Mercedes C43 AMG 4Matic: Urenkel als Perfektionist

Sportlicher Vertreter des Erfolgmodells

Der C43 AMG 4Matic. Foto: Mercedes
Der Mercedes C43 AMG 4Matic greift auf 390 PS zurück. © Mercedes

Mercedes hat der vierten Generation der C-Klasse ein Facelift verpasst. Pünktlich zum 25. Jubiläum gibt es mit dem C43 AMG 4Matic auch wieder einen sportlichen Ableger.

Die C-Klasse ist Mercedes’ Erfolgsgeschichte schlechthin. Und dabei hatte alles mit dem 190er angefangen. Eine Limousine, die 1982 ob ihres progressiv-klaren Designs irritierte, sich schließlich aber zum Bestseller entwickelte. Anfang der 1990er kam der Nachfolger, die erste C-Klasse. Bis heute das vielleicht wichtigste Modell der Stuttgarter.


Am 7. Juli schickt Daimler den W205, also die vierte Generation C in die zweite Lebenshälfte. Mit sanften Retuschen und aufgefrischter Technik. Und wie bei C-Klasse Nummer 1 – bei der Mercedes erstmals gemeinsame Sache mit AMG machte und auf der IAA 1993 den starken C36 präsentierte – gibt es auch 25 Jahre später wieder ein AMG-Sportmodell; C43 AMG 4Matic heißt er (wieder).

C43 AMG 4Matic will zeigen, was er hat

Damals schwappten die Emotionen über, als der kleine Mega-Benz präsentiert wurde. Ein 280 PS-Sauger in der 4,50-Meter-Limousine war eine Ansage, nicht nur in Richtung BMW. Und heute? Mit einem müden Blick goutiert der Kenner den C43, der sich von seinen schwächeren Geschwistern ab sofort durch den bislang dem V8 vorbehaltenem Kühlergrill und der nun vier runden Endrohre zu erkennen gibt und damit deutlich lauter aussieht als bisher.

Das Klientel möchte das haben, heißt es von AMG. Ein großer Teil der Kunden befindet sich mittlerweile in China und 80 Prozent der chinesischen C-Klasse-Kunden ist nach Mercedes-Angaben unter 40 Jahre jung und offensichtlich extrovertiert.

C43 AMG ab knapp 62.000 Euro

Und der Chinese will zeigen, dass er umgerechnet knapp 86.000 für eine voll ausgestattete C-Klasse ausgeben kann. In Deutschland kann man das differenzierter sehen. Bei uns kostet der neue C43 AMG 4Matic knapp 62.000 Euro. Dafür gibt es aber anschließend eine Aufpreisliste, die auch während eines Fluges von Stuttgart nach Shanghai nicht vollumfänglich verstanden werden wird.

Denn dass im C43 serienmäßig Halogen-Lampen um jeden Zentimeter Leuchtweite kämpfen, kann eigentlich nur ein schlechter Scherz sein. Hey Mercedes, es ist das C-Topmodell anno 2018. So summiert sich ein C43 mit standesgemäßen Scheinwerfern, Navi, Head-Up-Display, Keyless-Go, Parkpiepsern, Rückfahrkamera, Metallic-Lack, Performance-Sitzen und beispielsweise Digitalradio schnell auf mehr als 70.000 Euro – noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Garantiertes Spaßpotenzial

Die Seitenansicht des C43 AMG 4Matic. Foto: Mercedes
Der Mercedes C43 AMG 4Matic eignet sich als Kurvenräuber. Foto: Mercedes

Serienmäßig ist wenigstens der sonore V6-Biturbo vorhanden der beim Tritt aufs Gaspedal sein gesamtes Nervpotenzial aus den vier Rohren herausschreit. Für 1250 Euro extra gibt es übrigens eine klappengesteuerte Abgasanlage, die auf Knopfdruck aktiviert wird. Vielleicht auch für China gedacht und Europa-konform gemacht. Unser Tipp: 1250 Euro für einen guten Zweck spenden.

Dabei kann der C43 beim Ritt über die Autobahn auch sanft flüstern und trotzdem schnell sein. Die Neungang TCT-Automatik (Torque Converter Transmission) ist so weit gespreizt, dass bei Tempo 200 gerade einmal 3000 Touren anliegen. Bei halber Geschwindigkeit ist es lediglich ein Drittel dieser Drehzahl. Das kann auch den Verbrauch senken, den Mercedes mit 9,3 Liter beziffert.

