Oldtimerkauf: Darauf sollten Einsteiger achten

Der Porsche 911 Carrera RS 2.7. Foto: Porsche
Seltene Oldtimer wollen gut gepflegt sein. © Porsche

Oldtimer sind beliebt. Gerade auch als Geldanlage. Doch worauf sollten Interessenten achten, wenn sie an einem Auto mit H-Kennzeichen interessiert sind? Wir haben einige Tipps zusammen gestellt.

Es gibt unzählige Gründe, für einen Teil seiner automobilen Bedürfnisse auf etwas zu setzen, das mehrere Jahrzehnte vor der Gegenwart vom Band gelaufen ist. Für die allermeisten dürfte es jedoch die Tatsache sein, dass Oldtimer vor allem eine Menge Spaß machen – und das gilt nicht nur für die rasanten Vertreter der S-Klasse von Mercedes.


Oldtimer bieten ein Hobby, sprechen eine Designsprache, die längst aus dem Straßenbild verschwunden ist – und animieren so manche Passanten-Mundwinkel zu Aufwärtsbewegungen. Doch ist das Oldtimerhobby auch ein etwas widerspenstiges Steckenpferd, wenn man keine Routine damit hat. Unser Ratgeber zeigt allen, die sich zwar interessieren, aber noch keine Oldtimerbesitzer sind, die wichtigsten Grundlagen rund um die Anschaffung des ersten „Altblech“-Schatzes.

1. Ein anfängertaugliches Modell wählen

Ein formschönes Coupé:; der BMW 2000 CS. Foto: BMW

Es gibt zigtausende Fahrzeugmodelle, die älter als 30 Jahre sind und damit den offiziellen Status eines Oldtimers haben. Jedoch sind längst nicht alle davon Fahrzeuge, die als Erst-Oldie taugen. Im Gegenteil, viele sind ausgesprochene Experten-Oldtimer.

1. Es handelt sich um sehr alte Fahrzeuge, speziell Vorkriegsmodelle. Diese Stücke sind in jeglicher Hinsicht anders als heutige Autos, das gilt auch fürs Fahren und die Reparierbarkeit. Außerdem sind die meisten Vorkriegsmodelle gesuchte, entsprechend hochpreisige Raritäten.

2. Es handelt sich um Fahrzeuge mit schwieriger bis katastrophaler Ersatzteilversorgung. Häufig sind es Modelle von untergegangenen Marken. Oft aber auch Fahrzeuge von weiterhin bestehenden Herstellern, bei denen die Ersatzteilbeschaffung aus anderen Gründen schwierig ist. Vorsicht: Solche Fahrzeuge sind oft erstaunlich günstig.

3. Die Fahrzeuge gelten als sehr reparatur-/wartungsintensiv. Das können beispielsweise italienische Fahrzeuge der 1970er sein, die praktisch durch die Bank einen miserablen Rostschutz hatten und dementsprechende Karosseriebau-Künste benötigen – auch andere Marken hatten damit zu kämpfen.

Die empfohlene Vorgehensweise

1. Eine Liste mit mindestens zehn generell interessanten Fahrzeugmodellen erstellen. Verhältnismäßig junge Oldtimer aus den 1980ern und -70ern – diese entsprechen in Sachen Fahrbarkeit am ehesten heutigen Autos.

2. Jedes dieser Fahrzeuge durch Internet-Recherche, Gespräche in Foren/Social-Media-Gruppen sowie das Lesen von Fahrzeugmagazinen auf die genannten Faktoren „durchleuchten“.

3. Nach und nach aussieben, bis man sich auf zwei, drei Stücke fokussiert hat.
Unter diesen Modellen beginnt man nun die Suche.

2. Mehr Geld für ein „Einsteigen-losfahren“-Exemplar ausgeben

1. Man gibt für den Ankauf wenig Geld aus, indem man ein Fahrzeug erwirbt, das viel Arbeit benötigt, bis es auf die Straße kann.

