nicht, die Schweizer dürfen sich noch allein oder im Familienverbund draußen bewegen. Aber die Ferienkantone Graubünden und Tessin, die an Italien grenzen, wollen keine Feriengäste. Bleibt zu Hause! – Diesen Appell richteten sie diese Woche an die Landsleute.

Belgien

Auch in Brüssel wird es einen solchen Verkehr in den kommenden Wochen nicht geben. Foto: dpa

In Belgien gelten die Ausgangsbeschränkungen auch für Fahrten an die Küste oder in die Ardennen. Unnötige Fahrten sind nicht erlaubt – und Ausflüge und Urlaub gehören dazu. Diese Regelung gilt derzeit bis einschließlich 19. April und wird von der Polizei kontrolliert. Selbst die Brüsseler dürfen die Stadt nicht mit dem Auto verlassen, um in umliegenden Wäldern spazieren zu gehen. Radtouren sind erlaubt – wenn man den erlaubten Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Menschen hält.

Niederlande

Die Niederland wollen deutsche und andere ausländische Touristen von Einreisen über die Ostertage abhalten. Wie das geschehen soll, sollte die Regierung bei einer für Donnerstag anberaumten weiteren Corona-Krisensitzung erörtern.

Tschechien

Tschechien hat ein Einreiseverbot für Ausländer und ein Ausreiseverbot für tschechische Staatsbürger verhängt, das derzeit bis Ostersonntag gilt und verlängert werden dürfte. Hotels und Restaurants sind geschlossen, es gelten Ausgangsbeschränkungen. „Ostern werden wir leider alle zu Hause verbringen müssen“, sagte Regierungschef Andrej Babis in einem Zeitungsinterview.

Polen

In Polen hat die Regierung alle Parks, Strände und Naherholungsgebiete für die Öffentlichkeit gesperrt. Hotels und Pensionen wurden geschlossen. Orte mit touristischem Wert würden ab sofort von der Polizei genau kontrolliert, sagte Innenminister Mariusz Kaminski. Derweil beklagen die Bürgermeister mehrerer Orte in der beliebten Ferienregion Masuren, dass sich Gäste aus der Hauptstadt unerlaubt in Hotels und Privatunterkünften einquartierten.

Italien

In Italien gelten nun bis nach Ostern alle bisher geltenden Sperren. Diese besagen auch, dass niemand sich aus seiner Kommune fortbewegen darf – nur zu Arbeitszwecken oder in gesundheitlichen Notfällen. Das heißt somit auch, dass alle Reisen aus purem Vergnügen nicht gestattet sind.

Großbritannien

Das London Taxi von LEVC vor der Tower Bridge. Zu Ostern wird es kaum Touristen in London geben. Foto: LEVC

Kurz bevor die Ausgangsbeschränkungen eingeführt wurden, reisten viele Menschen in Großbritannien aus Ballungsräumen zu Zweitwohnungen und Wohnwagensiedlungen in ländliche Gebiete und an die Küste. Die Regierung will verhindern, dass es erneut dazu kommt. Von unnötigen Reisen wird daher gewarnt. Nur wer zur Arbeit reisen muss, darf das weiterhin tun.

Norwegen

Elektroautos in Oslo beim Laden. Foto: dpa

Auch die Norweger sind angehalten, keine Reisen zu unternehmen, die nicht unbedingt notwendig sind. Der Osterurlaub ist damit gestrichen. Doch was die Norweger besonders hart trifft, ist, dass sie nicht einmal auf ihre Hütte fahren dürfen, es sei denn, sie liegt in ihrer Heimatgemeinde. Wer trotzdem in die Berge fährt, riskiert eine saftige Geldstrafe.

Spanien

In Spanien dürfen die Menschen inzwischen bis auf wenige Ausnahmen nicht einmal das Haus verlassen. Bei Zuwiderhandlung drohen hohe Geld- und auch Haftstrafen. Dutzende Regelbrecher wurden bereits hinter Gitter gesteckt, so dass wohl kaum jemand auf die Idee kommen wird, eine Osterreise zu planen. In Portugal gelten ähnlich strikte Ausgangsbeschränkungen.

Griechenland

„Diese Ostern werden anders sein.“ Mit diesem Satz bereitete der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis seine Landsleute darauf vor, dass das traditionelle griechische Osterlamm oder -zieglein dieses Jahr wohl im Ofen gebacken statt wie sonst im Freien gegrillt wird. „Wir bleiben dieses Jahr zuhause“, sagte er. Weil die orthodoxe Kirche am alten julianischen Kalender festhält, wird Ostern in Griechenland in diesem Jahr eine Woche später gefeiert als von katholischen oder protestantischen Gläubigen. Schulen, Bars, Tavernen und Geschäfte sind in Griechenland geschlossen. Niemand darf auf eine Insel fahren, wenn er dort nicht seinen Wohnsitz hat.

Rumänien

In Rumänien stellt sich weniger das Problem mit Osterreisen innerhalb des Landes, als vielmehr mit dem traditionellen Massenansturm der Rumänen aus dem Ausland. Staatspräsident Klaus Iohannis hat die Diaspora-Rumänen schon vor zwei Wochen in einer TV-Ansprache dazu aufgerufen, diesmal zu Ostern nicht in die Heimat zu kommen. Dennoch erwartet das Innenministerium, dass etwa 200 000 Rumänen aus dem Ausland kommen werden. Diese dürfen – anders als Ausländer – weiterhin einreisen. (dpa)

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