Range Rover P400e: Britischer Edelstromer

Range Rover P400e. Foto: Land Rover
Der Range Rover ist nun auch mit einem Plug-in-Hybrid erhältlich. Der Name des Modells: P400e. © Land Rover

Keiner der selbsternannten Premium-Hersteller kommt mehr ohne ihn aus. Ohne den Strom im Auto. Elektro-, Plug-In-Hybrid- oder Hybridfahrzeuge sind ein Muss. Das hat auch Land Rover erkannt und bringt den Range Rover P400e.

Unter dem imposanten Blechkleid des 2,5 Tonnen schweren Alu-Trumms sorgt ein zierlicher Zweiliter-Vierzylinder in Kombination mit E-Power für den nötigen Vortrieb. Nichts. Überhaupt nichts deutet von außen auf den Strom im Inneren hin. Kein Aero-Firlefanz, kein Leichtlauf-Gedöns und erst recht keine albern lackierten Bremssättel in 90er-Jahre-Neon.


Der Range Rover 2.0 Liter P400e Plug-in Hybrid entlarvt sich lediglich durch den Schriftzug am Heck (der ist kein Muss) und die unscheinbare Handflächen-große Klappe vorne neben dem linken Scheinwerfer als Teilzeitstromer Diese, nicht von hoher Materialgüte strotzende Abdeckung beherbergt den Anschluss fürs Ladekabel.

In knapp drei Stunden geladen – aber nur mit 32 Ampere

Range Rover P400e. Foto: Land Rover
Aufgeladen wird der Range Rover P400e vorn. Foto: Land Rover

Wird das eine Ende des Ladekabels dort eingestöpselt, lädt sich der unter dem Kofferraum integrierte 13,1 kWh-Akku in knapp drei Stunden. Zumindest dann, wenn man das andere Ende mit einer 32 Ampere/7kW Lademöglichkeit verbindet. Diese gibt’s an Strom-Tankstellen und manchmal auch in Hightech-Firmen; selten jedoch zuhause. Realistischer ist also das Vollladen über Nacht, in der eigenen Garage.

Gut sieben Stunden gibt Land Rover für den Ladevorgang an – je nach Absicherung der Hausleitung kann’s aber auch mehr sein. Schnelladen via CCS (Combined Charging System), also den Schnellladestandard, auf den sich die europäische Autoindustrie geeinigt hat, bietet der Plug-In-Range Rover nicht. Ist der Akku voll, könnte das SUV laut Herstellerangabe 51 Kilometer elektrisch rollen, maximal sind sogar 137 km/h im E-Modus möglich – mit Abstrichen bei der Reichweite, versteht sich.

E-Modus einstellbar

Der Fahrer hat jederzeit die Kontrolle über die Herausgabe des Stroms. Er kann ihn bis zur City sparen oder direkt ab Start alles verfeuern. Wenn keine Option getroffen wird, pendelt sich der P400e auf eine Kombination aus Strom und Benzin ein – Hybrid eben. Dann berechnet eine mit dem Navi verwobene Software schlau, wie stark elektrisiert Berge erklommen werden können und im Abgang ein Großteil dieser verbrauchten Energie wieder rekuperiert werden kann und gibt in solch einem Fall mehr Strom frei, als der Fahrer vermuten würde.

Das Gute: Keiner bekommt von all dem Treiben etwas mit. Es funktioniert einfach. Eine Rekuperations-Taste am Lenkrad, die oft als Bremse fungieren kann, bietet der Plug-In hingegen nicht. So ist es sinnvoll, noch vorausschauender zu fahren, um möglichst wenig die gewaltige Bremsanlage mit 380 Millimeter-Scheiben vorne zu nutzen.