2. Man gibt mehr Geld aus und erwirbt ein Fahrzeug, das keine unmittelbaren Reparaturen benötigt.

Langfristig verursacht beides vergleichbare Kosten; dennoch sollten Anfänger die zweite Variante anpeilen. Zum einen, weil die wenigsten Einsteiger über automechanische Reparatur-/Restaurations-Routine (und den dazu notwendigen Werkzeug-Grundstock) verfügen. Zum anderen, weil es die Lust hemmt, wenn man sich monatelang herumplagen muss, bevor man die schönen Seiten des Oldtimerbesitzer-Daseins genießen kann.

Anders gesagt: Als Anfänger sollte man „Nägel mit Köpfen“ machen. Hinsichtlich eventuell nötiger Kredite gibt es dafür spezielle Angebote auch für Gebrauchtes. Sie kann man mit einer langen Laufzeit, entsprechend niedriger monatlicher Belastung, kombinieren – der Oldie ist ja kein Gebrauchsfahrzeug, sondern wird viele Jahre im Besitz bleiben. Was an Wartungsarbeiten anfällt, lässt sich aus der Haushaltskasse bestreiten. Auf diese Weise kann man von Anfang an erst einmal fahren, genießen und mit niedrigschwelligen Wartungsarbeiten die handwerklichen Grundlagen erlernen.

3. Nicht blind das „H“ anpeilen

VW Buli. Foto: VW
Ein VW Bulli mit H-Kennzeichen. Foto: VW

Wer sich ins Oldie-Thema einliest, wird dabei immer wieder über das H-Kennzeichen stolpern. Ein bundesdeutsches Verneigen vor historischer Automobilkultur. Und als solches mit dem schmackhaften Extra versehen, die jährliche Steuer ungeachtet von Hubraum und Schadstoffklasse auf 192 Euro festzulegen – und sämtliche Fahrverbote, Feinstaubplaketten etc. ignorieren zu dürfen. Sehr verlockend. Kein Wunder also, dass die Zahlen angemeldeter Oldtimer mit H-Kennzeichen seit Jahren steil nach oben gingen – waren es 2006 noch 140.000 Stück, rollten 2018 bereits 535.000 durch die Straßen. Aber: Als angehender Oldtimerbesitzer sollte man das H-Kennzeichen nicht als Must-Have ansehen.

1. Die Erteilung ist an einen recht strengen Bewertungskatalog geknüpft, der viele Umbauten schwierig macht oder gar verunmöglicht. Außerdem zwingt er einen dazu, konsequent auf einen guten Allgemeinzustand zu achten; das machen zwar die allermeisten Oldtimerbesitzer auch so, dennoch ist es ein weiterer Zwang.

2. 192 Euro im Jahr mögen für einen alten Chevrolet mit sieben Litern Hubraum ein unschlagbar günstiger Steuersatz sein. Für viele andere Oldtimer ist es jedoch ein Nullsummen- oder gar Verlustspiel. Sie wären mit einer regulären Besteuerung, selbst gegenüber H-Saisonkennzeichen, günstiger zu unterhalten.

Der erste Punkt wird, wenn man den zweiten Tipp dieses Textes beachtet, nicht sonderlich ins Gewicht fallen; für den zweiten indes sollte man sich mit dem Taschenrechner hinsetzen und sorgsam durchkalkulieren. Das Bundesfinanzministerium offeriert dazu auch ein Tool (hier bitte als Fahrzeugart nicht „Oldtimer“, sondern „PKW EZ bis 04.11.2008“ wählen).
Sollte die Steuer dicht an der des H-Kennzeichens oder sogar darunter liegen, sollte man vom „H“ absehen, dann hat es nur Nachteile.

4. Niemals ohne Garage kaufen

Der Lloyd LP400. Foto: SP-X

So mancher Interessent wird unterwegs schon am Straßenrand stehende Oldtimer gesehen haben. Manche vielleicht sorgsam in „Stoffgaragen“ verpackt und damit anzeigend, dass sie wohl gerade überwintern. Doch so verlockend das klingen mag: Bevor man sich einen Oldtimer anschafft, sollte man garantieren, dass er geschützt untergebracht ist.

1. Der Diebstahlschutz der allermeisten Oldtimer ist aus technischen Gründen sehr schlecht – wo keine Elektronik verbaut ist, funktioniert auch keine elektronische Wegfahrsperre. Und mechanische Sperren sind von Profis schnell überwunden. Bitte auch an Vandalismus denken.

2. Viele Versicherungen offerieren sehr günstige Tarife für Oldtimer in der Annahme, dass diese nur wenig und dazu schonend bewegt werden. Die meisten Firmen koppeln diese Tarife jedoch zwingend an das Vorhandensein einer abschließbaren Garage.

3. Rostschutz war wie erwähnt bei vielen früheren Fahrzeugen nicht ein solches Thema wie heute. Zudem hat der Lack wahrscheinlich ebenso viele Jahrzehnte erlebt wie das Auto. Beides Gründe, die ein wirklich wettergeschütztes Unterbringen rechtfertigen – ganz abgesehen von Hagel und sonstigen Wetterkapriolen.

4. Man wird zumindest die grundlegenden Wartungsarbeiten selbst durchführen wollen. Außer bei Notfall-Reparaturen darf man jedoch davon ausgehen, je nach Wohnort durch ein „Schrauben am Straßenrand“ sehr schnell Probleme mit dem Ordnungsamt zu bekommen.

5. Man wird sich teure Werkzeuge anschaffen, auch Ersatzteile. Die nehmen im Lauf der Zeit bei vielen Oldie-Enthusiasten erstaunliche Flächen ein und wollen natürlich auch geschützt untergebracht sein.

Das Optimum ist eine Garage auf dem eigenen Grundstück. Doch wenn das nicht möglich ist, sollte man versuchen, im näheren Umkreis eine Mietgarage zu finden – vielleicht auch mithilfe des „Foren-Buschfunks“ in Form einer gemeinsam gemieteten Schrauber-Halle. Langfristig ist nur das für den Werterhalt eine Option.

5. Engländer und Amerikaner nur in Ausnahmefällen

Triumph Spitfire, Ford Cortina, Ford F150, Dodge Monaco… Fahrzeuge britischer und US-amerikanischer Herkunft erfreuen sich bei Enthusiasten seit Jahren großer Beliebtheit. Gerade im Fall der US-Fahrzeuge liefern sie vielfach alle Merkmale eines anfängertauglichen Autos – durch die langen Bauzeiten und eine umfassende Fahrzeugplattform-Politik haben die meisten „Amis“ eine großartige Ersatzteilversorgung. Dennoch sollte man nicht als Anfänger auf diese Herkunftsländer setzen. Warum? Zoll! Nein, nicht die Behörde, sondern das Maß. Bei britischen Fahrzeugen bis weit in die 1970er, bei US-Fahrzeugen meist bis heute ist jedes einzelne Gewinde zöllig.

Heißt, man muss jeden Schraubenschlüssel, jede Steckschlüssel-Nuss im spezialisierten Handel teuer besorgen, kann nur sehr wenig im Heimwerkermarkt erstehen – dort herrscht, wie in fast der gesamten restlichen Welt, das metrische System vor.

Bei den alten Briten kommt zudem noch eine vielfach verfluchte elektrische Tatsache hinzu: Normalerweise wird der Minuspol (= die Masse) der Batterie mit der Karosserie verbunden und auch die Massekabel aller Verbraucher. Für den Pluspol werden Kabel gezogen. Auf der Insel hingegen wurde es lange Zeit umgekehrt gehandhabt, was nicht nur ein Umdenken bei jeder Reparatur bedeutet, sondern auch herbe Probleme beim Einbau von Zubehör bereiten kann (etwa Autoradios). Ein generelles No-Go sind beide Tatsachen zwar nicht, aber man sollte sie bei der Wahl definitiv im Hinterkopf behalten.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein