Cupra Leon Plug-In: Der doppelte Löwe

Cupra Leon Plug-In: Der doppelte Löwe
Nach WLTP stehen 52 Kilometer rein elektrische Reichweite zur Verfügung © Cupra

Auch die Seat-Submarke Cupra bietet ihre Leon-Version mit dem zweifachen Antrieb an. Wir fuhren die Kombi-Version Sportstourer und wurden wenig überrascht. Was man sowohl positiv als auch negativ sehen kann.

Auf den ersten Blick betrachtet ist dieses Fahrzeug ziemlich nah am Ideal einer eierlegenden Wollmilchsau: tolles Design, sparsamer, auf Wunsch überwiegend elektrischer Antrieb (Umweltprämie!) und hohe Alltagstauglichkeit. Dazu kommt der besondere Kick, denn wir haben es hier zwar mit einem aus dem VW-Konzernbaukasten zusammengestellten Produkt zu tun, aber der Name Cupra als sportliche Untermarke von Seat weckt natürlich besondere Erwartungen.


Bei einem Plug-in-Hybriden steht naturgemäß der Antrieb im Mittelpunkt – und der zumindest gibt keine Rätsel auf. Denn die Kombination aus 1,4-Liter-Benzinmotor (150 PS) sowie des Elektroantriebs (115 PS) und die sich daraus ergebende Systemleistung von 245 PS ist ein aus anderen Konzernfahrzeugen wohlbekanntes Konstrukt, mit allen Vor- und Nachteilen.

E-Reichweite in der Praxis 35 Kilometer

Nach WLTP stehen 52 Kilometer rein elektrische Reichweite zur Verfügung. Der Nutzer tut aber gut daran, in der Praxis mit nicht mehr als 35 Kilometern zu rechnen. Reichweitenangst muss er aber nicht haben, zumal das Benzin-Tankvolumen mit 40 Litern nur 5 Liter geringer ausfällt als bei den Verbrenner-Modellen und in der Praxis für mindestens 500 Kilometer reicht.

Das Zusammenspiel der beiden Motoren geht zudem äußerst harmonisch vonstatten, die Technik ist schon sehr ausgereift. Aber auch, wenn man gar nicht so viel fährt, nervt das ewige Strom-Nachtanken im Alltag doch, vor allem, wenn man nicht bequem zuhause laden kann. Da man ja eigentlich den Akku immer gerne voll hätte, muss der Cupra also nach fast jeder Fahrt an die Steckdose, zumindest wenn man wirklich hohe elektrische Fahranteile erzielen will und den Plug-in nicht nur wegen der 0,5-Prozent-Dienstwagenbesteuerung geordert hat.

Überflüssiger Soundgenerator

Von leer auf voll an der Wallbox (3,6 kWh dauert es etwa 3,5 Stunden, an einer normalen Steckdose 6 Stunden. Foto: Cupra

Der Antrieb unterscheidet sich letztlich so wenig von – sagen wir – einem normalen Seat Leon Sportstourer, dass man angesichts des Sportversprechens der Marke Cupra aber doch einigermaßen enttäuscht ist. Da nutzt auch der alberne künstliche Soundgenerator nichts, mit dem man das Geräusch eines 2,0-Liter-Turbo in den Innenraum gespielt bekommt. Wer sich für einen Plug-in entscheidet sollte doch eigentlich dazu stehen können und zudem die relative Ruhe eines E-Antriebs und eines gut gedämmten Benziners genießen.

Der Akku leert sich wie erwähnt relativ schnell und wenn er leer ist, arbeitet nur noch der Verbrenner, der aus 1,4 Litern Hubraum 150 PS schöpft. Mit dem wegen des Doppelantriebs rund 1.660 Kilo wiegenden Fahrzeug hat er dann seine Probleme, denn der Benzinverbrauch steigt im Alltag schnell an. Wir kamen bei reiner Verbrennerfahrt auf Wert von 7 bis 8 Liter, durch die Zuschaltung des E-Antriebs reduzierte sich der Wert im Durchschnitt auf 5,6 Liter. Im reinen E-Modus verbraucht der spanische Löwe rund 20 kWh auf 100 Kilometern, was nicht gerade wenig ist, vor allem, wenn man auf öffentliche Wallboxen angewiesen ist.

Da eine Plug-In-Batterie nie allzu groß ausfällt, in unserem Fall beträgt die Kapazität 12,8 kWh, ist sie auch schnell wieder geladen. Von leer auf voll an der Wallbox (3,6 kWh) in etwa 3,5 Stunden, an einer normalen Steckdose dauert es 6 Stunden. Da man zudem selten mit komplett leerem Akku vor die Ladesäule fährt, geht es in der Praxis meist noch ein wenig schneller. Trotzdem: Der Cupra Leon hat mit allen Plug-Ins gemein, dass sich seine Anschaffung eigentlich nur für Wenigfahrer mit häuslicher Nachlademöglichkeit lohnt, die ab und zu mal auf größere Fahrt gehen.

Ausgezeichnete Sitze

Die Sitze sind ausgezeichnet, der Innenraum gemütlich und gut verarbeitet. Foto: Cupra

Man fährt in im Alltag automatisch zurückhaltend, was sicher gut für die Umwelt ist, den versprochenen Löwen allerdings allzu lieb dastehen lässt. Und das wiederum passt nicht zur sportlichen Fahrer-Marke Cupra und auch nicht zum Auto selbst. Denn eigentlich lädt das Fahrzeug ja zu einer größeren (Urlaubs)-Reise ein. Die Sitze sind ausgezeichnet, der Innenraum gemütlich und gut verarbeitet und es gibt zwar weniger Platz als ein einem normalen Sportstourer (wegen der Akkus), aber mit 470 bis 1.450 Liter immer noch genug für die meisten Einsätze.

Wie alle neuen Konzernprodukte des Modularen Querbaukastens hat allerdings auch der Spanier leider jene seltsamen Bedienschwächen und Elektronikprobleme übernommen, die man schon bei Golf und Co. monierte: Angefangen von der schlecht zu steuernden Lautstärkeeinstellung über Mulden unterhalb des 10-Zoll-Displays bis hin zu irritierenden Ausfallhinweisen zu den Assistenzsystemen. (SP-X)

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