17. September 2014

Fahrbericht Luxuslimousine mit attraktivem Preis Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid: Das Dreiliter-Auto

Der neue S 500 Plug-in-Hybrid von Mercedes Fotos ▶
Der neue S 500 Plug-in-Hybrid von Mercedes © Daimler

Mercedes muss seinen Flottenverbrauch bis 2021 auf vier Liter drücken. Ein anspruchsvolles Ziel. Damit das gelingt, setzen die Schwaben auf den Plug-in-Hybrid. Was er zu bieten hat, haben wir bei Testfahrten mit dem S 500 getestet.




Von Frank Mertens

Das Ziel ist ambitioniert. Insbesondere für einen Premiumhersteller: Bis zum Jahr 2021 müssen die Autobauer den von der EU beschlossenen CO2-Grenzwert von 95 g/km erreichen. Etwas besser schaut es für Hersteller wie BMW, Audi und Mercedes aus: sie müssen den Flottenverbrauch auf den gewichtsbasierten Wert von 99 g/km kommen. Das entspricht einem Verbrauch von vier Litern. Allein durch innermotorische Maßnahmen lässt sich ein solches Ziel nicht erreichen.

Die Schwaben, die derzeit auf einen Flottenverbrauch von 134 g/km kommen, setzen deshalb auf den Plug-in-Hybrid. "Bis 2017 werden wir nicht weniger als zehn neue Modelle mit Plug-in-Hybrid auf den Markt bringen", kündigte Harald Kröger an, der bei Mercedes den Bereich Elektrik verantwortet. Den Anfang macht in diesem Jahr der Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid. Mit einer Systemleistung von 442 PS und einem maximalen Drehmoment von 650 Nm verbraucht das Flaggschiff der Stuttgarter gerade einmal 2,8 Liter auf 100 Kilometern (CO2-Wert 65 g/km). Mit ihm kann man rein elektrisch bis zu 33 Kilometer zumindest lokal emissionsfrei unterwegs sein.


Verbrauch von 2,8 Litern auf 100 Kilometern

Ein Verbrauch von 2,8 Litern hört sich vielversprechend an. Doch ist das auch abseits des Rollenprüfstandes zu halten? Nein, aber das hängt weniger am Plug-in-Hybrid im S 500, als an den mit der Realität wenig gemein habenden Prüfregularien des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Wie immer hängt der Verbrauch natürlich maßgeblich vom Fahrer ab - und das zeigt sich auch bei der Reichweite. So kann durch einen umsichtigen Fahrstil in Kombination mit der Technik auch fast die doppelte Strecke allein mit Batteriekraft zurückgelegt werden, so man denn auch mit dem richtigen Fahrmodus unterwegs ist. In diesem Fall im Hybrid-Modus.

Im Hybrid-Modus ist der S 500 besonders effizient unterwegs
Im Hybrid-Modus ist der S 500 besonders effizient unterwegs © Daimler

Er sorgt dafür, dass der V6-Verbrennungsmotor und der E-Motor sich nicht nur dem Ladezustand der Batterie anpassen, sondern dass man im Zusammenspiel mit dem Navigationssystem auch vorausschauend unterwegs sein kann, indem sich der S 500 dem Streckenverlauf anpasst. Damit der Fahrer auch effizient unterwegs ist, wird er von einem so genannten haptischen Gaspedal unterstützt: es signalisiert dem Fahrer mit einem Doppelimplus, wann es Sinn macht, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, um zu segeln oder zu rekuperieren.

Diese Unterstützung funktioniert im Alltagsbetrieb hervorragend. Zugleich erhält der Fahrer im Cockpit auch die Information über den Energiefluss. Das ist alles sehr durchdacht und macht zugleich Spaß, weil man sich anspornt, möglichst lang elektrisch zu fahren. Doch was ist nun mit dem Verbrauch? Der lag bei den Testfahrten mit viel Autobahn- und Landstraßenstrecken laut Bordcomputer bei knapp über sechs Litern, dennoch ein guter Wert für eine Luxuslimousine mit einem Gewicht von 2,2 Tonnen. Doch natürlich kann man diese S-Klasse auch komplett emissionsfrei fahren, beispielsweise im Stadtverkehr. Dafür braucht man nur den E-Mode auszuwählen und schon fährt man nur elektrisch. Wenn die Batterie trotzdem mal zur Neige geht, lässt sie sich an einer Wallbox in zwei Stunden aufladen, an einer Haushaltssteckdose sind dafür nicht ganz drei Stunden notwendig.

Kein Verzicht durch Plug-in-Hybrid

Wer meint, er müsse wegen der Antriebsart Verzicht üben, der täuscht sich. Die S-Klasse bleibt eine S-Klasse und sorgt für die gleichen Annehmlichkeiten wie das klassische Modell mit Verbrennungsmotor, auch bei den Fahrleistungen: 5,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 250 km/h erreicht. Gibt es nichts, was negativ ist? Doch, der Kofferraum bietet statt 510 Litern nur noch ein Fassungsvermögen von 395 Litern. Aber irgendwo hin müssen die Batterien halt.

Und wie schaut es mit dem Preis des S 500 Plug-in-Hybrid aus? Er liegt bei rund 109.000 Euro. Dieser Preis ist eine Ansage und zeigt, wie ernst es die Stuttgarter nehmen, das Modell ihren Kunden schmackhaft zu machen. "Das ist 1:1 der Preis, den wir für den S 500 mit V8 aufrufen", sagt Uwe Ernstberger, der die Large Cars bei Mercedes verantwortet. Das ist mutig und wirft die Frage auf, wieviel Mercedes denn überhaupt noch mit dem S 500 Plug-in-Hybrid verdient, auch wenn die S-Klasse das margenstärkste Modell im Portfolio ist. Doch diese Frage bleibt unbeantwortet.

Das Heck des  S 500 Plug-in-Hybrid
Das Heck des S 500 Plug-in-Hybrid © Daimler

Diesen Preis kann man dann auch als deutlichen Kaufanreiz für die Kunden verstehen, sich bei der Wahl einer S-Klasse für den S 500 Plug-in-Hybrid zu entscheiden. Denn das Erreichen des CO2-Wertes hängt davon ab, dass ausreichend Kunden sich für ein solches Modell entscheiden, betonte Ernstberger. Wieviele Kunden es sein müssen, damit Mercedes in 2021 auch die 99 g/km erreicht, bleibt dabei etwas vage. Mercedes spricht mit Blick auf den Gesamtabsatz auf von einer zweistelligen Prozentzahl.

Nachdem nun der S 500 als Plug-in-Hybrid kommt, rollt ab 2015 als nächstes die neue Mercedes C-Klasse mit der Kraft der zwei Motoren zu den Händlern. Danach folgen weitere Fahrzeuge. Rein rechnerisch wird alle vier Monate die Flotte um ein weiteres Plug-in-Modell erweitert. Dieses Tempo ist auch nötig, denn schon 2016 peilt Mercedes einen Flottenverbrauch von 125 g/km an. Derzeit befinden sich im Portfolio der Schwaben 50 Modelle mit einem CO-Wert von weniger als 120 g/km, neun Fahrzeuge emittieren sogar weniger als 100 g/km.

Nun geben die Schwaben weiter Gas – damit in 2021 auch die 99 g/km erreicht werden – und damit teure Strafzahlungen vermieden werden. Jetzt müssen nur noch die Kunden mitspielen und statt eines Achtzylinders ihr Herz für den Plug-in-Hybrid erwärmen.






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