2,8 Liter Normverbrauch als Augenwischerei

Range Rover P400e. Foto: Land Rover
Im Range Rover P400e ist der Energiefluss auf dem Mitteldisplay zu verfolgen. Foto: Land Rover

Der Normverbrauch beträgt 2,8 Liter (64 Gramm CO2/Kilometer). Das ist Augenwischerei, denn bei den ersten 100 Kilometer werden noch die 51 elektrischen Kilometer voll angerechnet. Stehen die zweiten 100 Kilometer an – und damit sind wir bei der Realität – kann lediglich eine Hybridunterstützung (durch Energierückgewinnung) helfen, den Benzindurst in Zaum zu halten. Laut Land Rover hat der P400e eine Reichweite von 1387 Kilometer mit vollem Akku und vollem Benzintank (90 Liter), was einen errechneten Verbrauch von rund 6,5 Liter ergibt. Wir vermuten aufgrund unserer 250 Test-Kilometer, dass ein realistischer Verbrauch von knapp unter zehn Litern möglich sein sollte. Wer eine Pendelstrecke von unter 40 Kilometer hat, schafft die Distanz meist rein elektrisch.

Getriebe von ZF

Der direkt ins ZF-Getriebe integrierte E-Motor ist jedoch nicht nur zum Sparen zu gebrauchen. Er verleiht dem Range Rover die von ihm erwartete Souveränität. Werden die vollen 404 PS abgerufen, macht sich der kleine Vierzylinder deutlich bemerkbar. Die beiden Antriebspartner brauchen eine Gedenksekunde und es scheint, als ob sie knobeln, wer den Insassen zuerst ins Kreuz treten darf. Die meiste Kraft liefert der 300 PS Zweiliter-Benziner, die restlichen 104 errechnen sich aus der E-Leistung des Stromantriebs (eigentlich 85 kW). Und beide zusammen liefern 640 Newtonmeter Drehmoment. Die 8-Gang-Automatik agiert im Eco-Modus elegant und unauffällig. Die Schaltvorgänge sind weich und schnell, exakt so, wie das gesamte Fahrzeug.

Sportliche Talente können beim Range gesucht werden, zu finden sind sie jedoch nicht. Selbst im Dynamik-Modus, der unter anderem die Luftfederung extrem strafft, wankt der 1,84 Meter hohe Range um die Kurven und die Automatik sucht dann hektisch nach dem vermeintlich passenden Gang – wer will das?

Leider sind jedoch auch die Fahr-Komfort-Merkmale nicht unbedingt das, was der eine oder andere Lord von seinem Untersatz erwartet. Kurze Stöße beantworten speziell die vorderen Dämpfer mit Krampf, lange Wellen mit Schaukeln. Es ist nicht nervig, aber eine konventionelle, gute Stahlfederung ist hier oft im Vorteil.

22 Zentimeter Bodenfreiheit

Die kann jedoch nicht die variable Standhöhe bieten, die auch die Hybridvariante ab Werk bereit hält. 22 Zentimeter sind unter dem Range Luft – bei Normal-Niveau. 90 Zentimeter tiefe Wasserdurchfahrten dürfen angegangen werden, schweres Gelände ist mit dem Hybrid ein echter Spaß. Und in manchen Regionen der Welt ist der Hybrid beim Offroad-Fahren deutlich im Vorteil. Oberhalb von 4000 Metern wird die Luft dünn. Mensch und Motoren atmen schwer, leisten weniger; und es kommt vor, dass der Verbrenner – beispielsweise beim Rangieren – kraftlos abstirbt.

Ein E-Motor stirbt auch auf 6.000 Meter nicht ab – garantiert. Und die E-Kraft kann sehr sanft eingesetzt werden und ermöglicht millimetergenaues Fahren. Vielleicht ist der P400e sogar der beste Range Rover für den Offroad-Einsatz. Wer hätte das gedacht.