Makulatur, denn wer sich dafür interessiert, ist beim C43 falsch. Er tankt teures Superplus, um die komplette Kraft aufbauen zu können. Neben den 390 PS stehen dann auch 520 Newtonmeter Drehmoment parat. Ausreichend, um locker in den Begrenzer bei 250 Sachen zu huschen. Eine „Unlimited“-Version gibt es beim C43 nicht. Das war und wird C63-Privileg bleiben. Garantiert ist dennoch das Spaßpotenzial auf Autobahnen, Landstraßen und vor allem auf abgesperrten Strecken.

C400 4Matic als feiner Bruder

Wer es indes ruhiger mag, sollte den feinen Bruder des C43 AMG 4Matic in Betracht ziehen. Der C400 4Matic hat den identischen Dreiliter unter der Haube, lediglich um 57 PS gezähmt, dafür komfortabler und mit feinerem Drehzahlverlauf bei ähnlichen Kraftreserven. Er begnügt sich mit Superbenzin.

Wer jedoch auf den Preis schielt, wird verwundert sein. Hievt man einen 400er auf das Niveau eines C43, stehen kaum weniger beeindruckende Zahlen auf dem Bestellformular. Hier entscheidet also eher Komfort und Genuss oder Sport und Prestige als der schnöde Mammon.

Überfrachtetes Lenkrad

Das Cockpit des C43 AMG 4Matic. Foto: Mercedes
Dynamisch geht es auch im Cockpit des C43 AMG 4Matic zu. Foto: Mercedes

Fahrdynamisch bewegt sich der C43 AMG 4Matic in anderen Sphären, nicht nur im Vergleich zum C400. Der AMG ist schnell. Sauschnell sogar. Dank Adaptiv-Fahrwerk (Serie), das zwar die Straffheit jederzeit spüren lässt, aber den Insassen dennoch ein Restmaß an Komfort gönnt. Wenngleich die Abrollgeräusche stets präsent sind. Und wegen des Allradantriebs, der im Normalfall 31 Prozent der Antriebskraft vorne belässt und 69 Prozent an die Hinterachse drückt. Sollte es ernst werden, beißen vier Kolben der AMG-Bremsanlage in die 360 Millimeter messenden Scheiben vorne und brummen den 4,70 Meter langen 1,7 Tonner souverän runter. Zum Wiederbeschleunigen aus dem Stillstand auf Landstraßentempo braucht’s 4,7 Sekunden.

Leider hat es Mercedes versäumt, auch in die C-Klasse die neuen Reihensechszylinder zu implantieren. Der V6 im C43 trompetet also weiterhin mit dem alten Aggregat, immerhin schon mit Euro 6d-Temp. Facelift eben. Auffälligste Neuerung des Interieurs ist das Lenkrad, jetzt mit integrierten, knarzenden Tempomat-Bedientasten. Der seit Jahrzehnten bekannte Tempomat-Bedienstock oberhalb des Blinkers ist passe. Das Lenkrad ist nun auch bei Mercedes mit Funktionen überfrachtet. Ähnliches könnte man dem Digital-Cockpit attestieren. Wer bereit sein sollte, 1000 Euro für die „Tacho-Individualisierung“ auszugeben, kann sich dort viele Details anzeigen lassen – zu viele vielleicht. Wenigstens halten die 2300 Euro teuren AMG-Performance-Sitze das, was sie versprechen: Fahrer und Beifahrer ganz fest.

Einstieg zur C-Klasse bei 35.000 Euro

Das Heck des C43 AMG 4Matic. Foto: Mercedes
Vier Endrohre kennzeichnen den Mercedes C43 AMG 4Matic. Foto: Mercedes

Wer jetzt schreit, dass Autos immer teurer werden und überhaupt früher alles besser war, hat nur zum Teil Recht. Für den heckgetriebenen C36 verlangte Mercedes damals rund 100.000 DM. In der Aufpreisliste fanden sich aber Dinge wie ASR für 2300 Mark, Klimaautomatik für 4250 Mark, das Autotelefon für 2000 Mark, eine verstellbare Lenksäule für 300 Mark und ein Radio ab 1000 Mark. Und 390 PS, Allradantrieb, Neungang-Automatik und den gewaltigen Bumms beim Tritt aufs Gaspedal, die gab es gar nicht.

Aus der Perspektive ist der C36 AMG ein guter Anfang gewesen, der Urenkel ist nun aber Perfektionist. Wem das alles zu viel ist: Den Einstieg macht der Stahl-befelgte C160 mit 129 PS für 35.000 Euro. Im Vergleich zum C43 ist der erschreckend teuer.

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