E-Auto-Reichweite: Zwischen Datenblatt und Alltag

E-Auto-Reichweite: Zwischen Datenblatt und Alltag
In der Stadt kommen E-Autos besonders weit, auf der Autobahn eher nicht © Renault

Wie weit reicht mein Akku – das ist Stromer die Frage aller Fragen. Die offiziellen Werte taugen dafür allerdings nur bedingt.

Dass es mit der Realitätsnähe von Verbrauchsangaben nicht weit her ist, kennt jeder, der einen Benziner oder Diesel fährt. Im Alltag stellt das kein großes Problem dar, kann man doch im Zweifel einfach kurz nachtanken, wenn der Vorrat schneller erschöpft ist als gedacht. Beim E-Auto ist das nicht immer der Fall. Entsprechend wichtig wären verlässliche Angaben zur Reichweite. Doch die gibt es in den technischen Daten des Herstellers meistens nicht.


Ermittelt wird die Reichweite auf dem Prüfstand nach den Vorgaben des WLTP-Zyklus. Der simuliert einen bunten Mix von Verkehrssituationen und bildet so einen einzelnen Durchschnittswert, in den neben Stadt- und Überlandverkehr auch Autobahnanteile einfließen. Für den deutschen E-Auto-Fahrer ist aber in der Regel nur letzterer interessant. Denn in der Stadt lässt sich auch der kleinste Akku an einem einzelnen Tag kaum sinnvoll leer fahren, die Reichweite ist also vergleichsweise unwichtig. Interessant ist die maximal am Stück absolvierbare Strecke hingegen auf der Autobahn – etwa bei der Fahrt in den Urlaub oder zu dienstlichen Terminen. Diese besonders energieintensive Art des Fahrens ist im WLTP-Reichweitenwert aber nur zu einem kleinen Teil abgebildet. In der Praxis liegt die Autobahnreichweite dadurch deutlich unter der Normreichweite, während die eher theoretisch interessante Stadt-Reichweite deutlich darüber liegt.

Radius hängt von vielen Faktoren ab

E-Autofahrer mit hohem Autobahnanteil nutzen daher oft eine Faustformel und ziehen pauschal 20 Prozent von den WLTP-Angaben ab. Auch das ist nicht besonders präzise, weil der Real-Verbrauch und damit die Reichweite beim E-Auto auch sehr stark von den Umgebungsvariablen wie etwa der Außentemperatur abhängt. Im Winter etwa schrumpft das Streckenpotenzial stärker als im Sommer.

Anders als beim Benziner oder Diesel kann man sich zur besseren Orientierung auch nicht damit behelfen, Tankinhalt beziehungsweise Akkugröße durch den in den technischen Daten angegebenen Autobahnverbrauch zu teilen. Denn in den offiziellen Stromverbrauch von E-Autos fließen auch Ladungsverluste ein, die für die Reichweite keine Rolle spielen. Zudem ist die genaue, nutzbare Batteriegröße häufig nicht bekannt, da manche Hersteller lediglich Bruttowerte angeben. Die sind jedoch größer als die netto entnehmbare Energiemenge.

Wer sich etwa vor dem Kauf eines Elektroautos über dessen wirklich Langstreckentauglichkeit informieren will, muss das wohl in Foren im Internet tun. Allerdings sind auch die dort geposteten Werte mit Vorsicht zu genießen, da es in der Szene häufig einen sportlichen Unterbietungs-Wettstreit gibt und viele Nutzer viel Ehrgeiz ins Erzielen besonders niedriger Verbräuche und hoher Reichweiten investieren. (SP-X)

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