Opel Combo Life: Einer mit Eroberungspotenzial

Der Opel Combo Life kostet knapp unter 20.000 Euro. © Opel

Opel startet bei den Nutzfahrzeugen neu durch. Mit dem Combo Life und dem Combo Cargo will der Rüsselsheimer Autobauer seine Absatzzahlen in Europa deutlich steigern.

Nachdem Opel bislang im sogenannten Van-B-Segment nur ein Schattendasein fristete, soll nun mit dem Combo Life und der Cargo-Version ein Neustarrt vollzogen werden, wie Nutzfahrzeugchef Tobias Stoever bei der Vorstellung der neuen Modelle am Montag in Rüsselsheim sagte.


Die Voraussetzungen für die Zielerfüllung mit der mittlerweile fünften Generation des Combo stehen dabei nicht schlecht. Denn neben dem SUV- gehört das Van-B-Segment zu einem der am stärksten wachsenden Bereiche, wie Marketingchefin Christina Herzog sagte. So sei dieses Segment von 2014 bis 2017 um satte 30 Prozent gewachsen.

Doch während der PSA-Konzern mit einem Marktanteil von 29 Prozent in Europa Marktführer in diesem Segment ist, trat Opel dort so gut wie gar nicht in Erscheinung. Nach der Übernahme durch PSA ist man bei Opel nun überzeugt, auch in diesem Segment dank der neuen Synergien deutlich zulegen zu können. „Wir haben hier einiges vor“, sagte Herzog.

Opel profitiert vom EMP 2

Aufgeräumt und übersichtlich: das Cockpit im Opel Combo. Foto: Opel

Die Grundlage für diesen Optimismus bildet dabei die „Effiziente Modulare Plattform 2“ (EMP 2) des PSA-Konzerns. Auf ihm basieren nicht nur die beiden Combo-Modelle der Rüsselsheimer, sondern beispielsweise auch der Peugeot Rifter und der Citroen Berlingo. Die Plattform ermöglicht es den Entwicklern, die neuen Modelle mit einer großen Variabilität zu konzipieren. So ist es mit dem EMP 2 beispielsweise möglich, neben verschiedenen Spurweiten auch unterschiedliche Radstände anzubieten. So verfügt beispielsweise der Combo Life über zwei Varianten: die eine verfügt über eine Länge von 4,40 Meter, die XL-Version ist 35 Zentimeter länger.

Aspekte, die je nach Einsatzzweck von großer Relevanz für den Kunden sind. So verfügt beispielsweise der „kleine“ Combo über ein Kofferraumvolumen von 597 Litern, die XL-Version kommt auf 856 Liter. So oder so muss sich der Fahrer oder die Fahrerin eines Combo also keine allzu große Gedanken darüber machen, ob der Platz im Kofferraum für den Familienausflug auch reicht.

Combo auch als Siebensitzer erhältlich

Das Heck des Opel Combo Life. Foto: Opel

Wie es sich für Fahrzeuge in diesem Segment gehört, lässt sich der Combo optional von einem Fünf- zu einem Siebensitzer verwandeln. „Mit dem Combo Life sprechen wir insbesondere junge Familien an, die viel Platz brauchen“, sagte Herzog. Damit dieses Klientel auch erreicht wird, wird Opel erstmals auch in TV-Spots für den Combo Life werben, wie die Marketingchefin ankündigte. Im Verkauf ist das neuste Modell der Rüsselsheimer bereits seit Juni, zu den Händlern wird er Ende September rollen. Der Einstiegspreis für den Life liegt für den 1.2 Liter Dreizylinder-Benziner mit einer Leistung von 110 PS bei 19.995 Euro liegen. Die Cargo-Version, die ihre Weltpremiere am 19. September auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover feiert, kostet ab 16.850 Euro netto.

Nutzfahrzeugchef Stoever sieht einen großen Vorteil der neuen Modelle auch darin,dass sie nicht als Nutzfahrzeuge konzipiert wurden, sondern als Pkw. Entsprechend verfügen sie auch über eine Vielzahl von Fahrassistenzsystemen, die man sonst im Nutzfahrzeugsegment nicht findet. Dazu gehören beispielsweise ein Head-Up-Display, eine adaptive Geschwindigkeitskontrolle, ein Spurwechselwarner, ein Müdigkeitswarner, ein Frontkollisionswarner als auch ein Flankenschutz, der den Fahrer oder die Fahrerin beispielsweise vor Pollern warnt und so unliebsame Beulen an der Seite des Combo vermeiden hilft.

Sicherheit als Wettbewerbsvorteil

„Da die Sicherheit für die Kunden eine immer größere Bedeutung spielt, sehen wir uns damit im Wettbewerbsumfeld sehr gut aufgestellt“, betonte Stoever. Er erwartet „mit dem Wissen in die Stärke der beiden Modelle“ in Europa eine Absatzverdoppelung von 20.000 auf 40.000 Einheiten. Diese ambitionierten Aussichten dürften auch davon beeinflusst sein, dass der Konkurrent VW Caddy mittlerweile bereits etwas in die Jahre gekommen ist.

Doch hält der Combo auch, was sich die Verantwortlichen von ihm erwarten? Die ersten Testfahrten in und um Rüsselheim herum hinterließen schon einmal einen positiven Eindruck. Mit seinem optionalen Panoramaglasdach vermittelt der Combo Life gleich beim Einstieg ein großzügiges Raumgefühl. Die Innenraumanmutung ist wertig, klar strukturiert – da gibt es überhaupt nichts zu mäkeln.

Insgesamt 28 Ablagemöglichkeiten

Der Opel Combo Life bietet eine Vielzahl von Ablagemöglichkeiten. Foto: Opel

Wer versucht auf dem Beifahrerplatz den Sitz in der Länge zu verstellen, ist indes zunächst einmal irritiert. Denn einen Verstellhebel unter dem Sitz sucht man vergeblich: der befindet sich nämlich seitlich am Sitz. Darauf muss man erst einmal kommen. Doch abgesehen davon, ist alles so, wie man es erwartet. Der Combo bietet, wie es sich für ein solches Fahrzeug gehört, eine Vielzahl von Ablagemöglichkeiten. Es sind übrigens 28. Da muss man schon aufpassen, wo man was abgelegt hat. Je nach Wunsch kann man im Fond entweder drei Einzelsitze ordern oder auch eine 60:40-Variante. Der Einstieg erfolgt bequem über die zwei Schiebetüren auf jeder Seite. Der Kofferraum lässt sich übrigens auch durch die hochklappbare Heckscheibe beladen.

Und wie fährt sich der Combo? Gut, zwar ist unser Dreizylinder-Benziner mit seinen 110 PS kein Ausbund an Sportlichkeit, aber er macht seine Sache für einen Familien-Hochdachkombi wirklich gut. Den Sprint von 0 auf 100 bringt er in 11,8 Sekunden hinter sich, die Spitzengeschwindigkeit des 1,5 Tonnen schweren Combo ist bei 175 km/h erreicht. Das manuelle Sechsganggetriebe ist gut abgestimmt, setzt die Kraft unproblematisch in Vortrieb um. Das maximale Drehmoment liegt bei 205 Nm (1750 Touren). Der Verbrauch wird mit 6,7 Litern angeben. Neben der 110 PS-Variante wird es den Combo auch noch als 1.5 Liter Diesel mit einer Leistung von 76 bis 130 PS geben, es steht auch eine Achtgangautomatik zur Wahl.

Man darf nun gespannt sein, wie die Kunden auf die fünfte Generation des Hochdachkombis  reagieren. Der erste Eindruck jedenfalls ist vielversprechend.