Dass der 2.0 Liter P400e Plug-in Hybrid 220 km/h schafft, ist ebenso Makulatur wie die Längsbeschleunigung auf GTI-Niveau. Wen das wirklich interessiert, der soll sich bitte den Kompressor V8-holen. Den gibt es mit 525 und 565 PS und der ist nochmals deutlich schneller, aber kaum teurer. Im Innenraum deutet ebenfalls nichts auf den E-Zusatz hin. Alles ist sehr heimelig, gut 1,5 Meter über dem Erdboden. Gebettet in feinstes Leder, umgeben von edlem Holz und gepanzert vom dicken Aluminum fühlt man sich wohl, durchgestylt und sicher. Geguckt wird seitlich durch Ruhe fördernde Doppelverglasung. Und nach vorne auf ein voll digitalisiertes Cockpit, das auch alle Infos zum Hybrid bereit hält.

Stil gibt’s nur beim Range Rover

Range Rover. Foto: Land Rover
Der Range Rover Plug-in-Hybrid bringt es auf eine Reichweite von 51 Kilometern. Foto: Land Rover

Bei knapp 120.000 Euro beginnt das Vergnügen aus riesigem PKW mit irren Geländefähigkeiten, purem Luxus und etwas Strom fürs Fahren. Vogue heisst beim P400e die Basis-Ausstattung, wenngleich Basis bereits volle Hütte bedeutet. Matrix-Scheinwerfer, 20-Zoll-Alus, dickes Leder und ein Soundsystem sind bereits inklusive. Der von uns pilotierte Autobiography, so wird oft die Top-Ausstattung beim Range getauft, ist so überflüssig wie ein Kropf.

Aber ganz ehrlich: Wen interessiert das in dieser Preisklasse? Mit dem Kropf kommen nochmals einige Taler hinzu und mit ein bisschen Schnick und Schnack wie Laser-Licht oder Entertainment-Paket stehen 150.000 Euro im Kassenbuch. So what. Wer kann der kann. Und der, der kann, ist in diesem Fall zu beneiden. Denn der Range verkörpert einen Stil, den ein Mercedes GLE oder ein X5 ebenso wenig je erreichen werden, wie ein Q7 (der e-tron ist fürs Modelljahr 2018 eh ausverkauft) oder ein Levante. Sie wirken wie eine Karikatur des Range. Und das kommt nicht nur daher, weil der Range Rover das Original ist. Ein Range Rover ist fein, edel, luxuriös – und irgendwie doch britisch zurückhaltend.

Bis 2020 je eine elektrifizierte Variante

1970 zeigte Land Rover den Prototypen des ersten SUV weltweit, Projektname Velar. Aus dieser Studie entsprang der erste zweitürige Range Rover. Das aktuellste Modell mit überarbeiteter Front und Heck verkörpert nun die Symbiose des Alleskönners perfekt. Ein SUV, das die Insassen stets ideal gekleidet ans Ziel bringt. Ob auf der Autobahn, zur Oper und auch mal über die wilden Pfade der schottischen Highlands. Da verzeiht man dem Range Rover P400e auch mal das eine oder andere Knarzen – das macht ein guter Ledersessel zuhause ja auch.

Ob es hingegen sinnvoll ist, ein 2,5 Tonnen-Monster zu fahren, soll jeder selbst entscheiden. Der Plug-In-Hybrid macht aus dem Range Rover keinen schlechteren Wagen, aber in jedem Fall einen interessanteren. Und das sieht Land Rover wohl auch so. Denn ab 2020 soll jedes Modell der Engländer eine elektrifizierte Variante besitzen, das nennen die Briten Strategie und wie die weiter aussehen könnte, zeigt die Schwestermarke Jaguar aktuell mit dem vollelektrischen I-Pace. Ein Performance-SUV, das mit ähnlicher Technik auch einem Land Rover gut stehen könnte.

1 Kommentar

  1. Gerade mit meinem RRS Hybrid nach Hause gekommen. Nach 28 km war der Akku leer und mit reinem Verbrenner gerade mal 430 km gefahren und nun ist der Tank fast leer. Sogar der Bordcomputer zeigt 14,3 Liter an. Das ist jetzt die zweite längere Strecke und jedesmal über 14 Liter!!!!
    Für Vielfahrer ist das Auto UNBRAUCHBAR!!!!!!

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein