Mercedes C 350 e: Pädagogisch wertvoll

Zweiter Plug-in-Hybrid

Mercedes hat sich knapp gegen BMW durchgesetzt.
Mercedes hat sich knapp gegen BMW durchgesetzt. © Mercedes

Mercedes setzt seine Hybridoffensive fort. Mit dem C 350 e bringen die Schwaben jetzt ihr zweites Fahrzeug mit Plug-in-Hybrid auf den Markt. Verbrauchen soll er gerade einmal 2,1 Liter – zu schön um wahr zu sein, oder?

Von Frank Mertens

Die Zahlen sind ernüchternd: Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Deutschland gerade einmal 27.435 Hybridfahrzeuge zugelassen worden, darunter befinden sich 4527 Plug-in-Fahrzeuge. Ein Massenmarkt sieht anders aus. Für die Hersteller ist dies ernüchternd, dennoch setzen sie mit Blick auf das Erreichen der strengen CO2-Richtlinien der EU von 95 g/km bis zum Jahr 2021 auf dieses Technologie. Kein Wunder, denn damit lässt sich wunderbar die CO2-Bilanz schönen und mögliche Strafzahlungen vermeiden.

Zertifizierter Verbrauch von 2,1 Litern

So versprechen die Hersteller mit Blick auf die Verbrauchswerte der Plug-in-Hybride geradezu Wunder: Ein Fahrzeug wie der neue Mercedes C 350 e, nach dem S 500 das zweite Plug-in-Fahrzeug der Schwaben, kommt auf einen zertifizierten Verbrauch von 2,1 Litern (CO2-Wert 48 g/km) auf 100 Kilometern. Für ein Auto mit einer Systemleistung von 279 PS (davon entfallen 211 PS auf den Verbrennungsmotor) quasi ein Hauch von nichts. Doch wie es im Leben nun einmal so ist, hat dieser nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ermittelte Wert gar nichts mit der Realität zu tun.

Wer die neue C-Klasse unter Alltagsbedingungen bewegt, der kann von einem derartigen Wert nur träumen – oder sein ökologisch nicht adäquates Fahrverhalten in Frage stellen. Der Blick auf den Bordcomputer spricht eine andere Sprache: hier standen am Ende 6,9 Liter auf der Instrumententafel, wobei die letzten fünf Meilen im nervigen Feierabendverkehr von San Francisco im Stopp-and-Go-Betrieb zurückgelegt werden mussten. Kein Schlechter Wert für ein solches Auto – aber halt mehr als dreimal so viel wie versprochen.

31 Kilometer rein elektrisch

Mercedes hat mit dem C 350 e den zweiten Plugin-Hybriden im Programm.
Ein intelligentes Gaspedal ist an Bord des Mercedes C 350 e Mercedes

Also kann man das Thema Plug-in-Hybrid vergessen? Keinesfalls, es kommt halt auf das Fahrprofil an. Insbesondere derjenige, der seine C-Klasse vor allem in der Stadt bewegt, wird an ihr seine Freude haben. Schließlich ermöglicht sie rein elektrisch eine Reichweite von bis zu 31 Kilometern. Damit kann man dann zumindest lokal emissionsfrei durch die Stadt düsen – und sich über sein grünes Gewissen freuen. Dafür muss man dann indes auch 50.961 Euro für die Limousine beziehungsweise 52.627 Euro für das T-Modell bezahlen. Das ist viel Geld.

Dafür bekommt der Kunde jedoch auch ein Auto vor die Tür gestellt, das einem dabei hilft, möglichst lange elektrisch fahren zu können – und einem bei zu dynamischer Fahrweise durch ein haptisches Gaspedal einbremst. Wenn der Bleifuß mal wieder mal mit einem durchgeht, bremst einen das Pedal durch den Aufbau eines Gegendruckes ein und ermahnt zu einer umsichtigen Fahrweise. Damit das möglich ist, muss der Fahrer über den Betriebsartenschalter den Fahrmodus Eco-Mode ausgewählt haben. Wenn man den Druckpunkt spürt, ist die maximal elektrisch mögliche Fahrleistung abgerufen. Ignoriert man diesen Hinweis, schaltet sich der Verbrennungsmotor zu. Das funktioniert verblüffend einfach – so wie man es bereits aus dem S 500 kennt.

Vorausschauendes Fahren

Mercedes hat mit dem C 350 e den zweiten Plugin-Hybriden im Programm.
Verschiedene Fahrmodi stehen für den Mercedes C 350 e zur Auswahl Mercedes

Das System ist dabei derart ausgeklügelt, dass es die Batterieleistung auf dem bestmöglichen Stand hält – der Fahrer kann dies an einer Vielzahl von Grafiken im Cockpit ablesen. So sorgt beispielsweise der Eco-Assistent dafür, dass das serienmäßige Abstandswarnsystem ein vorausschauendes Fahrzeug erkennt und den Fahrer über das haptische Fahrpedal auffordert, vom Gas zu gehen. So soll verhindert werden, dass Bewegungsenergie vergeudet wird. Die C-Klasse ist hier also ein Auto mit Erziehungsauftrag – erweist sich dabei aber als ausgesprochen aufgeschlossen und betreibt dabei eine proaktive Pädagogik.

Wie das? Die C-Klasse ist ein vorausschauendes Fahrzeug. Wenn die Route ins Navigationssystem eingegeben ist, berechnet der Computer die beste Fahrstrategie beispielsweise für Steigungen und Gefälle, damit die Hochvolt-Batterie möglichst effizient die Energie einsetzen beziehungsweise zurückgewinnen kann. Wenn dies gelingt, dann hat man idealerweise auch ausreichend Strom im Speicher haben, um in der Stadt elektrisch unterwegs sein zu können – und damit die CO2-Belastung zu vermeiden. Wer sich darauf nicht verlassen will, der kann natürlich auch im so genannten E-Save-Mode fahren: Dann bleibt der Ladezustand der Batterie so lange erhalten, um in der Stadt nur rein elektrisch fahren zu können. Wenn die Batterie leer ist, dauert die Aufladung an einer Wallbox eineinhalb Stunden.

Keine Einbußen beim Fahrspaß

Mercedes hat mit dem C 350 e den zweiten Plugin-Hybriden im Programm.
Der Mercedes C 350 e kann auch fahraktiv pilotiert werden Mercedes

Natürlich braucht man beim Mercedes C 350 e keine Abstriche beim Fahrspaß machen. Schließlich kann man unter den fünf Fahrprogrammen auch in den Sport+-Modus wechseln. Dann ist das Fahrwerk nicht nur besonders straff abgestimmt, sondern der Vierzylindermotor stellt auch die maximale Boostleistung parat.

Das mag in einem solchen Auto etwas deplatziert wirken, aber macht letztlich Sinn. Denn Verzicht war noch nie ein gutes Verkaufsargument. Und ein maximales Drehmoment von 600 Nm ist eine Ansage, die man dann auch beim Beschleunigen im Zusammenspiel mit der gut abgestimmten Siebengangautomatik erfreut zur Kenntnis nimmt. In 5,9 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 250 km/h.

Mercedes jedenfalls plant, bis zum Jahr 2017 noch acht weitere Plug-in-Hybride auf den Markt zu bringen. Man darf gespannt sein, wie sich das Kaufinteresse der Kundschaft auch angesichts der gesalzenen Preise entwickelt.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.