Porsche Taycan Cross Turismo: Große Klappe, viel dahinter

Update für den E-Sportler

Porsche Taycan Cross Turismo: Große Klappe, viel dahinter
Der Porsche Taycan Cross Turismo hat zum neuen Modelljahr ein Update erhalten. © Porsche

Das Wort „Kombi“ hört man bei Porsche nicht gerne. Und doch gelingt beim Update des Cross Turismo eine Symbiose aus E-Antrieb, Dynamik und Platz.

Zugegeben: In Werbespots wird gerne ein wenig übertrieben. So ein neues Auto soll schließlich phänomenal aussehen. Mindestens. Doch was Porsche diesmal in Szene gesetzt hat, ist sehr viel mehr als bloß ein Clip.


Die Handlung ist ein Drift. Wieder und wieder. Aus allen Blickwinkeln. Einem Sandsturm gleich in der Rub-al-Chali-Wüste bei plus 30 Grad – und bei 30 Grad minus im tief verschneiten Finnland. Im schnellen Wechsel gefilmt von einer High-Tech-Drohne, deren aufregender Flug an eine Computeranimation glauben lässt – und doch kein bisschen unecht ist. Vom rasenden Porsche durchs Beduinenzelt per Schnitt hinter den Polarkreis und wieder zurück. Und dann jagt das fliegende Auge dem Quertreiber wie ein Geschoss hinten durch die offenen Seitenscheiben. Ganz großes Kino.

Auch fürs leichte Gelände geeignet

Und ja – auch große Klappe. Immerhin geht es beim neuesten Taycan um eine Art elektrischen Schnell-Transporter. Der heißt Cross, weil er auch Stöckchen und Steinchen kann – und Turismo, weil sich ihnen in Zuffenhausen vermutlich nur bei „Dreizylinder“ die Haare noch mehr aufstellen, als wenn sie das Wort „Kombi“ hören. Porsche-Kunden sollen schließlich nicht an Bretter und Baumarkt denken, sondern an Top-Performance – gepaart mit dem Komfort einer Reiselimousine. Hinten gibt’s deutlich mehr Kopffreiheit – an den Beinen wird es trotz „Fußgarage“ nicht größer als im Coupé. Aber das wäre Jammern auf hohem Niveau.

Den gesteigerten Alltagsnutzen erkauft man sich mit einem Minimum an Minderleistung. Bis zur dreistelligen Tacho-Anzeige vergeht eine lächerliche Zehntelsekunde mehr als im jeweiligen Coupé – und der Vortrieb endet zehn Stundenkilometer früher. Werte, die nur theoretisch beschreiben können, was sich tatsächlich tut, wenn man rechts unten auf dieses Pedal tritt, das ja keines des Gases mehr ist. Wer bislang glaubte, elektrisch zu fahren mache keinen Spaß, sollte umdenken. Trotz 2,3 Tonnen muss man sich die Beschleunigung vorstellen, als sitze man in einem Katapult und hinten kappt jemand das Halteseil. Wer nicht über das Gemüt eines Hirten verfügt, erliegt da schnell dem Tempo-Rausch.

Keramik-Bremsen im Einsatz

Optional kommen Keramikbremsen beim Cross Turismo zum Einsatz. Foto: Porsche

Um runterzukommen, muss man eine ordentliche Scheibe haben. Bei den Top-Versionen klugerweise aus Keramik. Die vorderen messen knapp 17 Zoll, die hinteren kaum weniger. Vorteil des Cross Turismo: Der Fünf-Meter-Sauser verfügt schon im 476 PS starken Basismodell über Allrad, Luftfederung und die Performance-Batterie Plus mit 93,4 kWh (netto: 83,7). Und so merkt man gar nicht, dass man vor ordentlich Stauraum herfährt. Maximal 446 Liter sind es bei voller Bestuhlung, umgeklappt finden bis zu 1,2 Kubikmeter Platz – das Dreifache dessen, was der normale Taycan fasst.

So oder so thront man. In passgenauen Sitzen, umgeben von feinem Interieur und inmitten von Displays und Touchscreens. Vor sich: Ein horizontal betontes Cockpit mit Anklängen an den ersten 911er. Mittig indes der Tacho. Umringt im Wortsinn von einem „Powermeter“. Den über Jahrzehnte kulthaft zentrierten Drehzahlmesser braucht es ja nicht mehr.

Ein opulenter Kommandostand für die Reise ins Niemandsland der Fahrphysik. Dort nämlich glaubt man sich, wenn der Cross Turismo zeigen darf, was er wirklich kann. Weniger als einen Wimpernschlag braucht die Elektronik, um Allradantrieb, Dämpfung und Ansprechverhalten auf das Optimum zu bringen – auf Wunsch dreht sogar die Hinterachse mit. Wo neun von zehn Fahrern schon am Limit agieren, bleibt der Taycan souverän.

Anhaltender Fahrspaß

Der Porsche Cross Turismo hat nun auch mehr Reichweite. Foto: Porsche

Wie lange das gutgeht? Sehr lange. Gut 20 schnelle Runden auf dem 2,8 Kilometer langen Handlingkurs am Hockenheimring bringen den Cross Turismo – ob nun 476 PS oder 761 – jedenfalls kein bisschen in Bedrängnis. Trotz 17 schneller Kurven und Tempo 200 am Ende der Start-Ziel-Geraden. Kein Hitzestau, kein Warnlämpchen, kein Not-Modus – immer Leistung satt. Okay, der Verbrauch liegt etwas über dem Schnitt…

Aber sie wollten in Zuffenhausen auch kein E-Auto bauen, auf dem Porsche steht, sondern einen Porsche mit E-Antrieb. Die Seele der Marke in ein neues Zeitalter bringen, sagte der ehemalige Taycan-Baureihenleiter Stefan Weckbach einst. Das verpflichtet: Zu einer Nordschleifen-Zeit von deutlich unter acht Minuten – und bis zu 450 Kilometern Reichweite. Getrennt voneinander, versteht sich.

Irgendwann aber ist selbst der beste Akku leer. Und da versprechen sie bei Porsche gut fünf Minuten Ladezeit für 100 Kilometer. Von fünf auf 80 Prozent Kapazität vergehen 22,5 Minuten. Die meiste Energie indes holt der Taycan aus Rekuperation. Bis zu 265 Kilowatt kann er einspeisen. Man lasse doch kein Watt liegen, heißt es. Wozu derartige Kompromisslosigkeit führt? Erstmals in der Geschichte von Porsche gibt es ein Wartungsintervall von sechs Jahren für die Bremse. Die Beläge könnten sonst zu alt werden…

Mehr Robustheit für den Akku

Der Porsche Taycan hat einen robusteren Akku und neue Farben erhalten. Foto: Porsche

Zum neuen Modelljahr haben sie den Akku bei allen Modellen nochmal aufgepeppt. Mehr „Laderobustheit“, wie es heißt, vor allem aber um die 20 Kilometer mehr Reichweite (ohne Neuhomologation), weil die Vorderachse beim Abkoppeln nun komplett stromlos bleibt. Zudem lässt sich der Taycan Cross Turismo nun auch in neuen Farben bestellen: dazu gehört die Farbe „sternrubin“ aus den 90er Jahren ebenso wie das knallige „acidgrün“.

Zusätzlich funktioniert nun auch Android Auto, und wer mag, parkt von außen ein – per App. Kleines Detail für den Connaisseur: Den Taycan kann man sich nun auch in „Sternrubin“ und ein paar anderen Kultfarben früherer Klassiker gönnen.

Die schlechte Nachricht: Unter 187 764 Euro tut sich nix in Sachen „Turbo S“. Auch wenn da schon so ziemlich alles an Bord ist, was das Lager hergibt. Es geht aber auch für die Hälfte: Mit dem Einstiegsmodell kommt man so gerade noch fünfstellig davon. Große Klappe braucht halt auch großen Beutel.

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